FRAUENFELD: Das Sperrige bleibt, das Leben kommt

Aus dem Kopfbau wird ein Hotel. Den Abschluss des Oberen Mätteli bildet ein Neubau, etwa für ein Museum. Das ist der Sieger des städtebaulichen Ideenwettbewerbs für das Areal südöstlich des Bahnhofs. Nun werden die drei besten Projekte konkretisiert.

Mathias Frei
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Das Siegerprojekt «all day long» mit Stadtkaserne, P+R-Halle-Areal und Oberem Mätteli. (Bild: PD/Park Architekten, Zürich)

Das Siegerprojekt «all day long» mit Stadtkaserne, P+R-Halle-Areal und Oberem Mätteli. (Bild: PD/Park Architekten, Zürich)

Das Siegerprojekt ist bekannt. Aber nächsten Sommer könnten auch die drittplazierten Planer vorne liegen. So oder so: Der erste Platz im städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Stadtkaserne und das Obere Mätteli geht an «all day long» von Park Architekten aus Zürich. Diese haben mit dem ETH-Architekturtheoretiker und Kunsthistoriker Philipp Ursprung sowie Müller Illien Landschaftsarchitekten (Zürich) zusammengearbeitet.

In dieser ersten Jurierung sind ihre Ideen am besten angekommen. Erstaunlich ist, dass dabei kein einziger Bauteil abgerissen werden soll. Vielmehr wird die Stadtkaserne integral erhalten. Freiräume bleiben am besten erhalten. Heutige Qualitäten werden laut Architekt Markus Lüscher nicht gebrochen, sondern weiterentwickelt. Gestern haben Vertreter der Stadt und das besagte Planerteam die Wettbewerbsausstellung im kantonalen Verwaltungsgebäude vorgestellt.

Ab jetzt redet der Gemeinderat mit

Nun werden die drei besten Projekte im Rahmen einer Vertiefungsstudie weiterentwickelt. Dafür muss der Gemeinderat aber noch Geld sprechen. Eine Botschaft wird in Bälde folgen. Und eine Problematik ist in den Besitzverhältnissen zu finden. Nur die P+R-Halle gehört der Stadt.

Nebst «all day long» sind «Ovid» vom Zürcher Büro Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten sowie «Lauf, Moser, lauf!» von Gmür & Geschwentner Architekten ebenfalls aus Zürich in die Ränge gekommen. Die Zukunft des Areals der P+R-Halle steht schon fest. Park Architekten können diesen Teil des Planungsperimeters mit einem noch zu findenden Investor zu einem Bauprojekt ausarbeiten.

Auf 2021 endet die militärische Nutzung der Stadtkaserne. Danach soll das Areal möglichst zeitnah neu belebt werden, sagt Stadtpräsident Anders Stokholm. Dieses Neu-Bespielen sei nicht einfach. «Wir wollen aus den Erfahrungen, die andernorts gemacht wurden, lernen.» Von 45 Projektteams konnten zwölf Planer ihre Ideen ausarbeiten, wohin es mit dem 2,5 Hektaren grossen Areal gehen soll. Vorgegeben war laut Stadtrat Urs Müller, aus einem Katalog von vier Nutzungen (Hotel, Schule, Museum und Verwaltung) zwei Aspekte weiterzuverfolgen. «Die Jury ist zu klaren Erkenntnissen gekommen», sagt Stadtbaumeister Christof Helbling. So sei aufgrund der Gebäudestruktur der Hauptbau weniger geeignet für eine Museumsnutzung. Und eine zu starke Privatisierung des Oberen sei nicht gangbar, eine Teilbebauung aber durchaus möglich.

Museum in St. Gallen, Industrieareal in Zug

Park Architekten und Philipp Ursprung arbeiten schon länger in Projekten zusammen, aktuell etwa beim Kunstmuseum St. Gallen. Müller Illien Landschaftsarchitekten wiederum gehören bei der Entwicklung des V-Zug-Areals in Zug zum Planerteam.

Die siegreichen Planer können sich für den Hauptbau eine Nutzung als Seminarhotel vorstellen. Der Kasernenplatz soll eine Pergola bekommen und gastronomisch genutzt werden. Unter den Kasernen-Innenhof kommt eine Tiefgarage mit über hundert Plätzen. In den Seitenflügeln sind Zwischennutzungen für Vereine, Proberäume, Gastronomie, Ateliers und Werkstätten möglich. Später wären hier Neubauten mit Wohnraum in den Obergeschossen denkbar. Die ID-Halle soll zur Eventhalle umfunktioniert werden. Dahinter folgt das Obere Mätteli, das unterirdisch über 200 Parkplätze erhalten soll. Der Abschluss des öffentliches Platzes im Osten bildet ein mehrgeschossiger Neubau, worin ein Museum daheim sein könnte. Die P+R-Halle wird zu einem Geschäftshaus aufgestockt. Möglich wären zwei weitere Längsbauten in einer Linie mit dem schon bestehenden Haus am Bahnhof.

Laut Markus Lüscher von Park Architekten ist das ein «wahnsinnig spannender Wettbewerb». Das sperrige Moment einer Kaserne, die ihre ganz eigene Logik habe, soll erhalten bleiben. Die Mischnutzung wiederum soll für eine Belebung «all day long» sorgen. Das Areal soll sich ausbreiten. Etwa gegen Norden, wo die durch die SBB bestehende städtebauliche Kante ausgenutzt wird. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Wirtschaftlichkeit des Areals.

Die zweit- und drittplazierten Projekte verdichten im Vergleich zu «all day long» stärker. Das Siegerprojekt wiederum wirkt weniger kleinteilig auf das Areal ein, was für die Zukunft ein Pluspunkt sein kann.

Das zweitplazierte Projekt «Ovid» mit Blick auf den Kasernen-Innenhof. Im Hintergrund der Neubau am Bahnhofplatz, der als Hotel genutzt werden soll. (Bild: PD/Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten, Zürich)

Das zweitplazierte Projekt «Ovid» mit Blick auf den Kasernen-Innenhof. Im Hintergrund der Neubau am Bahnhofplatz, der als Hotel genutzt werden soll. (Bild: PD/Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten, Zürich)

Stadtpräsident Anders Stokholm, umrahmt vom Siegerteam des Wettbewerbs: Philipp Ursprung, Michaela Danz, Markus Lüscher und Klaus Müller. (Bild: Mathias Frei)

Stadtpräsident Anders Stokholm, umrahmt vom Siegerteam des Wettbewerbs: Philipp Ursprung, Michaela Danz, Markus Lüscher und Klaus Müller. (Bild: Mathias Frei)

Das drittplazierte Projekt «Lauf, Moser, lauf». Blick auf die fünf eingefärbten Ergänzungsbauten, die im Plangebiets erstellt werden sollen. (Bild: PD/Gmür & Geschwentner Architekten, Zürich)

Das drittplazierte Projekt «Lauf, Moser, lauf». Blick auf die fünf eingefärbten Ergänzungsbauten, die im Plangebiets erstellt werden sollen. (Bild: PD/Gmür & Geschwentner Architekten, Zürich)