Der Jüngste fehlt am meisten

Abwesend wegen Prüfungen und Vorlesungen: Student und Kantonsrat Felix Heller ist Absenzenkönig der auslaufenden Legislatur des Grossen Rates. Auch Barbara Müller fehlt häufig. Die Geologin hat regelmässig beruflich im Ausland zu tun.

Silvan Meile
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Weinfelden TG - Sitzung des grossen Rates des Kanton Thurgaus im Rathaus Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Weinfelden TG - Sitzung des grossen Rates des Kanton Thurgaus im Rathaus Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

FRAUENFELD. Ein Studium lässt sich nur schwer mit einem Mandat als Kantonsrat unter einen Hut bringen. «Wenn man beides richtig machen will, wird es schwierig», sagt Kantonsrat Felix Heller, angehender Fremdsprachenlehrer. Prüfungen, wichtige Vorlesungen und Auslandaufenthalte hinderten den SP-Politiker oft daran, an den Sitzungen des Grossen Rates teilzunehmen.

Studium soll kein Hindernis sein

Seit Mai 2012, dem Beginn der nun auslaufenden Legislatur, hat Heller an 23 von 77 Halbtagessitzungen gefehlt. Kein anderes Ratsmitglied liess seinen Stuhl öfters leer, wie eine Auswertung sämtlicher Sitzungsprotokolle verdeutlicht. Das macht den Studenten zum Absenzenkönig der Legislatur 2012–16.

«Ich mach Felix Heller keinen Vorwurf», sagt der amtierende Grossratspräsident Max Arnold. Er habe ein gewisses Verständnis für Ratsmitglieder, die in Ausbildung seien. Auch wenn sie dadurch öfters an den Grossratssitzungen fehlen, ein Hindernis für eine Kantonsratskandidatur sollte ein Studium nicht sein, findet Arnold.

Frust beim Überflieger

Trotzdem hat Felix Heller genug. Er kandidiert für keine weitere Amtsdauer als Kantonsrat. Nicht nur, weil sich das politische Amt zeitlich schwer mit dem Studium abstimmen lässt, es sei auch ein «echter Frust» gewesen. Als SP-Politiker sei es im Thurgauer Grossen Rat mit seiner bürgerlichen Übermacht schwierig, etwas bewegen zu können.

Vor vier Jahren schaffte der damals 19jährige Arboner Überflieger vom SP-Listenplatz 12 die Wahl in den Kantonsrat. Den Titel des bisher jüngsten gewählten Volksvertreters in der Geschichte des Kantons Thurgau hält er weiterhin.

Ohne unentschuldigte Absenzen

Auch Barbara Müller aus Ettenhausen fehlt oft im Grossen Rat. An 22 der 77 Halbtagessitzungen blieb sie fern. «Ich bin regelmässig beruflich in Nepal», begründet die Geologin auf Anfrage ihr häufiges Fernbleiben. Doch dieses Engagement werde künftig abnehmen, sagt die SP-Kantonsrätin. Deshalb kandidiere sie für die Grossratswahlen vom 10. April erneut.

Generell sei die Präsenz der Ratsmitglieder «gut bis sehr gut», sagt Grossratspräsident Max Arnold. Grundsätzlich halte die Geschäftsordnung auch fest, dass die Kantonsräte private Termine und Ferien mit den Sitzungsterminen abstimmen sollen. «Die Disziplin beim Melden der Absenzen ist ebenfalls sehr gut», sagt Arnold. Jede Absenz werde vorgängig beim Ratspräsidium oder den Parlamentsdiensten angemeldet. Unentschuldigtes Fernbleiben der Grossratssitzungen komme nicht vor.

Abrupt aus dem Alltag gerissen

Mit 20 Absenzen erscheint SVP-Kantonsrat Walter Strupler auf Rang drei der Kantonsräte mit den meisten Absenzen. Ein schwerer Unfall mit einer Rückenmarkverletzung riss ihn vor einem Jahr abrupt aus seinem Alltag. Am Paraplegikerzentrum Nottwil kämpfte er sich zurück ins Leben. Eine Rückkehr in den Grossen Rat blieb ihm aber verwehrt. Walter Strupler kandidiere nicht mehr als Kantonsrat, sagt er gestern. Vielmehr hoffe er, dass es ihm möglich sei, an einer der nächsten Grossratssitzungen zu erscheinen, um sich von seinen Kollegen verabschieden zu können.