FRAUENFELD: 5.20 Franken gegen den Tiertod

Nach dem zweiten grossen Sterben von Nutztieren durch Botulismus wird im Thurgau geprüft, ob in solchen Fällen der Tierseuchenfonds einspringen könnte. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es bereits.

Ida Sandl
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In Iselisberg erkrankten kürzlich Schafe an Botulismus. (Bild: Donato Caspari)

In Iselisberg erkrankten kürzlich Schafe an Botulismus. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Emmental-Versicherung hat schon reagiert: Sie bietet neu für Rinder einen zusätzlichen Schutz für Botulismus-Fälle an. Gegen einen Aufschlag von zehn Prozent auf die Tierunfall-Prämie könnte damit das Sterben der Tiere bis zu einem Betrag von 100'000 Franken finanziell abgefedert werden.

Damit wäre aber nur einem der beiden Thurgauer Bauern gedient, die von der Tragödie heimgesucht worden sind. Im April starben im Gachnang 65 Kühe, und in den letzten Wochen verendeten 250 Schafe auf einem Hof in Iselisberg. Der Auslöser war in beiden Fällen derselbe: Ein Tierkadaver war im Futter verwest, dadurch bildete sich Gift, das die Tiere tötete.

Gesuche wurden abgelehnt

Nachdem auf seinem Hof 65 Kühe gestorben waren, stellte Fritz Stettler aus Gachnang Gesuche um finanzielle Unterstützung an den Schweizer Bauernverband und an den Kanton Thurgau. «Beide Gesuche wurden abgelehnt», sagt Stettler. Er habe sich wenig Hoffnung auf einen positiven Entscheid gemacht. Wenn der Fall schon passiert sei, sei es schwierig, etwas zu ändern. Stettler schätzt seinen finanziellen Schaden auf rund eine Viertelmillion Franken.

Verband prüft Möglichkeiten

«Ich wollte etwas bewegen», sagt Stettler. Das scheint ihm gelungen zu sein: Der Verband Thurgauer Landwirtschaft will das Risiko für die Bauern etwas entschärfen. Konkret sei noch nichts, aber: «Wir führen Gespräche mit verschiedenen Stellen», sagt Geschäftsführer Jürg Fatzer. Denkbar wäre zum Beispiel, den Tierseuchenfonds auch für Botulismus zu öffnen. Da Botulismus keine Seuche ist, springt der Fonds bisher in solchen Fällen nicht ein. Jeder Kanton könne aber selber darüber entscheiden, was er in den Tierseuchenfonds aufnimmt. «Das ist eine Möglichkeit, die wir prüfen», sagt Fatzer.

Eine andere Idee ist, einen eigenen Fonds für Botulismus einzurichten. Doch das ist nicht so einfach. «Nicht bei allen Bauern ist das Risiko für Botulismus gleich hoch», sagt der Thurgauer Bauernpräsident und Nationalrat Markus Hausammann. Silofutter zum Beispiel bietet die idealen Bedingungen, damit sich der Erreger vermehren kann.

Das Risiko steigt auch mit dem Grad an Automatisierung bei der Fütterung. Wer noch von Hand füttert, wird ein totes Tier schneller entdecken, als wenn Maschinen diese Arbeit erledigen. Entsprechend sei auch die Bereitschaft, in einen Fonds einzuzahlen, nicht bei allen Landwirten gleich hoch.

Jährlich impfen

Oder aber man lässt seine Tiere vorsorglich impfen. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es. Die Tiere müssen zweimal im Abstand von vier Wochen geimpft werden. Erst dann stellt sich die Grundimmunisierung ein. Dann muss die Impfung jährlich wiederholt werden. Erhältlich seien Flaschen zu je 25 Impfdosen, sagt Professor Michael Hässig von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. «Somit müssen innerhalb von acht Stunden 25 Tiere geimpft werden, oder der Rest muss entsorgt werden.» Eine Flasche zu 25 Dosen kostet 142 Franken, ab fünf Flaschen sind es 130 Franken. Pro Impfdosis macht dies 5.20 Franken aus, ohne Mehrwertsteuer.

Die Firma Provet in Lyssach bei Burgdorf vertreibt den Impfstoff. Sie stellt bisher keine erhöhte Nachfrage fest. Nur für die überlebenden Tiere auf den Höfen der betroffenen Thurgauer Bauern hätten Tierärzte den Impfstoff angefordert.