FRAUENFELD: Armee sagt: «Das Naturschutzgebiet ist uns heilig»

Darf das Open Air Frauenfeld mehr als Spaziergänger, Reiter und Hundefreunde? Ein Reiter beklagt, dass er in der Allmend in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, während sich am Open Air Müllberge türmen. Ein Armeesprecher kontert, das Naturschutzgebiet sei für Festivalbesucher tabu.

Inge Staub
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Frauenfeld: Links Open-Air-Gelände, rechts Naturschutzgebiet. (Bild: pd)

Frauenfeld: Links Open-Air-Gelände, rechts Naturschutzgebiet. (Bild: pd)

FRAUENFELD. «Eine Neubesinnung tut not», fordert Christian Weber. Der Winterthurer, der in der Region Frauenfeld reitet, stört sich daran, dass Spaziergänger, Reiter und Hundefreunde in der Frauenfelder Allmend gegenüber dem Open Air «das Nachsehen haben». Stadt und Armee würden «monumentale Grossveranstaltungen» wie das Open Air unterstützen und zulassen, dass Berge von Müll zurückblieben und schwere Maschinen zum Aufbau des Festivals die Böden in der Allmend beeinträchtigten. Dagegen würden «Fussgänger, Reiter und Hundeliebhaber im Namen des Naturschutzes aus den Grünflächen verbannt».

Für Weber ist dies ein «seltsames und doppelbödiges Verständnis von Naturschutz». Zumal im Gegensatz zum Open Air die wenigen zivilen Nutzer die Natur schonen würden. «Was gibt es Natürlicheres als ein Pferd oder einen freilaufenden Hund auf der Allmend?»

Auf den Wegen bewegen

Dass sich Christian Weber nicht mehr wohl fühlt auf der Allmend, hat damit zu tun, dass dort seit dem 1. März eine neue Benutzerordnung gilt. Für das nationale Auenschutzgebiet «Hau-Äuli» wie auch für das «Naturschutzgebiet Allmend» gelten nun folgende Regeln: Fussgänger, Velofahrer und Reiter dürfen sich nur auf den Wegen bewegen. Hunde müssen an der Leine geführt werden.

Webers Kritik am Open Air verwundert Joggi Rieder. Er ist der Umweltberater der Armee, welcher das Gelände gehört. «Das Naturschutzgebiet ist heilig», sagt er. Rieder hat während des Festivals das Gebiet täglich mit dem Velo kontrolliert. Er stellte fest: «Keiner der Open-Air-Besucher hat sich im Naturschutzgebiet niedergelassen oder dieses betreten. Nicht ein Zelt wurde dort aufgestellt.» Die Betreiber würden darauf achten, dass das Naturschutzgebiet tabu bleibt. «Die Open-Air-Veranstalter halten sich an die Auflagen und räumen nach dem Festival auf», sagt Rieder. Dies gelte auch für andere Veranstaltungen wie Schwing- oder Jodlerfest.

Der Umweltberater unterstreicht, dass die Allmend der Armee und damit dem Bund gehöre. «Der Grundeigentümer hat das Recht mitzubestimmen, was mit seinem Gelände geschieht.» Reiter und Hundebesitzer dürften sich nach wie vor im Naturschutzgebiet bewegen, jedoch nur auf den Wegen. Die Stadt Frauenfeld und die Armee wollen mit diesen Regeln die auentypische Tier- und Pflanzenwelt erhalten.

Monika Hasler vom Pferdezentrum bestätigt, dass die Einschränkungen auf der Allmend Thema bei den Reitern seien. «Sie können nicht mehr über die Wiese galoppieren.» Auf den Wegen seien nur Schritt und Trab möglich. Karin Brägger, Präsidentin des Reitvereins Frauenfeld und Umgebung, appelliert an die Reiter, die neuen Regeln zu akzeptieren. Es sei bislang nicht erlaubt gewesen, über die Wiese zu galoppieren. «Die Armee hat ein Auge zugedrückt. Jetzt hat sie den Riegel geschoben.»

Allmend gehört allen

Brägger verweist darauf, dass Reiter im Innenraum der Rennbahn galoppieren könnten. Zudem habe der Verein bei der Armee ein Gesuch gestellt, mit der Bitte, eine Wiese pachten zu können. Dann könnten die Reiter dort ihrem Pferd die Sporen geben. Christoph Müller, Präsident des Rennvereins, betont, das Open Air und der Rennverein kämen gut aneinander vorbei. «Die Allmend gehört allen, nicht nur den Reitern. Wir müssen deshalb bereit sein, das Gelände zu teilen.»