FRAUENFELD: Der exotische Osten

Im Stadtquartier Herten-Bannhalde brüllten früher 23 Löwen. Heute sind es nicht mehr ganz so viele, im Quartier ist es ruhiger geworden. Bauernhöfe und viel Natur prägen das Bild.

Géraldine Bohne
Drucken
Teilen
Quartiervereinspräsident Markus Kutter beim Schulhaus Herten; für ihn das Zentrum von Herten-Bannhalde. (Bild: Andrea Stalder)

Quartiervereinspräsident Markus Kutter beim Schulhaus Herten; für ihn das Zentrum von Herten-Bannhalde. (Bild: Andrea Stalder)

Géraldine Bohne

geraldine.bohne

@thurgauerzeitung.ch

Orchideen in allen Farben blühen in den Wäldern, die Sonne scheint über das Nebelmeer hinweg, an den Grillstellen treffen sich Familien. Im Osten, auf einer Anhöhe 150 Meter oberhalb des Frauenfelder Stadtkerns, ist es exotisch. Das Gebiet in der ruhigen Natur gehört trotz ländlicher Atmosphäre zur grössten Stadt des Kantons Thurgau. Es ist das Quartier Herten-Bannhalde. «Bei uns wachsen Orchideen», sagt Quartiervereinspräsident Markus Kutter. Normalerweise ist die «Königin der Blumen» eher in tropischen Gegenden zu finden.

Nicht nur schöne Blumen gibt es auf dem Hochplateau. Es erstrecken sich Felder an grünen, saftigen Wiesen und braunem Ackerland. «Man fühlt sich hier nicht wie in einer Stadt», sagt Kutter. Obwohl das Quartier sehr unspektakulär sei, habe es trotzdem viele schöne Orte. Zahlreiche Einfamilienhäuser am äusseren Stadtkern und einige Bauernhäuser ausserhalb prägen das Quartierbild. Dank der vielen Bauernhöfe können die Bewohner direkt ab Hof kaufen. «Wer wissen möchte, wo die Milch herkommt, kann zu uns kommen», sagt der 55-jährige Amtsleiter für Gesellschaft und Integration scherzend. Im Quartier habe es auch eine Käserei, in der Bio-Emmentaler hergestellt wird. «Auf die einzige Käserei in der Stadt sind wir schon ein wenig stolz.» Auch der Plättlizoo sei ein Pluspunkt. Bei schönem Wetter lasse er das Quartier zum Touristenmagneten werden.

Die dem Nebel Entwichenen

Herten-Bannhalde besitzt ausserdem eine eigene Quartierlinde. Diese stehe auf Thundorfer Boden. «Unser Quartier geht über die Stadtgrenzen hinaus», sagt Kutter. Der Wellenberg und Rüti gehören auch zu Herten-Bannhalde.

Die Natur sei hier wunderbar, sagt er. Es würden deshalb auch viele Unternehmer hier wohnen, die in der Natur ihre Ruhe finden. Alles in allem sei das Quartier aber sehr durchmischt. Es gebe Ecken mit eher alten, aber auch solche mit eher jungen Bewohnern. Viele Zuzüger kann der Quartierverein nicht mehr begrüssen, da nicht mehr gross gebaut wird. «Wir haben kein Bauland mehr.» Die Lage ist ansonsten sichtlich attraktiv, denn die Bewohner des Quartiers befinden sich mit ihrem Wohnsitz meist oberhalb der Nebeldecke.

Einen Bauboom konnte Herten-Bannhalde in den vergangenen 50 Jahren verzeichnen, weiss Lokalhistoriker Angelus Hux. «Zwischen Oberkirch und Herten gab es früher nur das Plättli», sagt er. Dann habe die Stadt bauen lassen. «Bannhalde ist ein Wohn-, Herten ein Bauernquartier.» Bis zur Französischen Revolution gehörten einige Bauernhöfe der Komturei Tobel (Ritterorden) an. Die Bauern mussten ihren Zehnten an Tobel abgeben. Später konnten sie sich freikaufen.

Aus dem Gasthaus in den Reben wird ein Zoo

Zur gleichen Zeit wohnte nicht weit eine reiche Familie im Plättli. Rund um das prächtige Haus hatte es Reben, die kleine Rebenglocke hörte man bis weit hinab. Aus dem Plättli wurde eine Gastwirtschaft. 1950 entstand ein Zoo, welcher knapp 40 Jahre später laut Gründer Mauerhofer «der grösste Löwenpark Europas» war. «Das Gebrüll dieser 23 Stück hörte man noch in der Stadt», sagt Hux. Löwen hat es heute nicht mehr ganz so viele, dafür Affen, Schildkröten und Kamele. Hier befindet sich der exotische Osten von Frauenfeld.