FRAUENFELD: Austausch im Flüchtlingscafé

Frauenfeld hat ein neues Café: Das «Salem» an der Grabenstrasse 12 ist ein Treffpunkt für Asylsuchende, Flüchtlinge wie auch für Einheimische. Es ist jeden Freitag von 16–18 Uhr offen und soll Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Christine Luley
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Begegnung und Gemeinschaft: Paul Bruderer, Mitglied des Projektteams, zieht für die Übersetzung das Handy hervor. (Bild: Christine Luley)

Begegnung und Gemeinschaft: Paul Bruderer, Mitglied des Projektteams, zieht für die Übersetzung das Handy hervor. (Bild: Christine Luley)

FRAUENFELD. Im ersten Stock der Liegenschaft Thurdruck an der Grabenstrasse 12, gleich gegenüber der Passage, tröpfeln die Besucher langsam rein. Die Veranstalter des Cafés freuen sich. Haben sie sich zuvor doch bange gefragt, ob überhaupt jemand kommt. Hände werden geschüttelt, man blickt in freundliche, offene Gesichter. Die Tische sind liebevoll dekoriert. Es gibt Tee, kalte Getränke, Gebäck und getrocknete Früchte. Willkommensschilder in verschiedenen Sprachen liegen auf.

Rund 30 Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Kosovo, der Türkei, Äthiopien und Bangladesh sind der Einladung gefolgt. Alle halten ein Glas Saft in der Hand. Der Projektleiter des «Salem», Michael Hodel, macht die Anwesenden mit einem Schweizer Brauch bekannt: «Bei uns sagt man bei vielen Gelegenheiten <Prost> und schaut sich dabei an.» Das gemeinsame Anstossen bringt Bewegung in die Runde und zaubert damit bei den einen ein Lächeln ins Gesicht.

Zeit für Gespräche und Spiele

Kinder tummeln sich auf den Sitzkissen. Eine Gruppe junger Erwachsener spielt am Töggelikasten. Es herrscht eine gelassene, fast fröhliche Stimmung. Die Unterhaltung ist angeregt. «Chay» möchte sie trinken, sagt eine Frau aus Afghanistan und erklärt, so heisse Tee in ihrer Muttersprache Farsi. Lebensgeschichten schweben im Raum. Eine Besucherin erzählt, dass sie mit 12 Jahren verheiratet und mit 13 Mutter wurde. Sie wohnt heute am Untersee und hat im Sprachkurs vom Café Salem erfahren. Hoffnungsvoll schaut sie in die Runde und rückt mit ihrem Wunsch hervor. Sie würde gerne in Frauenfeld wohnen, weil das die Anfahrt ihres Sohnes an seine zukünftige Lehrstelle im Raum Aadorf erleichtern würde.

Willkommen sein

Die Mitarbeitenden und die Gäste tragen Namensschilder. Das vereinfacht die Gespräche. «Woher kommst du?», fragt Projektleiter Michael Hodel einen jungen Mann. Hodel zeigt auf eine Landkarte, die auf dem Tisch liegt, und lässt sich vom jungen Mann den Fluchtweg in die Schweiz zeigen.

«Salem» kann als «Sei willkommen in Frieden» übersetzt erden. Die Gespräche im Café finden in Hochdeutsch statt. Denn das ist die Sprache, die viele der Anwesenden in den Deutschkursen lernen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Projektleiter weist darauf hin, dass die fremdländischen Besucher, wenn immer möglich zur Mithilfe motiviert und in Aufgaben integriert werden sollen. «Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe an und machen sie nicht zu Opfern.»

Im Team des Flüchtlingsprojektes «Salem» engagieren sich Vertreter beider Konfessionen sowie der Freikirchen. «Viele Schweizer erwarten, dass die Flüchtlinge Dankbarkeit zeigen für das, was wir für sie tun», sagt Paul Bruderer, der Leiter der Chrischona. Er findet es wichtig, den Beteiligten zu helfen, den Ärger einzuordnen und sich nicht einfach abzuwenden. Es sei wichtig, sich auszutauschen und Menschen und ihre Kultur besser kennenzulernen.