FRAUENFELD: Ausverkauf nach 16 Jahren

Emmi Ottinger ist jetzt Rentnerin. Seit dem Wegzug der Artillerie aus Frauenfeld sei es mit ihrer «Gräbli-Bar» nur noch bergab gegangen. Seit kurzem ist diese zu, und Ottinger will ihr ganzes Mobiliar loswerden.

Samuel Koch
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Emmi Ottinger hat genug vom Barbetrieb. Sämtliches Mobiliar der «Gräbli-Bar» steht zum Verkauf. (Bild: Samuel Koch)

Emmi Ottinger hat genug vom Barbetrieb. Sämtliches Mobiliar der «Gräbli-Bar» steht zum Verkauf. (Bild: Samuel Koch)

FRAUENFELD. Picobello geputzt und aufgereiht stehen Emmi Ottingers Gläser, Geschirr und Stühle da. Darunter befindet sich auch Plunder, der sich über 16 Jahre «Gräbli-Bar» angesammelt hat. Jetzt will sie alles verkaufen, ja sogar die Bartheke selbst und die Musikanlage. Die ehemalige «Gräbli-Bar»-Betreiberin lehnt sich an die Bar, blickt in die Ferne und zündet sich eine Zigarette an.

«Ich habe genug nach all den Jahren», sagt sie. Seit Ende August ist ihre Bar in Frauenfeld Geschichte. Den Zapfhahn, der über Jahre Bierhumpen für Tausende durstige Kehlen füllte, hat der Lieferant bereits abgeholt. Im Jahr 2000 hatte sie die Bar in Anlehnung an die «Gräbli-Bar» im Zürcher Niederdorf eröffnet. Dort, wo Ottinger selbst aufgewachsen ist. «Ich habe damals einzelnes Inventar von diversen Bars zusammengekauft.» Die Theke etwa stammt vom «Widder» in Winterthur, anderes hat sie von ihrem Vorgänger übernommen.

Wehmütig trotz negativer Erinnerungen

Wenn Ottinger zurückblickt, kommen nicht nur gute Erinnerungen hoch. «In den letzten Jahren wurde nur noch alles kaputtgemacht und geklaut», sagt sie. Die grosse Anschrift der Bar oder auch die Wasserhähne im WC seien immer wieder abmontiert worden. Als traurige Höhepunkte hätten einige immer wieder in ihren Vorhof erbrochen oder uriniert. «Schluss ist Schluss», sagt Ottinger mit Bestimmtheit.

Etwas wehmütig zeigt sie sich dann doch, als sie von der guten alten Zeit erzählt. Damals, als noch mehr Soldaten in die «Gräbli-Bar» einkehrten. «Seitdem die Artillerie aus Frauenfeld weg ist, ist es ruhig», sagt Ottinger. Zudem habe sie seit einiger Zeit stärkere Rückenschmerzen, die eine Zukunft der Bar verunmöglichten. «16 Jahre habe ich keine Ferien gemacht, jetzt werden es dauerhafte», scherzt sie.

Zweiter Flohmarkt am kommenden Samstag

Um einen definitiven Schlussstrich ziehen zu können, will Ottinger nun ihr ganzes Material loswerden. Deshalb hat sie am vergangenen Samstag einen ersten Flohmarkt organisiert, den sie am kommenden Samstag wiederholt. «Ich bin froh, wenn ich alles loswerde», sagt sie. Ob Barhocker, Dekomaterial, Tische oder der Tiefkühler – ja, sogar drei glänzende Pokale sind noch zu haben. «Diese habe ich vor Jahren einmal gekauft, als sich Dartspieler bei mir für ein Turnier anmeldeten», sagt Ottinger. Schliesslich sei aber nie einer vorbeigekommen.

Geld zu verdienen, steht für Ottinger nicht im Vordergrund. Vielmehr möchte sie nach all der Zeit in ihrer Bar abschliessen und danach endlich ihre Rückenschmerzen auskurieren.

Flohmarkt «Gräbli-Bar» Sa, 17. September, 10 Uhr