FRAUENFELD: «Die Bar ist mein drittes Kind»

Seit rund drei Jahren baut Barbetreiber Piero Ruberti seine Gin-Sammlung aus. Mittlerweile gibt es in der «Spirit-Bar» 82 verschiedene Sorten und dazu passend 18 unterschiedliche Tonic Water.

Rahel Haag
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Inmitten von Gins: Piero Ruberti in der «Spirit-Bar». (Bild: Donato Caspari)

Inmitten von Gins: Piero Ruberti in der «Spirit-Bar». (Bild: Donato Caspari)

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch

Die Tür steht sperrangelweit offen. Eine schmale Treppe führt in die Bar hinauf. Als Garderobe dienen leere, an der Wand befestigte Gin-Flaschen. Es riecht nach Räucherstäbchen, laute Musik kommt aus den Boxen. Piero Ruberti sitzt bei einem Kaffee draussen auf der Terrasse in der Nachmittagssonne. In zwei Stunden schenkt er wieder aus.

Er dreht die Musik leiser. «Am Anfang wurde ich noch belächelt», sagt der 48-jährige Frauenfelder. Manch einer konnte sich nicht vorstellen, dass eine grosse Auswahl an verschiedenen Gins Erfolg bringt. Das war 2014, als Ruberti mit sechs Gin-Sorten anfing. Heute zählt seine Sammlung 82 Sorten, und die Zweifler sind verstummt. Mehr noch: Keiner habe es gewagt, ebenfalls auf Gin zu setzen. Sein Angebot hat er langsam aufgestockt. «Zuerst wollte ich sicher sein, dass die Nachfrage vorhanden ist.» 1200 verschiedene Variationen serviert er heute. Da finde jeder einen Gin und das passende Tonic. In der «Spirit-Bar» stehen 18 zur Auswahl. «Es muss mit dem Gin harmonieren», sagt Ruberti.

Die Geschmacksrichtungen der verschiedenen Gins sind endlos. Sie reichen von erdig über fruchtig bis zitronig. Ruberti holt zwei Flaschen aus dem Regal. Ein Gin aus Südafrika mit Trüffeln aus der Kalahariwüste und ein spanischer mit Meerfenchel, der nur bei Vollmond destilliert wird. Entscheidend sei, dass er Wacholder enthält – dann ist es ein Gin. Rubertis Ziel sind 101 verschiedene Gin-Sorten. «Nur der Platz wird langsam knapp», sagt er und lacht.

Die letzten Ferien liegen sieben Jahre zurück

Hinten im Regal stehen drei goldglänzende Winkekatzen. Unaufhörlich bewegen sich ihre Arme. Genauso beständig steht Ruberti hinter der Bar. Sieben Tage die Woche ab 17 Uhr. Er zieht an seiner Zigarette, blickt aus dem Fenster, schaut einem Abrissbagger zu, der auf der gegenüberliegenden Strassenseite die Mauer eines Gebäudes einreisst. «Ich habe praktisch kein Privatleben.» 2010 war er das letzte Mal in den Ferien. Seit 17 Jahren ist er geschieden. Seine beiden Söhne sind mittlerweile erwachsen. «Die Bar ist mein drittes Kind», sagt er und lächelt.

Ruberti ist ein leidenschaftlicher Beizer – seit zehn Jahren in Frauenfeld. Die Hälfte der Zeit ist er schon an der Bahnhofstrasse. Davor war die «Spirit-Bar» an der Murgstrasse im sogenannten Bermudadreieck. Genau wie gegenüber wurde auch dort das Gebäude abgerissen. Zwei Monate war er ohne Bar. «Das war schlimm.» Doch auch die Anfangszeit am neuen Ort war hart. Die Gäste blieben aus, er machte Verlust. Heute kann er vom Wirten leben. Die meisten seiner Gäste kennt er. «Sie sagen nicht, gehen wir in die ‹Spirit-Bar›, sondern gehen wir zu Piero.» Er lächelt. Die Tafel mit der Aufschrift «Spirit-Bar» durfte er allerdings erst sechs Monate nach Eröffnung anbringen. Davor war an der Fassade «Odus-Bar» zu lesen. «Der Verpächter wollte das so, weil es viele Wechsel gegeben hatte.» Die Tafel hängt. Und geht es nach Ruberti, wird sie dort auch bleiben. Mindestens, bis er pensioniert wird.