FRAUENFELD: Abfall im Untergrund

Auf dem Stadtgebiet gibt es mittlerweile 47 Unterflurcontainer. Bis 2020 sollen es knapp doppelt so viele sein. Die Resonanz in der Bevölkerung ist positiv. Doch die Suche nach Standorten gestaltet sich schwierig.

Rahel Haag
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Der Unterflurcontainer an der Ecke Junkholzstrasse/Talackerstrasse wird von einem Mitarbeiter geleert. (Bilder: Andrea Stalder)

Der Unterflurcontainer an der Ecke Junkholzstrasse/Talackerstrasse wird von einem Mitarbeiter geleert. (Bilder: Andrea Stalder)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Der Lastwagen ist in Position. Ein Unterflurcontainer soll entleert werden. Ein kleines Spektakel, wie sich zeigen wird.

Zuerst werden Stützen ausgefahren, anschliessend hebt sich der Kran, während sich hinten gleichzeitig eine Klappe öffnet. Nun steigt ein Mitarbeiter aus dem Fahrzeug. Über eine Steuerung bedient er den Kran. Auf der anderen Strassenseite bleibt ein Mann mit Kinderwagen stehen und schaut zu. Bald gesellt sich ein Velofahrer dazu.

Eine überdimensionierte Telefonkabine

Der Kran schwebt mittlerweile über dem Unterflurcontainer, dockt dann an einer Art Griff an und hebt den Container langsam aus dem Boden. In der Luft baumelnd erinnert er an eine über­dimensionierte Telefonkabine. Dann wird er über der offenen Klappe positioniert. Der Boden öffnet sich, und die Kehrichtsäcke fallen heraus. Bis auf einen, der sich an einer Ecke verhakt hat. Vorführeffekt nennt man das wohl. Mit der Steuerung werden die Bodenklappen hin und her bewegt, und so fällt auch er bald in die Tiefe. Das Loch, aus dem der Unterflurcontainer gehoben wurde, verschliesst während­dessen eine Sicherheitsplatte. «Damit keiner reinfällt», wie es heisst. Dann läuft der Film quasi rückwärts ab. Stadtrat Urs Müller hat die Zeit gestoppt. «Alles in ­allem fünfeinhalb Minuten.»

Die Demonstration an der Ecke Junkhofstrasse/Talackerstrasse erfolgte gestern im Rahmen der zweiten Sommer­medienkonferenz des Stadtrates zum Thema Unterflurcontainer. Am 21. Oktober 2015 gewährte der Gemeinderat einen Nettokredit von 1,7 Millionen Franken für die Umsetzung eines Abfallentsorgungskonzepts mit Unterflurcontainern. Die Mittel stammen aus der Spezialfinanzierung Kehrichtentsorgung. Anschliessend folgte ein Pilotprojekt in Gerlikon, wo zwei Standorte eingerichtet wurden. «Die Resonanz in der Bevölkerung war positiv», sagt Müller. Heute gibt es in Frauenfeld 47 Standorte, 16 davon auf privatem Grund. «Insgesamt wird es bis 2020 rund 100 Standorte geben.»

Bis ins Jahr 2024 unterstützt der Verband Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Thurgau die Gemeinden mit einer Anschubfinanzierung von 6000 Franken pro Gebinde. «Standardmässig kostet ein Standort zwischen 12000 und 14000 Franken», sagt Daniel Weishaupt vom Werkhof. Die grössere Herausforderung sei jedoch, Standorte zu finden. «Das ist wirklich, wirklich schwierig», sagt er. So dürfe ein Unterflurcontainer beispielsweise die Sicht von Verkehrsteilnehmern nicht behindern, auch Strassen und Trottoirs seien selbstverständlich keine geeigneten Standorte. «Absolut tabu» seien Landwirtschaftszonen. «Hier gibt der Kanton keine Bewilligungen», sagt Weishaupt.

Gute Erfahrungen hätten sie mit Verwaltungen gemacht. Bei grösseren Neubauprojekten ­werden jeweils Auflagen zum Bau von Unterflurcontainern gemacht. «Viele private Bauherrschaften kommen aber auch von sich aus auf uns zu», sagt Markus Graf, Amtsleiter Werkhof. Gleichzeitig könne ein geplanter Neubau unter Umständen zu Verzögerungen in der Umsetzung eines Standorts führen. «Wenn wir wissen, dass ein Neubau geplant ist, warten wir jeweils ab, um im selben Zug dort einen Unterflurcontainer zu realisieren», sagt er.

Krähen zerpflücken Kehrichtsäcke

Die nächsten Standorte sind aber bereits gefunden: Mühletobel, Schrenzenhalde und Gertwies. Letzterer liegt am Stadtrand. «Gerade dort werden die Kehrichtsäcke noch oft von Krähen zerpflückt», sagt Graf. Grundsätzlich sollen die Standorte in Gehdistanz liegen. Die Tatsache, dass manch einer plötzlich einen weiteren Weg mit seinem ­Kehrichtsack zurücklegen muss, sorgt ab und an für Kritik. Doch auch die hält sich laut Graf in Grenzen: «Ich hatte noch keine zehn Anrufe deswegen.»