FRAUENFELD: Antworten für Betroffene

Sie bringt Licht ins Dunkel der Angebote: die neue Broschüre der Stadt für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Die gestern präsentierte Publikation ist die erste Umsetzung aus dem Projekt «Bovidem – gute Lebensqualität mit Demenz».

Mathias Frei
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Stadträtin Elsbeth Aepli und Urban Kaiser, Amtsleiter Alter und Gesundheit, präsentieren die neue Broschüre. (Bild: Mathias Frei)

Stadträtin Elsbeth Aepli und Urban Kaiser, Amtsleiter Alter und Gesundheit, präsentieren die neue Broschüre. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Man kann eigentlich nichts falsch machen. Denn der Weg zum Ziel ist kinderleicht. So ist die neue Broschüre «Beratung Entlastung Betreuung» aufgebaut. Das Ziel: Antworten auf Fragen rund um das Thema Demenz im Alltag. Angesprochen werden Direktbetroffene, aber auch Angehörige, die Nachbarin, der Arbeitgeber, die Supermarkt-Verkäuferin oder der Hausarzt.

Die Broschüre ist bislang erst online zu finden, in gedruckter Form wird sie aber bald auch in grösserer Zahl verfügbar sein. Gestern haben Stadträtin Elsbeth Aepli als Departementsvorsteherin Alter und Gesundheit und Urban Kaiser, Amtsleiter Alter und Gesundheit, das knapp 70-seitige Werk vorgestellt.

237 Erstklässler und 217 Menschen mit Demenz

Die Broschüre ist die erste Umsetzung aus dem städtischen Projekt «Bovidem – gute Lebens-qualität mit Demenz» (siehe Kasten). «Demenz ist für uns ein Thema, nicht nur aufgrund der reinen Zahlen», sagt Stadträtin Aepli. Die Stadt stehe vor einer neuen sozialen und finanziellen Herausforderung. Bovidem solle Antworten liefern. 237 Primarschüler kamen am Montag in Frauenfeld in die 1. Klasse. Statistisch gesehen fast gleich viele, nämlich 217 Frauenfelder haben eine demenzielle Erkrankung. Innert der kommenden 15 Jahren wird in diesem Bereich eine Zunahme von 80 Prozent prognostiziert.

Das Projekt Bovidem hat zuerst den Ist-Zustand erhoben. Nun steht das Detailkonzept. Die daraus entwickelten Massnahmen werden bis Mitte 2018 umgesetzt. Dann geht es in eine einjährige Betriebsphase. Die Projektabschluss-Evaluation findet Mitte 2019 statt. Für die Ist-Analyse wurden 3000 Fragebogen verschickt, 1000 kamen zurück. «Frühzeitig Grenzen zu erkennen und Unterstützung anzunehmen, ist der Schlüssel für gute Lebensqualität mit Demenz», sagt Aepli. Denn das Leben mit Demenz fordere ein ganzes Angehörigensystem. Dafür müsse man informiert und sensibilisiert sein sowie Unterstützungsangebote kennen. Amtsleiter Kaiser sagt, Bovidem werde dann Erfolg haben, wenn sich Betroffene und ihre Angehörigen in die Thematik eingeben und öffnen könnten.

Die Broschüre als «erster grosser Output» von Bovidem soll laut Kaiser eine Brücke schlagen zwischen Bedürfnis und Angebot. Die Bevölkerung wird sensibilisiert und zugleich werden die vielen schon bestehenden Angebote bekannt. In der Publikation sind alle Dienstleister im Bereich Demenz aufgeführt. Man kann entweder über eine konkrete Frage, die Zielgruppe oder das Stichwortverzeichnis einsteigen. Eine Online-Lösung mit erweiterten Funktionen soll in einem nächsten Schritt folgen. Die Struktur der Printpublikation und Online-Anwendung ist auch für andere Regionen anwendbar. Wie Stadträtin Aepli sagt, sei die Rückmeldung vom Kanton sehr positiv gewesen. «So kann Frauenfeld im Thurgau seine Vorbildfunktion wahrnehmen.»

Die Broschüre im interaktiven PDF-Format: www.bovidem.ch