FRAUENFELD: Das Langdorf ist die neue Altstadt

Frauenfeld soll weiterhin stark wachsen. Das sagt der kantonale Richtplan. Über das Wie und Wo informierten Stadtrat Urs Müller und Stadtplaner Christof Helbling – und stiegen dafür aufs Dach der Steinmühle.

Stefan Hilzinger
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Stadtplaner Christof Helbling und Stadtrat Urs Müller auf dem Dach der Steinmühle, hinter ihnen Teile des Langdorfs. (Bild: Reto Martin)

Stadtplaner Christof Helbling und Stadtrat Urs Müller auf dem Dach der Steinmühle, hinter ihnen Teile des Langdorfs. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Sechs urbane Zentren kennt der Thurgau. Eines davon ist Frauenfeld mit den beiden Vororten Gachnang und Felben-Wellhausen. Rund zwei Drittel des erwarteten Wachstums im Kanton sollen hier vonstatten gehen, das sieht der kantonale Richtplan vor, dessen revidierte Version noch bis Anfang September zur öffentlichen Einsichtnahme aufliegt.

Agglo-Gemeinden helfen mit

Laut den Vorstellungen des Kantons soll Frauenfeld 40,6 Hektar Fläche neu in den Richtplan aufnehmen. «Wir wollen das Wachstum bewältigen, ohne neues Gelände zu erschliessen», sagt Stadtrat Urs Müller, Leiter des Departements für Bau und Verkehr an einer Medienkonferenz im Gewerbehaus Steinmühle im Langdorf.

Knapp acht Hektaren dieser zusätzlicher Fläche hat die Stadt an die beiden Agglo-Gemeinden Gachnang und Felben-Wellhausen abtreten können, ganz im Sinne des kommunalen Richtplans Siedlung und Verkehr von 2011. Verbleiben rund 32 Hektaren, welche die Stadt zur Verfügung stellen sollte, um die wachsende Zahl an Bevölkerung und Arbeitsplätzen aufnehmen zu können (Kasten).

Virtuelles Bauland

Ohne zusätzliches reales Bauland geht dies nur mit Verdichtung nach Innen. Bestehendes Bauland soll so um- oder aufgezont werden, dass dichter gebaut werden kann als heute. Mehr Einwohner und mehr Arbeitsplätze auf der gleichen Fläche müssen möglich werden. Der revidierte Richtplan gibt hier die Zielgrössen vor. Derzeit beträgt die Dichte im urbanen Frauenfeld 82 Raumnutzer (RN) – heisst Einwohner oder Arbeitsplätze – pro Hektar. Ziel ist 86 RN. Zum Vergleich: Im ländlichen Gerlikon werden es künftig nicht mehr als 32 RN pro Hektar sein.

Hier kommt dem Langdorf und dem Gewerbegebiet Langfeld-Juch in den nächsten Jahrzehnten nach den Vorstellungen der Verantwortlichen eine wichtige Bedeutung zu, wie Stadtplaner Christof Helbling ausführt. Innere Verdichtung in der Altstadt sei aus mehreren Gründen nicht möglich, unter anderem, weil viele Gebäude unter Schutz stehen, sagte Stadtrat Urs Müller. Daher könnte das Langdorf mit seinen Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten bald die Rolle übernehmen, welche eine Altstadt historisch betrachtet hatte: Ein städtisches Langdorf vereint Wohnen, Arbeiten und Kultur auf engem Raum, einschliesslich eigener S-Bahn-Haltestelle.

Entstehenden Freiraum nutzen

Ausgehend von der Stadtkaserne über das Obere und Untere Mätteli und weiter der Murg folgend, sehen Müller und Helbling Wachstum auf bestehenden Flächen. Die Armee zieht sich früher oder später zurück aus dem Gebiet. Es gibt auch Industriebrachen, andere Freiflächen zeichnen sich ab. Gebäude und Flächen bieten Platz für neue Einwohner und neue Arbeitsplätze. Auch für Grünraum soll gesorgt sein – mit dem Murg-Auen-Park im Zentrum.

Richtpläne, ob nun kantonale oder kommunale, sind behördenverbindlich und geben der Behörde die Leitlinien vor, was und wo im Raum passieren darf. Verbindlich für Eigentümer ist die Ortsplanung mit Zonenplan und Baureglement. «Die Stadt kommt nicht darum herum, die Ortsplanung zu revidieren», sagt Müller mit Blick auf die Urbanisierung des Langdorfs.