FRAUENFELD: Bücher gegen den Novemberblues

Eine Tradition geht zu Ende: Diesen Freitag und Samstag geht der letzte Bücherflohmarkt an der Metzgerstrasse über die Bühne. André Viard will sich ganz auf sein Antiquariat konzentrieren.

Christine Luley
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Im vergangenen Jahr: Besucher stöbern durch André Viards Bücherflohmarkt. (Bild: Christine Luley)

Im vergangenen Jahr: Besucher stöbern durch André Viards Bücherflohmarkt. (Bild: Christine Luley)

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Zwar gilt die Acht als Zahl der Unendlichkeit, doch nach der Durchführung des achten Flohmarkts ist Schluss. Weil diese Zahl auch für Harmonie und weises Handeln stehe, lasse er den Bücherflohmarkt schweren Herzens los, sagt Antiquar André ­Viard. «Es sind auch altersbedingte Gründe», verrät der agile 64-Jährige. «Mir tut dieser Schritt sehr leid», fügt er hinzu, und der Schalk in seinen Augen erlischt.

Die Organisation des Bücherflohmarktes ist stets ein grosser Aufwand und körperlich anstrengend. Ein Helfer, der Viard bisher tatkräftig unterstützte, kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Schachteln und Kisten voller Bücher schleppen. Natürlich endet die Liebe zu den Büchern nicht einfach. Sie geht weiter. Viard will seine Geschäftstätigkeit auf das Antiquariat Viarius beschränken (siehe Kasten).

Grosses Bedauern unter Stammkunden

Der Bücherflohmarkt ist eine Erfolgsgeschichte. Die Stammkunden waren immer da, und jedes Jahr kamen mehr neue Besucher. Doch jetzt ist Schluss. Diese Nachricht ruft Bedauern hervor: «Hier habe ich immer schöne und preiswerte Bücher zum Verschenken gefunden.» Oder: «Der Besuch war eine einmalige Gelegenheit, um alte Postkarten zu günstigen Preisen zu erstehen», sind Reaktionen von Stammkunden. Diesen Freitag und Samstag nun kann nochmals nach Herzenslust in der Riesenauswahl gestöbert werden. Darunter finden sich Trouvaillen wie die ewig schöne Erzählung «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry. Oder eine historische Bilderbibel von 1705 mit in Kupfer gestochenen Tafeln von Ulrich Krauss. «Der Thurgau in alten Ansichten», eine Bibliografie von Ernst Müller mit Druckgrafiken verführt zu einer Reise in die Zeit zwischen 1500 und 1880.

«Der Blaue Reiter», eines von 1200 Exemplaren der gebundenen Allgemeinausgabe, wartet auf einen Liebhaber expressionistischer Kunst. Kandinsky und Marc veröffentlichen unter diesem Titel 1912 einen Almanach mit Illustrationen und Textbeiträgen von Kandinsky, August Macke, Franz Marc, David Burljuk, Arnold Schönberg und Alban Berg. Die Auswahl ist riesig, nebst den Rubriken Thurgoviana, Helvetica, Kinder- und Bilderbücher, Kunst, Technik und Theologie finden sich Postkarten, Stiche, Krimis und Kochbücher. Auch allgemeine Literatur zum Stichwort Lebenshilfe ist reichlich vertreten, ein aktuelles Thema in der kommenden dunkleren Jahreszeit.

Viard kennt viele seiner Flohmarktbesucher persönlich. «Es ist eine andere Kundschaft als im Antiquariat», sagt der Antiquar und freut sich auf die Menschen, die ihre Freude an Büchern zu erschwinglichen Preisen voll ausleben. «Bücher sind im Gegensatz zu Blumensträussen viel langlebiger», gibt er zu bedenken. «Und eine Gelegenheit, sich oder anderen etwas Gutes tun.»

Freitag und Samstag, 3. und 4. November, 12 bis 18 Uhr, Metzgerstrasse 5, Frauenfeld. www.buecher-markt.ch