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FRAUENFELD: «24-Stunden-Betrieb ist kein Rosinenpicken»

Bei der Ilg-Taxi GmbH zeigt man sich erstaunt über die Diskussionen betreffend Bahnhof-Standplätzen. Ein Fahrbetrieb rund um die Uhr sei sehr personalintensiv. Zudem komme Ilg-Taxi allen gesetzlichen Anforderungen nach, zum Beispiel bei Nachtzulagen.
Mathias Frei
Abends am Bahnhof: Auf den offiziellen Standplätzen links warten die Ilg-Fahrzeuge, auf der rechten Seite parkieren andere Taxifahrer. (Bild: Andrea Stalder)

Abends am Bahnhof: Auf den offiziellen Standplätzen links warten die Ilg-Fahrzeuge, auf der rechten Seite parkieren andere Taxifahrer. (Bild: Andrea Stalder)

Die Boulevardmedien schreiben einen Krieg herbei. Es geht um nicht weniger als sieben Standplätze. Vier sind heiss begehrt, weil sie direkt vor dem Bahnhofgebäude liegen. Die anderen drei befinden sich am Perron 1. Dass die Standplätze nur an ein Taxiunternehmen vermietet sind, sorgt für leichte Unruhe. Im Kreuzfeuer der Kritik: die Stadt als Vermieterin und die Ilg-Taxi GmbH.

Die Situation ist einfacher, als sie scheint. Die Standplätze für Taxis gehören den SBB, die sie an die Stadt vermieten. Die Stadt wiederum vermietet die Plätze weiter. «Das ist im Prinzip dasselbe, wie wir andernorts Parkplätze vermieten», sagt Urs Ambühl, Leiter Stadtbus Frauenfeld. Die Untermiete unterliegt einer wichtigen Bedingung. «Wir verlangen als Service an der Bevölkerung einen verlässlichen 24-Stunden-Betrieb an 365 Tagen im Jahr», sagt Stadtbus-Leiter Ambühl. Es handelt sich dabei um einen halbjährlich kündbaren Vertrag. Diesen mit Ilg-Taxi zu künden, stand nie zur Diskussion, weil es laut Ambühl bislang keinen Anbieter gab, der die Bedingung der Stadt erfüllen konnte.

400 Stellenprozente pro Fahrzeug und Tag

In jüngerer Vergangenheit gab es zwar ein Gespräch zwischen dem zuständigen Stadtrat Urs Müller, Departementsvorsteher Bau und Verkehr, und zwei streitbaren Taxiunternehmern. «Aber sie haben der Stadt keinen schriftlichen Nachweis für einen 24 Stunden-Betrieb erbracht», sagt Ambühl. Einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb gewährleisten zu können, ist eine organisatorische und auch finanzielle Herausforderung. Gemäss der Ruhezeitverordnung des Bundes für den öffentlichen Personentransport braucht es für ein Taxi pro 24 Stunden vier Fahrer mit jeweils 100 Stellenprozenten. Karin van Anraad-Ilg rechnet sogar mit mehr als 400 Stellenprozenten pro Taxi und Tag. Es brauche einfach eine gewisse personelle Kapazität für einen durchgehenden Taxibetrieb. Van Anraad führt mit ihrem Mann seit zehn Jahren die Ilg-Taxi GmbH, ein Familienunternehmen, das ihr Vater vor 60 Jahren mit einem Auto gegründet hat. Heutzutage zählt der Ilg-Fuhrpark 13 Fahrzeuge, davon zehn mit Vollhybrid-Antrieb. Die Taxiunternehmerin ist erstaunt über die aktuelle Standplatz-Polemik. «Unsere Fahrerinnen und Fahrer werden derzeit immer wieder darauf angesprochen. Viele Leute wissen offenbar nicht, was Sache ist.» Zum Beispiel, dass tagsüber stets sieben Fahrzeuge im Einsatz stehen, aufgrund von Erfahrungswerten. Oder dass Karin van Anraad und ihr Mann aktuell 35 Personen beschäftigen, davon ein Dutzend mit einem Vollzeitpensum. Im Gegensatz zu vielen anderen Taxiunternehmen erhalten Ilg-Fahrer einen Fixlohn. Sie sind also auch bezahlt, wenn sie auf Kundschaft warten. Demgegenüber ist bei vielen anderen Taxiunternehmen eine Umsatzbeteiligung üblich – die bei Null liegt, wenn es keine Fahrten gibt.

«Ein 24-Stunden-Betrieb ist kein Rosinenpicken.» Der Kostenaufwand dafür beinhalte nur zu einem kleinen Teil die Standplatz-Miete, wie Karin van Anraad erklärt. Hauptbestand seien die Lohnkosten – inklusive gesetzlich vorgeschriebenem Nachtarbeit-Zuschlag von 23 bis 6 Uhr. «Natürlich wollen wir Umsatz machen, aber uns liegt auch das Mitarbeiterwohl sehr am Herzen», erklärt die Ilg-Taxi-Geschäftsführerin.

Nachtzuschläge müssen sein

Eine Mitarbeiterin von Ilg-Taxi arbeitete früher bei einem Konkurrenzunternehmen, das nun über fehlende Standplätze schimpft. Dieser Fahrerin sei nie ein Nachtarbeit-Zuschlag ausbezahlt worden. «Wir haben in dieser Sache bereits die zuständige kantonale Stelle kontaktiert, um zu erfahren, wie unsere Fahrerin zu ihrem Recht kommt und zu den gesetzlich vorgeschriebenen Lohnzulagen von ihrem ehemaligen Arbeitgeber», sagt Karin van Anraad. Für einen Taxibetrieb sei es ein absolutes No-Go, diese Zulage nicht auszuzahlen.

Karin van Anraad würde die Einführung eines städtischen Taxireglements befürworten. «Gleiche Rechte bedeuten gleiche Pflichten», sagt sie. Ein Reglement würde die Mindestanforderungen für das Taxigewerbe regeln. Das käme Ilg-Taxi zweifellos entgegen, ist sie überzeugt. Wie Stadtbus-Leiter Ambühl sagt, werde der Stadtrat das Thema eines Taxireglements in nächster Zeit in einer Grundsatzdiskussion behandeln. Als Vorarbeit hat Ambühl bereits bestehende Taxireglemente etwa der Stadt Wil und von grösseren Thurgauer Gemeinden unter die Lupe genommen. Es gebe keine perfekte Lösung. «Auch mit einem Reglement werden nicht alle Taxiunternehmen zufrieden sein», sagt Ambühl.

Erfolg auch ohne Standplatz

Ab sofort ist in Frauenfeld die Taxi-App «Go!» im Einsatz. Mit dem Smart-Phone lässt sich so ein Taxi bestellen. Man gibt Start- und Zielort ein und bekommt einen Fixpreis angesagt, der auf der Fahrdistanz basiert. Bezahlt wird online. Dafür muss man sich mit den Kreditkartendaten registrieren. Die Firma Yoursmile aus Kloten betreibt die App in 16 grösseren Schweizer Städten. Die Firma arbeitet dabei mit lokalen Taxiunter­nehmen zusammen. Sie wirbt damit, dass man so als Taxifahrer keinen Standplatz braucht. In Frauenfeld kommt Taxi Top 24, wenn man per «Go!»-App ein Taxi bestellt. (ma)

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