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FRAUENFELD: Der verankerte Weltenbummler

Heute sitzt Andreas Anderegg zum letzten Mal an seinem Pult als Kommunikationsleiter der Stadt. Die glitzernde Box-Welt ermöglichte ihm Reisen und Freundschaften zu Stars. Nun tritt er kürzer, organisiert Box-Events und kümmert sich um seine Familie.
Samuel Koch
Ob früher als Journalist oder zuletzt als Kommunikationsleiter hält Andreas Anderegg oft den Finger am Auslöser. (Bild: Reto Martin)

Ob früher als Journalist oder zuletzt als Kommunikationsleiter hält Andreas Anderegg oft den Finger am Auslöser. (Bild: Reto Martin)

Sie ähnelt sich, die Situation im Boxring und bei der Arbeit in der Kommunikationsbranche. Im Beruf als Kommunikator wisse man wie beim Gegner im Ring nie genau, was als nächstes passiert, sagt Andreas Anderegg. Heute nimmt er nach neun Jahren letztmals Platz auf seinem Bürostuhl als städtischer Kommunikationsleiter. Mit 61 Jahren geht er in Frühpension. «Agieren ist besser als Reagieren», sagt er über seine langjährige Zeit im Journalismus. «Wer nicht informiert, lässt den Gerüchten freien Lauf», meint er. Das habe ihm nicht nur seine Zeit im Beruf, sondern auch die Phase als CVP-Gemeinderat von Gachnang gezeigt.

In den Journalismus stieg der gelernte Elektromonteur in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre ein. «In der Schule hatte ich zwar nie besonders gerne geschrieben, während meiner Aktivzeit als Sportler kam ich aber auf den Geschmack», sagt Anderegg. Nach einem Praktikum bei der Sportredaktion der «Thurgauer Zeitung» stieg er bei der damaligen «Thurgauer Volkszeitung» als Lokalredaktor ein. 1996 kehrte er als Regionalleiter zur «TZ» zurück. Nebst den vielen guten Begegnungen sei ihm aber auch das raue Journalisten-Dasein vor Augen geführt worden. «Vereinzelt griffen mich damals Leute im Zusammenhang mit dem Verkehrskonzept F21 ziemlich heftig verbal an, ich fühlte mich im falschen Film», meint Anderegg.

Rauer Wind im Journalismus

Als er nach über 20 Jahren als ambitionierter Schreiberling die Seiten in die Kommunikation wechselt, bekommt die Medienarbeit der Stadt Auftrieb. Anfangs habe er jährlich 80 Medienmitteilungen verfasst, «heute sind es über 200», nennt er nur ein Beispiel. Im Gegensatz zum teils rauen Wind auf der Redaktion waren die Arbeitszeiten als Kommunikator geregelter. «Aber wer denkt, bei der Stadt eine ‹ruhige Kugel› zu schieben, irrt», sagt er. Hinter den Kulissen laufe im Bereich Kommunikation viel, von dem man von aussen wenig wahrnehme – vorab die Zusammenstellung von Geschäftsberichten, die Mitarbeit in Projektgruppen, das Fotografieren bei Anlässen und die Pflege der Website. So könne es durchaus auch missverstanden werden, wenn man an einem ganz normalen Wochentag mit dem Fotoapparat in der Hand durch die Altstadt läuft – «das hat nichts mit Freizeit zu tun». Als einen der Höhepunkte bezeichnet er den jüngsten Relaunch der neuen Internetseite der Stadt, die er mitentwickelt und mitgestaltet hat.

Als sich in den 80er-Jahren der Weg in die Kommunikation ebnete, ging derjenige seiner grossen Passion Boxen harsch zu Ende. Bei seinem zwölften Profikampf 1986 bricht sich Anderegg im Alter von 29 Jahren das Bein. Trotzdem schaut Anderegg als fünffacher Schweizermeister auf eine erfolgreiche Karriere zurück. «Ich war nie besonders talentiert», sagt er heute. «Ich hatte dafür einen unbändigen Willen.» Klar, seine Laufbahn gleiche einem ungewöhnlichen Weg, er habe ihn aber auch Förderern wie seinem früheren Arbeitgeber Heinrich Rüesch zu verdanken.

Auge in Auge mit seinen Kindheitsidolen

Wegen der glitzernden Showbühne mit sportlichen Auftritten in aller Welt habe er nie geboxt, sagt Anderegg. Es habe ihm aber viele Türen geöffnet zu Freundschaften. Als einen seiner grössten Momente bezeichnet er eine Begegnung 1991 in Stuttgart. «Die Bee Gees tourten durch Europa, und ein Magazin engagierte mich als Journalisten, weil die Gibb-Brüder keine Medientermine wahrnehmen wollten», erzählt Anderegg als wäre es gestern gewesen. Ein Telefonanruf ans Management genügte, und wenige Tage später stand Anderegg seinen Kindheitsidolen gegenüber, die er anfangs der 80er bei einem Trainingsaufenthalt in Florida kennengelernt hatte. Der Kontakt zur Familie Gibb blieb bestehen – bis heute.

Jetzt sei es an der Zeit, kürzer zu treten, um sich auch wieder mehr um seine Frau und seine drei Kinder zu kümmern. «Bald werde ich zum dritten Mal Grossvater», sagt Anderegg mit funkelnden Augen. Als Präsident des Swiss-Boxing-Verbands werde es ihm nebenbei nicht langweilig. «Ich möchte Events organisieren, vermehrt die Fäden ziehen und Kontakte knüpfen.» Dafür zieht es den Weltenbummler aus dem überschaubaren Bethelhausen, das er als kleines Königreich bezeichnet, wieder in die weite Welt hinaus. Seine Heimat aber bleiben die Stadt und die Region Frauenfeld. «Hier kennt und grüsst man sich.»

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

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