FRAUENFELD: Die Scheibe ist draussen

Nach drei Monaten Umbauzeit hat der Frauenfelder Bahnhof ab heute wieder geöffnet. Die verglaste Schalteranlage hat einem offenen Servicebereich Platz gemacht, wie er seit vergangenem Jahr SBB-Standard ist.

Stefan Hilzinger
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Stadtpräsident Anders Stokholm und Bahnhofsleiter André Zobrist begutachten die umgebaute Schalterhalle. (Bild: Donato Caspari)

Stadtpräsident Anders Stokholm und Bahnhofsleiter André Zobrist begutachten die umgebaute Schalterhalle. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. «Klack», und der Teller mit dem Nötli macht eine halbe Umdrehung. Die Frau hinter der Scheibe legt Billett und Retourgeld in die Mulde. Nochmals «klack» und der Zugreisende klaubt Münzen und Billett aus der Mulde. Dann hastet er aufs Perron.

Das war bis gestern. Mit dem Umbau des Bahnhofs Frauenfeld sind Drehteller und Trennscheibe verschwunden. Der Kundenbereich im umgebauten Bahnhof präsentiert sich seit heute, wie es neuester Standard ist bei den SBB. Rund ein Dutzend Schweizer Bahnhöfe hat seit vergangenem Herbst das neue, gleiche Interieur erhalten: Zurückhaltendes braunes Mobiliar, auf einem breitformatigen Leuchtplakat strahlt eine Frau die potenziellen Bahnkunden an.

Etwas eng im Container

«Unsere Aufgabe hier ist es, zu betreuen, zu beraten und zu verkaufen», sagt André Zobrist. Der Frauenfelder Zobrist ist Leiter Marktgebiet Thurgau und auch Leiter des Frauenfelder Bahnhofs. Vorstände gibt es keine mehr bei den SBB. Zwölf Angestellte und drei Lehrlinge kümmern sich in Frauenfeld um die Anliegen der Kundschaft. Der Verkauf von Billetts ist nur eine ihrer Aufgaben. Sie wechseln Feriengeld, organisieren Überweisungen ins Ausland und stehen bei Betriebsstörungen auf dem Perron, um wartende Reisende zu beruhigen. Drei Monate dauerte der Umbau, während denen das Personal in einem Container arbeitete. «Der Platz war schon etwas eng, aber es ging», sagt Zobrist. Umso mehr freut sich nun das Frauenfelder SBB-Team auf seine neuen Arbeitsplätze.

Gestern Nachmittag fand ein Eröffnungsapéro statt. Stadtpräsident Anders Stokholm hat Freude am neuen Gesicht des Bahnhofs. «Gerade noch rechtzeitig vor der Eröffnung des Gotthardbasistunnels ist der Umbau abgeschlossen», sagt Stokholm. So bleibt der Bahnhof wie in der Vergangenheit schon ein Ausgangspunkt für Menschen aus Frauenfeld und der Region, um die Welt zu erkunden und um mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken wieder zurückzukehren. «Reisen Sie gut und kehren Sie gesund wieder zurück», lautet Stokholms Wunsch.

Anderthalb Millionen Franken

Der Bahnhof Frauenfeld aus dem Jahr 1859 ist einer der ältesten seiner Art in der Schweiz. Die spätklassizistische Fassade erhielt zum Bahnhofplatz hin eine Pinselrenovation, der rückwärtigen Seite steht der frische Anstrich noch bevor. Anderthalb Millionen Franken kostete der Umbau. Nicht nur das Mobiliar ist neu. Investiert haben die SBB etwa auch in neue Haustechnik und LED-Beleuchtung. Im oberen Stockwerk haben die Bundesbahnen zudem Büros, Umkleideräume und einen Aufenthaltsraum erneuert. Diesen Bereich teilen sich die SBB-Angestellten vom Personenverkehr mit jenen vom Güterverkehr. «Während der Rübenkampagne sind am Bahnhof Frauenfeld bis zu 60 Personen tätig, davon bis zu 30 Lokführer», berichtet Zobrist. Nun hätten sie alle hier oben einen anständigen Pausenraum.

Zur Eröffnung des umgebauten Bahnhofs ist auch Alberto Bottini nach Frauenfeld gereist. Er ist als Mitglied der Geschäftsleitung der SBB für Vertrieb und Service zuständig. «Die Scheiben am Schalter sind weg. Es gibt keine getrennten Welten mehr von Bahnpersonal und Kundschaft», sagt Bottini.