Frauen gewinnen die Oberhand

Mit 88 Prozent der gültigen Stimmen wählten gestern die Thurgauer Stimmberechtigten die SP-Kantonsrätin Cornelia Komposch zur neuen Regierungsrätin. Damit weist der Thurgau erstmals eine Frauenmehrheit in der Regierung auf.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
Cornelia Komposch freut sich am Sonntag im Regierungsgebäude über ihre Wahl zur Thurgauer Regierungsrätin. (Bild: Reto Martin)

Cornelia Komposch freut sich am Sonntag im Regierungsgebäude über ihre Wahl zur Thurgauer Regierungsrätin. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Vor 22 Jahren zog Cornelia Komposch mit ihrer damals jungen Familie aus dem Kanton Graubünden in den Thurgau. «Ich hatte dazumal keinen Gedanken an einen Einstieg in die Politik verloren», sagte die 51-Jährige gestern, als sie soeben zur Regierungsrätin gewählt wurde. Am 1. Juni tritt sie somit die Nachfolge des altershalber zurücktretenden SP-Regierungsrats Claudius Graf-Schelling an.

Erstmals Frauenmehrheit

39 679 Thurgauer Stimmbürger haben Komposch gewählt. Eindrückliche 88 Prozent der gültigen Stimmen fielen somit auf die Sozialdemokratin, die als Frau Gemeindeammann in Herdern amtet. Eine Auswahl bot sich den Stimmberechtigten nicht. Komposch trat ohne Gegenkandidaten an. Denn die anderen Regierungsparteien gaben früh zu verstehen, dass sie der SP den Sitz in der Regierung nicht streitig machen werden.

11 300 Stimmberechtigte legten ihren Wahlzettel leer ein. Auf Vereinzelte fielen 5301 Stimmen. Und 183 zog die Politik-Aussenseiterin Gaby Coray auf sich. Diese gab zwar keine offizielle Kandidatur bekannt, empfahl sich dann aber medial doch noch selber zur Wahl.

«Als SP-Kandidatin kann man mit diesem Resultat sehr zufrieden sein», sagte Komposch. Einige Male hätte sie im Vorfeld der Wahl Vorbehalte gegen drei Frauen in der Regierung vernommen. Mit der Wahl Komposchs weist die Thurgauer Regierung erstmals überhaupt eine Frauenmehrheit im fünfköpfigen Regierungsrat auf. Damit ist der Thurgau nach Zürich und Waadt diesbezüglich erst der dritte Kanton.

Wunschdepartement besetzt

Finanzen und Soziales sei ihr Wunschdepartement, sagte Komposch. «Ich bin mir aber bewusst, dass das kaum möglich ist», fügt sie hinzu. Denn erst im vergangenen Jahr wechselte Regierungsrat Jakob Stark in dieses Departement, eine erneute Rochade dürfte eher unwahrscheinlich sein. «Ich bin offen für alles», sagt Komposch. Ihr Vorgänger, Claudius Graf-Schelling verlässt das Departement für Justiz und Sicherheit.

Etwas tiefere Stimmbeteiligung

Zu den ersten Gratulanten der neu gewählten Regierungsrätin gehörten auch Familienangehörige und Freunde aus dem Bündnerland. «Das ist eine schöne Überraschung», sagte etwa der aus Chur angereiste Vater von Cornelia Komposch, während seine Tochter gleich zwei Blumensträusse in Empfang nehmen konnte. Einen erhielt sie vom Vorgänger Graf-Schelling, ein anderer von Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Vizepräsidentin der SP Thurgau. Sie vertrat Präsidentin Barbara Kern, die in Kreuzlingen zur Wiederwahl als Stadträtin antrat.

Die fehlende Auswahl an Kandidaten drückte wohl auf die Stimmbeteiligung. 35,1 Prozent betrug sie bei den Regierungsratswahlen, die beiden eidgenössischen Vorlagen weisen je 44 Prozent auf.

Aktuelle Nachrichten