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FRAUENFELD: Das Ende der ewigen Ruhe

Seit Anfang Woche räumen Landschaftsgärtner auf dem Friedhof Oberkirch zwei Grabfelder. Nach Ablauf der Ruhefrist verschwinden rund 350 Gräber. Bei Regen und während Beerdigungen stehen die Baufahrzeuge still.
Rahel Haag
Die Landschaftsgärtner transportieren die Grabsteine auf dem Friedhof Oberkirch mit dem Bagger ab. (Bilder: Andrea Stalder)

Die Landschaftsgärtner transportieren die Grabsteine auf dem Friedhof Oberkirch mit dem Bagger ab. (Bilder: Andrea Stalder)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Ein etwas befremdliches Bild, das sich einem auf dem Friedhof Oberkirch aktuell bietet. Liegende Grabsteine, ausgegrabene Pflanzen, dazwischen ein Bagger, der die Erde aufreisst. Nach 22 bis 25 Jahren werden insgesamt rund 350 Gräber geräumt. Auch die ewige Ruhe scheint ein Ende zu haben.

Es ist kalt. Christoph Berchtold, Bereichsleiter Friedhof, trägt eine Mütze und Arbeitshandschuhe. «Die Arbeiten werden rund zwei Wochen dauern», sagt er. Je nach Wetter länger, denn wenn es regnet, muss unterbrochen werden. Auch, wenn eine Beerdigung stattfindet. Wie an diesem Vormittag. In diesen Fällen können lediglich von Hand Vorarbeiten gemacht werden. Nun werden mit dem Baggergreifer die Grabsteine in einen Dumper gehievt. Davor werden sie mithilfe einer Schaufel von groben Erdklumpen befreit. Ihre Reise endet vorläufig in einer grossen Mulde. Berchtold wird von einem Mitarbeiter und einem Lehrling unterstützt. Routiniert und schweigend steuern sie die Baufahrzeuge. Es brummt, ruckelt und kracht, wenn die Steine schliesslich auf Metall treffen. Viel Lärm für einen Ort, an dem es normalerweise still ist.

Manche Angehörige holen Grabsteine ab

«Die Grabsteine werden anschliessend von einer Tiefbaufirma abgeholt und zu Recycling-Kies verarbeitet», sagt Berchtold. Allerdings nicht alle. Manch ein Grabstein ist mit einem rot-weissen Absperrband markiert. Sie werden von den Angehörigen abgeholt. Das sei aber eher selten. Heute Morgen kam noch ein Anruf eines Angehörigen. «Zum Glück hatten wir den Grabstein noch nicht abgeräumt.»

Andere holt der Bildhauer. Sie werden im Auftrag der Angehörigen weiterverarbeitet beispielsweise zu einer Vogeltränke. Ausgewählte Steine können später auch als Ausstellungsmodelle für den Bildhauer dienen. «Selbstverständlich wird das mit den Angehörigen vorher abgesprochen», sagt Berchtold. Einmal sei er von einem Fremden angesprochen worden. «Er wollte einen Grabstein, der ihm gefiel.» Auch in diesem Fall wurde das zuerst mit den Angehörigen abgeklärt. «Und sie willigten ein.» Zudem wurden auf Wunsch drei Urnen ausgegraben. Sie werden ebenfalls den Angehörigen übergeben.

Auf dem Kiesweg stehen die Arbeitsutensilien. Hier wird auch der übrig gebliebene Grabschmuck gesammelt. Er wird noch einen Monat lang aufgehoben. Holt ihn in dieser Zeit niemand ab, wird er entsorgt.

Die Kirschbaumallee bleibt erhalten

Ein einziges Grab wird auch nach 25 Jahren weiterhin bestehen. «Es besteht die Möglichkeit, die Ruhefrist zu verlängern», sagt Berchtold. Beispielsweise dann, wenn ein Kind stirbt und die Angehörigen wünschen, dass das Grab erhalten bleibt. In diesen Fällen wird das Grab auf ein anderes Grabfeld verlegt.

Seit einem Dreivierteljahr stecken bei den beiden Grabfeldern Schilder in der Erde, welche die Räumung ankündigen. Jahrgänge 1990 bis 1995 ist hier zu lesen. Dort, wo die Gräber verschwinden, wird es künftig Rasen geben. Dazu wird der Boden gelockert und frischer Humus aufgeschüttet. Auch die schmalen Plattenwege werden verschwinden, ebenfalls sämtliche Pflanzen wie die Tuja-Bäume. Wobei: Ganz alle Pflanzen trifft es nicht. «Die Kirschbaumallee bleibt», sagt Berchtold. Der Rasen soll anschliessend rund zehn Jahre Rasen bleiben. Das hängt unter anderem auch davon ab, wie viele Erdbestattungen es in Zukunft geben wird. «Wir haben aber sicher genug Platz.»

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