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FRAUENFELD: Die ewige Muse rechnet ab

«Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herr Goethe» steht am Dienstag auf dem Programm des Theatervereins.

Weimar 1786: Nach zehn scheinbar in Eintracht verbrachten Jahren verlässt Goethe die Stadt. Über Nacht, heimlich, ohne Abschied oder Erlaubnis. Charlotte von Stein, seine Geliebte, sieht sich nun mit ihren Gefühlen und den Vorwürfen ihres Gatten konfrontiert. Wir erleben den Dichterfürsten aus einer erfrischend anderen Perspektive, wird er doch statt von Historikern von einer liebenden wie verletzten Frau beschrieben: Goethe, der eitle Zeitgenosse, der Hypochonder, der Versager in der Liebe, der sich nur darauf versteht, seine Abenteuer literarisch auszubeuten... Sich selbst sieht Charlotte von Stein als diejenige, die aus einem Sturm-und-Drang-Flegel einen einigermassen brauchbaren Menschen gemacht hat.

Charlotte von Stein, verheiratet und sieben Jahre älter als Goethe, zog in Weimar den stürmischen jungen Dichter in ihren Bann. Mit grosszügiger Duldung des Ehemanns wurde Goethe zum vertrauten Freund der Frau von Stein, die als tugendhaft, wohlgestalt, edel gesinnt, aber auch als streng geschildert wurde. Sie inspirierte den Dichter zu einer Flut leidenschaftlicher Briefe und Gedichte. Goethes heimliche Abreise nach Italien kränkte Charlotte von Stein sehr, die Freundschaft zerbrach daran.

Peter Hacks Einpersonenstück ist einer der erfolgreichsten Theatertexte des 20. Jahrhunderts. Brecht-Enkelin Johanna Schall hat die Produktion des Theaters a.gon inszeniert.

Vorstellung diesen Dienstag, 19.30 Uhr im Stadtcasino, 18.45 Uhr Einführungsreferat von Oliver Szokody im «Blumenstein». Billetts bei Büro Witzig oder an der Abendkasse.

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