Frau von Zeltstange erschlagen: Open-Air-Bauchef muss erneut vor Gericht

FRAUENFELD. Die Staatsanwaltschaft geht gegen den Freispruch für den Bauchef des Open Airs Frauenfeld in Berufung. Im September behandelt das Obergericht den Unfall vom Juli 2012. Es geht um fahrlässige Tötung – und um finanzielle Entschädigungen.

Markus Zahnd
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Nach dem tödlichen Unfall bei den Aufräumarbeiten am Open Air Frauenfeld im Juli 2012 inspizierten Polizisten den Unfallort. (Archivbild: Nana do Carmo)

Nach dem tödlichen Unfall bei den Aufräumarbeiten am Open Air Frauenfeld im Juli 2012 inspizierten Polizisten den Unfallort. (Archivbild: Nana do Carmo)

«Der tragische Tod belastet alle, auch ohne Schuldspruch.» Diese Worte sprach die Richterin am Bezirksgericht Frauenfeld an einem kalten Mittwoch vergangenen Dezember. Das Gericht hatte den Bauchef und einen Helfer des Open Airs Frauenfeld vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Im Prozess ging es um den tödlichen Unfall einer 24jährigen Helferin. Sie war im Juli 2012 bei den Aufräumarbeiten von einer herumfliegenden Zeltstange getroffen worden und danach im Spital ihren Verletzungen erlegen. Zudem wurde ein damals 21jähriger Helfer schwer verletzt.

Vielleicht kommt es nun aber doch noch zu einem Schuldspruch. Denn am 23. September wird der Fall am Thurgauer Obergericht neu verhandelt. Die Staatsanwaltschaft und die Familie des Opfers, die im Prozess als Privatkläger auftraten, haben sich entschlossen, das Urteil weiterzuziehen und Berufung einzulegen.

Bedingte Geldstrafe und Busse

Laut Thomas Soliva, dem Mediensprecher des Obergerichts, geht es dabei um folgendes: «Gemäss Berufungserklärung beantragt die Staatsanwaltschaft die Aufhebung des Freispruchs für den Bauchef und eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse.» Folglich fordert die Staatsanwaltschaft auch, dass die dem Bauchef zugesprochene Entschädigung von 23 700 Franken aufgehoben werden soll. Beim Helfer hingegen akzeptiert die Staatsanwaltschaft den Freispruch. Aber sie fordert eine Reduktion der Entschädigung von 24 700 Franken. Über den Inhalt der Berufung der Privatklägerschaft war gestern nichts in Erfahrung zu bringen.

Klar aber ist: Nach den Freisprüchen haderte der Vater des Opfers mit dem Urteil. Er sei vom Gericht enttäuscht, sagte er. Er hatte ebenfalls ein Wettergutachten in Auftrag gegeben. Das bestätigte ihn in seiner Meinung, dass das Unwetter vorhersehbar gewesen und eine Sturmwarnung ignoriert worden sei. Auch die Staatsanwältin sagte vor Gericht, dass die Helfer hätten abgezogen werden müssen. «Der Tod der jungen Frau wäre mit einem Funkspruch zu verhindern gewesen», sagte die Staatsanwältin.

Das Gericht aber kam nach dreistündiger Beratung zu einem anderen Schluss. Das heftige Unwetter sei derart schnell eingetreten, dass das Ausmass so nicht vorhersehbar gewesen sei.

Meteorologe ist nun vor Ort

Joachim Bodmer, Pressesprecher des Open Airs, will sich zum neuerlichen Prozess nicht äussern. «Wir als Veranstalter sind keine Partei, deshalb kann ich nichts sagen.» Die Verantwortlichen des Open Airs sowie die Stadt Frauenfeld haben aber ungeachtet der juristischen Beurteilung das Sicherheitshandbuch angepasst. Für die Organisatoren gelten seither neue Auflagen, auch für die Aufbau- und Abbauphase. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Möglichkeit eines erneuten Unwetters gelegt. So muss das Open Air nun stets von einem Meteorologen begleitet werden, im Bedarfsfall muss dieser vor Ort sein. Ebenfalls neue Regeln gelten betreffend der Windfestigkeit von Zelten.