FRAUENFELD: Die Könige der Eskimorolle

Hier kann man beim Zusehen nass werden. Aber langweilig ist's bestimmt nicht. Heute und morgen kämpfen in der Badi 14 Kanupolo-Teams um Schweizer-Meister-Titel.

Mathias Frei
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Kanupolo ist ein intensiver Sport. Das zeigt sich an dieser Spielszene aus einer Partie der Schweizer Nationalmannschaft gegen Südafrika. (Bild: pd)

Kanupolo ist ein intensiver Sport. Das zeigt sich an dieser Spielszene aus einer Partie der Schweizer Nationalmannschaft gegen Südafrika. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Wenn der Gegenspieler einen schubst, man abtaucht, eine halbe Rolle macht, aber nicht wieder hochkommt: Das ist das Schlimmste, was einem Kanupolo-Spieler passieren kann. «Da bleibt man besser unten, statt aus dem Kanu zu steigen und an Land zu schwimmen», sagt Colin Weber schmunzelnd. Solche Szenen wird man heute und morgen ziemlich sicher nicht zu sehen bekommen an den Kanupolo-Schweizer-Meisterschaften im Frauenfelder Freibad. «Obwohl es in der Schweiz nur vier aktive Kanupolo-Vereine gibt, wird das Niveau ziemlich hoch sein», sagt Weber. Der 25jährige Metallbauer, der in Frauenfeld lebt, gehört dem OK der Meisterschaft in Frauenfeld an – und er ist auch aktiver Spieler: beim veranstaltenden Verein Thurgauer Wildwasserfahrer (TWF), in der deutschen Bundesliga beim Ruhrpott-Verein KC Wetter und in der Schweizer Nati.

Heute ab 9 Uhr stehen sich in den Kategorien Herren, Damen und Herren U21 insgesamt 14 Teams gegenüber. Die über 110 Spielerinnen und Spieler sind aus Zürich, Rapperswil, Fribourg und vom TWF.

Vom Mittelmeer in die Badi Frauenfeld

Letztmals ging die SM vor fünf Jahren in Frauenfeld über die Bühne. Regulär spielen die Thurgauer Wildwasserfahrer auf dem Pfyner Weiher, ihr Clublokal befindet sich beim neuen Pfyner Sportplatz. «Für einen so grossen Wettkampf bietet die Badi Frauenfeld bessere Bedingungen», sagt Mitveranstalter Weber. Gespielt wird im 50-Meter-Sportbecken, das auch über eine Zuschauertribüne verfügt. Ob auf einem Weiher oder in einer Badi: Das Spiel an sich sei nicht anders. Aber weil das Sportbecken weniger tief ist als der Pfyner Weiher, braucht die Fortbewegung im Kanu mehr Kraft. Vor zwei Wochen war das mit der Wassertiefe noch anders. In Siracusa auf Sizilien fand die Kanupolo-Weltmeisterschaften statt. Gespielt wurde im tiefen Hafenbecken, also eigentlich im Mittelmeer. Der TWF stellte vier Herren-Natispieler, zwei Spieler der u21-Nati und drei Nati-Spielerinnen. Nur ein ganz kleiner Teil der Reise- und Hotelkosten wurde vom nationalen Verband übernommen. Im Meisterschaftsbetrieb zahlt man alles aus dem eigenen Sack. Bei Kanupolo schwingt sehr viel Idealismus mit. «Man opfert zwar seine ganzen Ferien, aber wir kommen auch ganz schön rum», sagt Weber, der auch in Siracusa spielte und mit der Nati den sechsten Rang holte – von 24 Ländern. Frankreich, Holland, Belgien, Spanien, England, Deutschland, Polen und Tschechien: In all diesen Ländern spielte Colin Weber schon mit seinen Clubs oder in der Nationalmannschaft.

Am Abend aufbauen, am nächsten Morgen spielen

Der TWF ist bei den Damen und Herren Titelverteidiger. Auch in der U21-Kategorie würden die Thurgauer als Favoriten gelten. Bei ihrer eigenen SM kommen die Thurgauer Organisatoren aber an die Grenzen der Ehrenamtlichkeit. Das heisst: Am einen Abend bis 21 Uhr aufbauen, dann sofort ab ins Bett und am nächsten Vormittag Spiele gewinnen.

Dieser Einsatz hat Publikum verdient. Der Eintritt für SM-Besucher ist frei. Es gibt eine Festwirtschaft. Und falls es regnen sollte, gibt es auch gedeckte Plätze. «Hier kann man eine spezielle Sportart hautnah miterleben», sagt Colin Weber. «Bei Kanupolo läuft immer etwas, ähnlich wie im Handball.» Das liegt auch daran, dass ein Angriff nach spätestens 60 Sekunden abgeschlossen sein muss. Als Zuschauer habe man vielleicht den Eindruck, das sei ein rabiater Sport. «Es ist auch intensiv, aber geht grundsätzlich fair zu und her.»

Schweizer Meisterschaften im Kanupolo in der Badi Frauenfeld: heute Spielbetrieb von 9.30 bis 20.15 Uhr, morgen ab 9 Uhr, Finalspiel der Herren um 15 Uhr. Weitere Infos: www.twf.ch