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FRAUENFELD: «Die Resultate der Alkoholtestkäufe rütteln auf»

Mehr als die Hälfte der Thurgauer Jugendlichen unter 16 Jahren erhalten in Restaurants und Geschäften Alkohol, obwohl dies das Gesetz verbietet. Im schweizweiten Jugendschutzvergleich schneidet der Thurgau schlecht ab.
Silvan Meile
deutsches Lagerbier in einem Bierkrug (Bild: (38098828))

deutsches Lagerbier in einem Bierkrug (Bild: (38098828))

FRAUENFELD. Simone Villiger muss leer schlucken. Die Mitarbeiterin der kantonalen Abteilung Gesundheitsförderung, Prävention und Sucht blickt auf ernüchternde Resultate von Alkoholtestkäufen durch Minderjährige im Thurgau. In über der Hälfte beziehungsweise 57 Prozent der Fälle ist dabei Jugendlichen unter 16 Jahren gegorener Alkohol wie Bier, Most und Wein verkauft worden. «Im Vergleich zu anderen Kantonen ist das ein hoher Wert», bedauert Villiger. Gemäss eidgenössischer Statistik des vergangenen Jahres liegt dieser schweizweit bei 32,2 Prozent.

Das kantonale Gesundheitsamt hatte diesen Sommer erstmals Alkoholtestkäufe organisiert und finanziert. Insgesamt 162 Testkäufe führte das Blaue Kreuz im Auftrag des Amtes durch und prüfte dabei, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Dafür seien Restaurants, Bars, Kioske, Imbisse und Läden aufgesucht worden. Zehn Gemeinden beteiligten sich am Projekt, nachdem alle vom Kanton angeschrieben wurden.

Gemeinden kümmern sich kaum um Jugendschutz

Der Verkauf von Tabak und Alkohol an unter 16-Jährige ist verboten. Die Käufer von Spirituosen müssen volljährig sein. Auch beim destillierten Alkohol ist das Thurgauer Resultat mit 41 Prozent erfolgreicher Käufe deutlich über dem nationalen Schnitt von 29,1 Prozent. Bei den Tabakwaren gelang es 33 Prozent der Testkäufer, solche zu kaufen.

«Diese Resultate rütteln auf», sagt Simone Villiger. Die hohen Werte im Thurgau seien dadurch zu erklären, dass in anderen Kantonen schon deutlich länger solche Testkäufe durchgeführt werden. Dort würden die Erfahrungen zeigen, dass sie eine aufklärende und abschreckende Wirkung hätten, wodurch die Werte laufend sinken. Das soll nun auch im Thurgau erreicht werden. «Wir werden dranbleiben», sagt Villiger.

Zuständig wären eigentlich die Gemeinden. Mit Ausnahme von Weinfelden während der Wega würden die Thurgauer Gemeinden aber nur selten Alkoholtestkäufe veranlassen, kritisierte das Blaue Kreuz bereits in der Vergangenheit. «Wir können die Gemeinden nicht zwingen», sagt Villiger. Doch das Amt für Gesundheit biete ihnen nun künftig mit einem Leitfaden und einer finanziellen Beteiligung eine Unterstützung. Letztere komme aus dem Alkoholzehntel, dem Anteil der Kantone aus dem Ertrag der eidgenössischen Alkoholverwaltung. Unter dem Strich müsse mit Kosten von hundert Franken pro Testkauf gerechnet werden, sagt Villiger. Sie hofft auf ein künftig grösseres Engagement der Gemeinden und damit mehr Erfolg beim Jugendschutz.

Sensibilisieren, ohne Bussen zu verteilen

«Aus Sicht des Amtes für Gesundheit wäre es wünschenswert, wenn in den Gemeinden regelmässig Testkäufe durchgeführt würden, da in anderen Kantonen nachgewiesen werden konnte, dass dies längerfristig Wirkung zeigt», heisst es in einer Mitteilung. Fehlbare Verkaufsstellen seien schriftlich über die Resultate informiert und auf Informations- und Schulungsmaterial hingewiesen worden. Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen können mit den Testkäufen keine Bussen ausgesprochen werden. Es gehe primär um Sensibilisierung, hält das Amt für Gesundheit fest. Doch es dürfte wohl Gemeinden geben, die Angst haben, ihre Wirte und Läden mit Testkäufen zu verärgern.

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