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FRAUENFELD: Der Lauf des Mörders ist abgedreht

Während vier Tagen filmte eine Berner Produktionsfirma in Frauenfeld. Der Waffenlauf bildet die wichtigste Kulisse des Films «Der Läufer». Die Crew um Schauspieler Max Hubacher kämpfte vor allem mit dem wechselnden Wetter.
Larissa Flammer
Max Hubacher alias Jonas Gerber läuft ins Ziel, wo ihn die Kameras und die Statisten erwarten. (Bilder: Andrea Stalder)

Max Hubacher alias Jonas Gerber läuft ins Ziel, wo ihn die Kameras und die Statisten erwarten. (Bilder: Andrea Stalder)

«Ton ab. Wir drehen. Und bitte!» Der laute Ruf hallt über das Zielgelände des Frauenfelder Waffenlaufs. Gut 50 Personen stehen auf dem Parkplatz neben der Kaserne in der Thurgauer Hauptstadt. Auf Kommando beginnen sie zu klatschen. Die Kamera läuft. Ein junger Mann in Tarnanzug und Turnschuhen läuft um die Ecke und dem Ziel entgegen. Er jubelt und wird von Gratulanten umringt. Der Mann hat gerade den Waffenlauf gewonnen. Im Film ist es November 2014. Auf der Startnummer steht Jonas. Gerber lautet der Nachname.

Der Erfolg Gerbers am Waffenlauf ist ein wichtiger Bestandteil des Films «Der Läufer». Dieser kommt voraussichtlich in einem Jahr in die Kinos. Max Hubacher verkörpert die Hauptperson. Für den Schauspieler und die Statisten ist es Montag. Der letzte Teilnehmer des echten Waffenlaufs hat bereits am Tag zuvor die Ziellinie überquert. Trotzdem steht der grosse Zielbogen noch. Auch die Absperrgitter sind noch da. Die Berner Produktionsfirma Contrast Film ist während vier Tagen in Frauenfeld und dreht Szenen über Jonas Gerber. Den jungen und erfolgreichen Läufer, der zum Mörder wurde. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Der in Tuttwil aufgewachsene Mischa Ebner ist die Vorlage für Jonas Gerber.

Ein Feuerwehrschlauch ersetzt den Regen

Die Statisten werden am frühen Montagmorgen instruiert. «Statistenregel Nummer 1: Nie in die Kamera blicken.» Am Sonntag, während des Waffenlaufs, war jeder Teilnehmer und jeder Zuschauer potenzieller Statist. «Da war es schwieriger. Blickt jemand in einem unpassenden Augenblick in die Kamera, müssen wir ihn rausschneiden», sagt Produzent Stefan Eichenberger. Die Bedingungen in Frauenfeld seien sehr gut. Dabei sei vor allem der Lauf am Sonntag die grosse Unbekannte gewesen. «Da konnten wir die Umstände nicht kontrollieren und die Szenen nicht einfach wiederholen. Davor hatten wir Respekt», sagt Eichenberger. In den vergangenen Jahren sei die Crew «x-mal» am Waffenlauf gewesen, um die Abläufe zu studieren und sich so gut wie möglich vorzubereiten. Die grössten Probleme habe das Wetter bereitet. An den beiden ersten Drehtagen hat es geregnet. Während des Laufs am Sonntag schien plötzlich die Sonne, am Montag war es trocken, aber bewölkt. Mit einem grossen Feuerwehrschlauch hat die Crew am Montag die Strasse nass gemacht.

Dreimal nimmt Jonas Gerber am Waffenlauf teil. 2014, 2015 und 2016. Alle drei Teilnahmen werden während den vier Drehtagen gefilmt. «Max wird umgezogen auf 2016», heisst es zwischen zwei Aufnahmen. Plötzlich trägt der Schauspieler eine Kappe, die Turnschuhe haben eine andere Farbe. Abgesehen davon sieht sein Tenue – der Tarnanzug – immer gleich aus. Die Statisten werden am Streckenrand etwas anders angeordnet. Es bleiben aber für alle Aufnahmen dieselben. «Es hätten etwas mehr Statisten sein können», sagt Eichenberger. Dass der Montag der schwierigste Tag werde, habe man aber erwartet. Einige Statisten spielen ebenfalls Läufer. Sie wurden über Leichtathletikclubs angefragt.

Bei Tonaufnahmen muss der Laubbläser schweigen

Die Statisten haben an diesem kalten Montag immer wieder die gleiche Aufgabe: sie jubeln und klatschen. Im Zielgelände oder verteilt an einem Streckenabschnitt. Hubacher hat auch vor allem eine Aufgabe: er läuft. Immer und immer wieder die gleiche Strecke. Mal erwartet die Kamera ihn, mal folgt sie ihm, mal fährt sie ihm etwas voraus.

Nachdem sich der Schauspieler mit seinen Kollegen in die Wärme zurückgezogen hat, müssen die Statisten zur Tonaufnahme antreten. Während der verschiedenen Laufszenen soll vor allem eine Geräuschkulisse die Bilder untermalen. «Sounddesign» nennt sich das. Die Gruppe stellt sich im Halbkreis auf und folgt den Instruktionen. Sie klatscht und ruft in auf- und absteigender Lautstärke. Da die Mikrophone sehr empfindlich sind, sind Lachanfälle verboten. Auch ein Angestellter des Unterhaltsdiensts der Stadt, der gerade mit einem Laubbläser zu Werke gehen will, wird zu einer Pause ermuntert. Das Interesse der Passanten an dem lustigen Grüppchen bleibt klein. Die wenigsten scheinen zu wissen, was da vor sich geht. Sie werden sich vielleicht erinnern, wenn Frauenfeld in einem Kinofilm vorkommt.

Gerbers Bruder erwartet ihn im Zielgelände. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Gerbers Bruder erwartet ihn im Zielgelände. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

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