Frauen spielen Fussball

«Was schauen wir heute», frage ich meine Frau Turmspatz. Beim Fernsehen haben wir meistens den gleichen Geschmack. Uns gefallen die gleichen Krimis, die gleichen Dokumentarfilme. So freue ich mich bereits auf den Film mit der bärbeissigen Kommissarin.

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«Was schauen wir heute», frage ich meine Frau Turmspatz. Beim Fernsehen haben wir meistens den gleichen Geschmack. Uns gefallen die gleichen Krimis, die gleichen Dokumentarfilme. So freue ich mich bereits auf den Film mit der bärbeissigen Kommissarin. Als ich aus der Küche zurückkomme, hält meine Frau die Fernbedienung mit ihrem Flügel. Auf dem Bildschirm tanzen rote Flecken herum. «Wofür ist diese Werbung?», frage ich gutgelaunt und stelle die Espressotassen ab. «Psst», zischt sie und zeigt auf den weissen Punkt, der hin und her hüpft. Jetzt sehe ich, dass da ein Ball über den Rasen gekickt wird. «Fussball? Wer spielt?» «Die Schweiz gegen Kamerun.» «Aber das ist ja Frauenfussball. Kannst du bitte umschalten.» «Warum?» «Ich bitte dich. Wenn ich ein Match schauen will, dann ein ordentliches.» «Diese jungen Damen spielen aber ganz schön clever», sagt meine Frau Turmspatz. Seufzend vergesse ich die Kommissarin, setze mich zu ihr aufs Sofa und lasse mir die weibliche Seite des Spiels erklären. «Schade, dass nicht mehr Frauen spielen», sagt sie wehmütig. «Zum Glück, sonst würde niemand mehr für uns kochen.» Für diesen nicht ganz korrekten Spruch kassiere ich einen ordentlichen Flügelschlag. «Entschuldige.» «Wenn mehr Frauen gefördert würden, gäbe es eine breitere Spitze», nimmt sie den Faden wieder auf. «Warum kickst du eigentlich nicht selber», frage ich schliesslich. «Würde ich schon», gibt sie zurück, «aber die Männer des FC Steckborn haben nur ihren Aufstieg im Kopf. Leider glauben sie, dass wir Frauen nur als Bedienung in der Festwirtschaft zu gebrauchen sind. Ansonsten ist der Club frauenfrei.»