FRAUENFELD: Damit man nicht durch die Maschen fällt

Die Aktion «Einfach besser!» engagiert sich für Grundkenntnisse in Schreiben und Rechnen. Stadtpräsident Stokholm ist Botschafter für die Metropolitankonferenz.

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In der Thurgauer Kantonshauptstadt haben schätzungsweise 2500 Personen Mühe mit Lesen und Schreiben. 1200 Frauenfelderinnen und Frauenfelder stehen bei einfachen Rechenaufgaben an. Und sogar 5000 fehlen IT-Grundkenntnisse. Das sind heruntergebrochene Zahlen aufgrund von nationalen Annahmen. Ob der Nachbar zu einer dieser Gruppen gehört oder die Kollegin aus dem Verein: Man weiss es nicht.

«Grundkenntnisse sind ein wichtiges Thema», sagt Stadtpräsident Anders Stokholm. Und von seiner früheren Tätigkeit bei der Stiftung Zukunft ist Stokholm auf Schwächen bei Grundkenntnissen sensibilisiert. Deshalb war es naheliegend, dass er zugesagt hat, als die Metropolitankonferenz Zürich, der die Stadt angehört, einen Botschafter für eine entsprechende Sensibilisierungskampagne gesucht hat. Stokholm als Frauenfelder Stadtpräsident ist Mitglied des Metropolitanrats, des Steuerungsorgans des Vereins. «Einfach besser!» ist eine nationale Kampagne. Die Metropolitankonferenz Zürich mit 120 Städten und Gemeinden in acht Kantonen ist die grösste Projektpartnerin der Kampagne.

Etwas dagegen machen statt sich schämen

Ein erster Schritt sei, sich seiner fehlenden Grundkenntnisse bewusst zu werden und sich dies auch einzugestehen, sagt Stokholm. Lesen, schreiben, rechnen zu können und über grundlegende IT-Kenntnisse zu verfügen, sei in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Früher habe man eine Ausbildung gemacht und dann ein Leben lang auf dem Beruf gearbeitet. «Heute lernt man ein Leben lang.» Man müsse sich weiterbilden, wechsle häufiger den Job. Genau darum sei es wichtig, dass die Grundkenntnisse sitzen. Damit man nicht irgendwann durch die Maschen des Systems fällt, wenn zum Beispiel die Ehefrau stirbt, die bisher den ganzen Papierkram erledigt hat.

Mit einer humorvollen Kampagne soll auf das Thema der fehlenden Grundkompetenzen aufmerksam gemacht werden. Auf Plakaten oder in Werbespots halten Personen Sprechblasen-Schilder. «Zu kompliziert», «Mache ich später» oder «Tastatur klemmt» sind die Ausreden. Diese zählen jetzt nicht mehr. Auf www.besser-jetzt.ch findet man entsprechende Kurse. Im Thurgau gibt es am BBZ Weinfelden ein breites Angebot, von «Besser lesen und schreiben 1» bis «Mathematik fürs Leben 3». «Und diese Kurse werden schon gut frequentiert», weiss Stokholm. Weiter geht es für den Kampagnenbotschafter auch darum, Multiplikatoren für «Einfach besser!» zu finden. Das können Stellen wie ein Sozialamt oder ein RAV sein, aber auch Lebenspartner von Betroffenen, Freunde, Verwandte oder der Arbeitgeber. Hauptsache ist, dass die Kampagne eine breite Wirkung hat, indem möglichst viele Betroffene angesprochen werden.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Informationen zu «Einfach besser!»: www.besser-jetzt.ch