FRAUENFELD: Bambus braucht Nerven

Xavier Bischoff hat für seine Maturaarbeit ein Velo gebaut. Bis Ende Juli steht es in der Ausstellung «Bike, Design, City» im Gewerbemuseum Winterthur. Das Besondere: Der Rahmen besteht aus Bambusrohr.

Viola Stäheli
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Ein Rahmen aus Bambus: Xavier Bischoff und sein Velo. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Rahmen aus Bambus: Xavier Bischoff und sein Velo. (Bild: Andrea Stalder)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich sieht man den Kratzer nicht. Trotzdem prüft Xavier Bischoff besorgt sein Werk. Der 19-Jährige steht im Gewerbemuseum in Winterthur. Hier steht sein Fahrrad an der Ausstellung «Bike, Design, City». Er hat daran stundenlang getüftelt. Statt aus Karbon oder Stahl hat er den Rahmen aus Bambusrohren konstruiert. «Mit diesem Velo fahre ich nur bei schönem Wetter», sagt der Frauenfelder. Eigentlich war das Velo nur ein Nebenprodukt seiner prämierten Maturaarbeit. Bischoff besuchte die Kantonsschule Frauenfeld, die er im vergangenen Sommer abgeschlossen hat. Für ihn war das Thema seiner Abschlussarbeit klar: Er wollte ein Velo bauen. Fahrräder liegen ihm am Herzen – in der Freizeit ist er oft mit einem unterwegs.

Eine anspruchsvolle Arbeit ohne übliches Material

Schon vor Bischoff bauten Schüler für ihre Abschlussarbeit ein Velo. Also konzentrierte er sich auf die Entwicklung einer eigenen Rahmenlehre (siehe Box), um nicht das Gleiche wie die andern zu machen.

Um seine Konstruktion zu überprüfen, baute Bischoff einen Rahmen nach. «Ich wollte nicht übliche Materialien verwenden und hatte die Idee mit dem Bambus, der leicht, günstig und schön ist», erzählt Bischoff. Also begann er zu recherchieren, bis er die nötigen Informationen von Herstellern von Fahrrädern aus Bambus gesammelt hat.

Geeigneten Bambus gibt es in Luzern

So schön das Endergebnis nun auch sein mag, während des Baus hat sich der 19-Jährige einige Male die Haare gerauft. «Bambus ist ein anspruchsvolles Material», sagt er. Durch die Beschaffenheit der Oberfläche lassen sich einige Ungenauigkeiten nicht immer vermeiden. Das grösste Missgeschick passierte ihm natürlich kurz bevor der Fahrradrahmen fertig war. «Ich musste nur noch einige Rohre zuschneiden, allerdings gerieten die zu kurz», sagt Bischoff. Neue Bambusrohre zu organisieren ist nicht leicht – der Frauenfelder musste bis nach Luzern fahren. Damit er sich trotzdem seinen ursprünglichen Wunsch, ein Velo komplett selbst zu bauen, erfüllen konnte, kaufte er Räder und Lenkstange und schraubte alles zusammen.

Bischoff schraubt Velos zusammen, seit er 14 ist. Mittlerweile wagt er sich sogar an Autos. Er plant derzeit mit einem Freund eine Reise von Georgien nach Russland. Dafür haben die beiden ein Auto gekauft, das sie nun instand setzen. «Velos sind mir aber irgendwie lieber, da ist alles einfacher», sagt Bischoff und lacht. Deshalb will er auch ein zweites Modell mit Hilfe seiner Rahmenlehre bauen. «Ich möchte versuchen, jenes leichter zu machen als das erste.» Ausserdem will er möglichst viele der verwendeten Chemikalien, die etwa im Lack enthalten sind, nicht wieder verwenden. Damit soll das Velo ökologischer werden. Ob es aber wieder aus Bambus sein wird, lässt Bischoff offen. «Dafür braucht es schon ziemlich viel Nervenstärke.»

Vorerst legt Bischoff seinen Fokus auf seine weitere Ausbildung. Im Sommer will er mit dem Medizinstudium beginnen. «In der Medizin braucht man die Hände und erfüllt eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft», sagt der Frauenfelder.

Xavier Bischoff tritt von seinem Bambusbike zurück. Dieses fällt neben den Designervelos aus Holz doch einigermassen auf. Wie ist es eigentlich in das Winterthurer Gewerbemuseum gekommen? «Ich wurde angefragt, da sie noch auf der Suche nach einem Velo aus Bambus waren», erzählt er. Bischoff ist stolz, dass sein Werk nun in der Ausstellung steht. Obwohl er das Velo zwischendurch bei schönem Wetter vermisst.