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FRAUENFELD: Der stille Betrüger: 29-Jähriger steht wegen 37 Vergehen vor Gericht

Ein 29-Jähriger musste sich vor dem Bezirksgericht Frauenfeld für 37 Vergehen, wie Nötigung, Urkundenfälschung und Veruntreuung verantworten. Heute sei er ein Anderer, beteuert er.
Rahel Haag
In dem auf 20 Tage angesetzten Prozess am Bezirksgericht Frauenfeld will die Thurgauer Staatsanwaltschaft beweisen, dass unrechtmässige Gewinne aus den FlowTex-Betrügereien in der Schweiz gewaschen und dort versteckt wurden. (Bild: NANA DO CARMO)

In dem auf 20 Tage angesetzten Prozess am Bezirksgericht Frauenfeld will die Thurgauer Staatsanwaltschaft beweisen, dass unrechtmässige Gewinne aus den FlowTex-Betrügereien in der Schweiz gewaschen und dort versteckt wurden. (Bild: NANA DO CARMO)

Es begann an einem Dezemberabend auf dem Parkplatz bei der Eishalle in Frauenfeld. Der damals 19-Jährige zerkratzte mit einem spitzen Gegenstand den Lack seines Autos und schlug mit einem Stein die Scheibe der Fahrertür ein. Anschliessend meldete er die Beschädigungen bei der Kantonspolizei Thurgau. Zudem sagte er den Polizisten, dass aus dem Fahrzeug ein Koffer der Marke Louis Vuitton, eine Dior-Sonnenbrille sowie eine Armbanduhr der Marke Panerai im Gesamtwert von gut 17000 Franken entwendet worden sei. Dies war sein erster Betrug.

Für dieses und 36 weitere Vergehen, wie Urkundenfälschung, Veruntreuung und Nötigung sowie zwölf Verkehrsdelikte, musste er sich am Mittwoch im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten. Die strafbaren Handlungen beging er zwischen 2007 und 2017.

Der mittlerweile 29-Jährige erschien in einem schicken Anzug, wirkte wie aus dem Ei gepellt. In sich zusammengesunken sass er auf dem Stuhl. In der Anklageschrift sind elf Privatkläger aufgeführt. Deren Forderungen belaufen sich auf insgesamt über 128000 Franken. Dies erkennt der Angeklagte an. «In meiner Karriere habe ich noch kaum eine so lange Anklageschrift bei einem so jungen Menschen gesehen», sagte der Vorsitzende Richter René Hunziker.

Freundin bei Minusgraden auf den Balkon gesperrt

In seiner Befragung beschränkte sich der Richter auf einige wenige Vergehen. Die Antworten des jungen Mannes waren kurz. Er sprach leise. Im Dezember 2012 war es zwischen ihm und seiner damaligen Freundin zu einem Streit gekommen. In dessen Verlauf hatte er sie geohrfeigt, getreten und an den Haaren gerissen. Nachdem sie über ihr Handy einen Hilferuf an ihre Schwester verschickt hatte, war sie vom Angeklagten auf den Balkon gesperrt worden, obwohl Minustemperaturen geherrscht hatten. Auf die Frage, ob das korrekt sei, hauchte er beinahe tonlos: «Das trifft zu.»

Knapp drei Jahre später hatte er über eine App eine junge Frau kennen gelernt. Nach ihrer zweiten Verabredung und einvernehmlichen Geschlechtsverkehr schrieb sie ihm in einer Nachricht, dass sie ihn nicht mehr treffen wolle. Daraufhin drohte er ihr, einen Sex-Film von ihr im Internet zu veröffentlichen und dazuzuschreiben, dass sie für Geld «ficke». Auch das gab der Angeklagte zu. «Das ist noch nicht so lange her», sagte Hunziker und wollte wissen, was sich seither geändert habe. «Heute bin ich ein Anderer», sagte er. Es sei für ihn eine schlimme Zeit gewesen, damals. «Ich lebe seit gut zwei Jahren in einer soliden Partnerschaft.» Er sei ruhiger geworden, spiele Fussball und beschäftige sich mit seinem Hund.

Das Geld aus einer Erbschaft ist "verpufft"

Auffällig sind die zahlreichen Vergehen im vermögensrechtlichen Bereich. «Nach dem Urteil werden sie erhebliche Schulden haben», sagte Hunziker und fragte den Angeklagten nach finanziellen Rücklagen. Dieser schüttelte den Kopf. Er habe kein Vermögen. In den Unterlagen habe er etwas von einer Erbschaft gelesen, sagte der Richter. Der 29-Jährige schüttelte wiederum den Kopf: «alles verpufft.» «Sind sie davon überzeugt, dass ihnen die Rückzahlung ihrer Schulden gelingen wird?» Er nickte. Auf die Frage nach dem wie antwortete er, dass er beruflich «Gas geben» wolle. Aktuell verdiene er monatlich 5500 Franken netto. «Zudem lebe ich nicht auf grossem Fuss.» Sein Schlusswort hielt der Angeklagte ebenfalls kurz: «Es tut mir leid, was ich gemacht habe.»

Schliesslich wurde der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Davon sind acht Monate vollziehbar, die restlichen 28 Monate sind bei einer Probezeit von vier Jahren bedingt vollziehbar. Ins Gefängnis muss er aber nicht. In den Jahren 2009 und 2010 sass der Angeklagte während acht Monaten in Untersuchungshaft. Diese wird ihm angerechnet. Zusätzlich zu den Verfahrenskosten wird ihm zudem eine Busse von 5100 Franken auferlegt. Die Verfahrenskosten belaufen sich insgesamt auf rund 52680 Franken. Zu einem früheren Zeitpunkt war ein Geldbetrag von 50400 Franken beschlagnahmt worden. Dieser wird zur Tilgung der Verfahrenskosten eingesetzt. Dasselbe gilt für den Erlös einer ebenfalls beschlagnahmten Tissot-Uhr.

Zum Schluss äusserte René Hunziker Bedenken, ob der Angeklagte tatsächlich auf dem richtigen Weg sei. Er müsse künftig gehörig aufpassen, «sonst müssen sie für längere Zeit ins Gefängnis.»

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