FRAUENFELD: 271 Millionen und die Stadtkaserne

Der ersten Ausbauetappe der Kaserne Auenfeld und einem neuen Rechenzentrum steht nichts mehr im Wege. Gestern stimmte der Nationalrat dem VBS-Immobilienprogramm 2016 zu.

Mathias Frei
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Eine Visualisierung des neuen Verpflegungszentrums (links) und des um zwei Etagen aufgestockten Kommandogebäudes (hinten.) (Bild: PD/Armasuisse)

Eine Visualisierung des neuen Verpflegungszentrums (links) und des um zwei Etagen aufgestockten Kommandogebäudes (hinten.) (Bild: PD/Armasuisse)

FRAUENFELD. Die Champagnerkorken in Frauenfeld dürfen knallen. Denn seit gestern vormittag steht fest, dass der Bund in den kommenden viereinhalb Jahren 271 Millionen Franken in den Waffenplatz investiert. Dies ist gleichbedeutend mit dem Ende der militärischen Nutzung der Stadtkaserne im Laufe des Jahres 2021. Danach will die Stadt die Kaserne am Bahnhof zivil umnutzen.

Ohne Gegenstimme hat der Nationalrat gestern das VBS-Immobilienprogramm 2016 gutgeheissen. Zum Ende der laufenden Herbstsession gibt es zwar noch eine Schlussabstimmung. Ein Ja in dieser Abstimmung sei jedoch Formsache, sagt die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, auch aufgrund des einstimmigen Resultats gestern. Graf-Litscher ist Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, welche das Geschäft vorberaten hat.

Frauenfeld bekommt die Hälfte von 572 Millionen

Das VBS-Immobilienprogramm ist 572 Millionen Franken schwer. Fast die Hälfte, nämlich 271 Millionen, macht der Standort Frauenfeld aus. 121 Millionen gehen zulasten der ersten Ausbauetappe der Kaserne Auenfeld. Und 150 Millionen sind für den Neubau eines Rechenzentrums budgetiert.

In der ersten Auenfeld-Etappe ist die Aufstockung des Kommandogebäudes um zwei Etagen geplant. Im neuen Verpflegungszentrum sollen in zwei Schichten je 850 Personen verköstigt werden können. Im Neubau des medizinischen Zentrums kommen hundert Patienten unter. Daneben sind ein zusätzliches Unterkunftsgebäude für 550 Personen und drei neue Ausbildungshallen geplant. Die Übergabe dieser ersten Etappe soll im Januar 2021 erfolgen. Danach will sich die Armee aus der Stadtkaserne zurückziehen. Drei weitere Ausbauetappen über insgesamt 205 Millionen Franken sind geplant. 2027 soll der gesamte Ausbau abgeschlossen sein. Dazumal sollen bei Vollbelegung 1700 Personen Platz haben im Auenfeld, aktuell sind es maximal 700 Angehörige der Armee.

Das zweite Grossprojekt betrifft ein 30 Meter hohes Rechenzentrum. Es soll an der Militärstrasse in nächster Nähe der Kaserne zu stehen kommen. Das VBS lässt sich dies 150 Millionen Franken kosten. Es wird militärisch und zivil genutzt. Ab Sommer 2019 soll das Rechenzentrum für eine Testphase betriebsbereit sein. Drei weitere Ausbauetappen wären möglich. National- und Ständerat werden aber nicht vor 2023 darüber entscheiden.

Projekte zeigen Bedeutung des Waffenplatzes

«Dass der Bund vor allem in Frauenfeld investiert, zeigt die Wichtigkeit als Militärstandort», sagt Nationalrätin Graf-Litscher. Es freue sie, dass sie als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission zum Erfolg dieses Geschäfts habe betragen können.

Alle sechs Thurgauer Nationalräte haben gestern Ja gestimmt. Als einzige Parlamentarierin hat sich Graf-Litscher mit einem Votum für die Frauenfelder Projekte stark gemacht. Damit der Waffenplatz Frauenfeld weiterhin militärisch und zivil, etwa für das Open Air oder eidgenössische Feste, genutzt werden könne, brauche es die Auenfeld-Gesamtsanierung, hielt die SP-Sicherheitspolitikerin fest. Zudem hob sie das «sinnvolle und zukunftweisende Gemeinschaftsprojekt» des militärisch-zivilen Rechenzentrums hervor.

Ob des Entscheids des Nationalrats ist auch Frauenfelds Stadtpräsident Anders Stokholm hocherfreut. «Investitionen von 271 Millionen Franken innert vier Jahren: Das ist eine ganze Menge und wichtig für Frauenfeld.» Am meisten werde die Stadt vom Ende der militärischen Nutzung der Stadtkaserne betroffen sein. Die zivile Umnutzung werde eine grosse Herausforderung sein – «auf die wir uns aber sehr freuen». Und schliesslich werde auch die ganze Region in Sachen Wertschöpfung von den Investitionen profitieren, ist er sich sicher.

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