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Frau Spuhler ist der Boss

FRAUENFELD. Daniela Spuhler-Hoffmann baut mitten in Frauenfeld Wohnungen. Sie leitet zwei Firmen, ist Mutter einer fünfjährigen Tochter und mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler verheiratet. Er bewundert ihr unternehmerisches Flair, ihren Biss und dass sie besser Auto fährt als er.
Ida Sandl
Daniela Spuhler auf der Baustelle mitten in Frauenfeld: Sie ist hier Bauherrin und Chefin der Baufirma zugleich. (Bild: Nana do Carmo)

Daniela Spuhler auf der Baustelle mitten in Frauenfeld: Sie ist hier Bauherrin und Chefin der Baufirma zugleich. (Bild: Nana do Carmo)

Sie ist der Boss hier, könnte aber auch ein Model sein beim Shooting auf der Baustelle. Gross und schlank steht Daniela Spuhler zwischen Eisenstangen und Gerüsten. Sie trägt Jeans und einen weissen Schutzhelm. Den nimmt sie auch fürs Foto nicht ab. «Sonst gibt es Probleme mit der Suva.» Links und rechts neben ihr ragen rohe Betonwände in den Himmel.

Die Frau ist 36 und Chefin von rund 140 Mitarbeitern. Ihr gehören die Zürcher Baufirmen Esslinger und Barizzi. Sie ist verheiratet mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler und Mutter der gemeinsamen fünfjährigen Tochter.

Momentan überbaut Daniela Spuhler das ehemalige Huber-Areal in Frauenfeld, gleich neben dem Regierungsgebäude. 47 Mietwohnungen, 21 Eigentumswohnungen und zwei Tiefgaragen. Gehobener Standard. Frauenfeld sei speziell, sagt Daniela Spuhler. Das liegt nicht nur daran, dass sie wenige Kilometer entfernt in Weiningen wohnt. Sie ist zugleich Chefin der Baufirma und Bauherrin: Denn Daniela Spuhler sitzt als Vizepräsidentin im Verwaltungsrat der Bauherrschaft. Sie kennt das Projekt seit Landkauf und Architekturwettbewerb. «Vor kurzem haben wir die Armaturen für die Bäder ausgesucht», sagt sie.

Sie musste die Firmen kaufen

Vor sechs Jahren hat Daniela Spuhler ihren Eltern die beiden Firmen Esslinger und Barizzi abgekauft. Sie war gerade schwanger und habe sich hoch verschulden müssen. «Aber ich wusste, das ist richtig.» Es ist die Art, wie in der Familie Hoffmann die Nachfolge seit Generationen geregelt wird: Das Unternehmen wird nicht verschenkt und es gibt keinen Erbvorbezug. So fühlt sich niemand übergangen. Daniela Spuhlers Bruder arbeitet bei ihr als Bauführer. Er hat kein Interesse daran, die Firmen zu führen. Die Schwester hat die Hotelfachschule besucht.

Schon als Kind auf dem Bau

Daniela Spuhler, die Älteste, ist auf dem Bau gross geworden. Grossvater und Vater nahmen sie von klein auf mit, wenn sie Baustellen besuchten. Jetzt darf ihre Tochter das Mami manchmal begleiten. «Ladina liebt den Kranführer in Frauenfeld», sagt Daniela Spuhler und lächelt. Das Kind habe bereits seinen eigenen Helm, und sein Spielzeugauto ist in den Firmenfarben gespritzt. «Sie hat aber auch einen Stadler-Zug.» Abends erzähle sie dem Mädchen Geschichten von der Baustelle. Die berufliche Laufbahn vorspuren soll das aber nicht. Auch ihre Eltern hätten ihr freie Wahl gelassen. «Man ist nur gut, wenn man etwas mit dem Herzen macht.»

Die Auftragsbücher ihrer Firmen sind voll. Doch die Baubranche ist ein hartumkämpftes Geschäft, der Preisdruck ist gross. «Man muss immer wieder versuchen, sich von den anderen abzuheben», sagt sie. Ehemann Peter Spuhler lobt das unternehmerische Flair seiner Frau: «Sie hat Biss und Drive.» Als bekanntwurde, dass ihre Firma den Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank bauen wird, schrieb die Internetzeitung «Inside Paradeplatz» dies vor allem Peter Spuhler zu, der seit langem ein wichtiger Kunde der Bank sei.

«Ich bin auch ein guter Kunde der ZKB», gibt Daniela Spuhler zurück. Viele sehen in ihr vor allem die Frau von Peter Spuhler. Das nimmt sie gelassen. «Der Name öffnet auch Türen», gibt sie zu. «Durchgehen muss ich aber selber.»

Als klar war, dass sie die Baufirmen übernehmen wird, stieg Daniela Spuhler als Praktikantin bei der Firma Cellere ein. Sie arbeitete abwechselnd im Büro und im Strassenbau. Wie alle anderen schaufelte sie ohne Murren bei 30 Grad im Schatten. Das brachte ihr den Respekt der männlichen Kollegen ein. Es sei in dem ganzen Jahr nie eine Bemerkung gefallen, die unter der Gürtellinie gewesen sei. «Seitdem weiss ich, was die Arbeiter auf dem Bau leisten.»

Massimo Barberio, Bauführer auf dem Platz Frauenfeld, staunt, wie viel Frau Spuhler vom Bauhandwerk versteht. «Damit hat sie bei mir gepunktet.»

Die Fotografen lieben sie

Neben der bodenständigen, gibt es auch die glamouröse Daniela Spuhler im Designerkleid und mit hohen Absätzen. Die Frau, auf die sich die Fotografen stürzen, sobald sie auftaucht. Sie lässt sich in keine Schublade pressen. Daniela Spuhler ist SVP-Mitglied, gegen Frauenquoten und für Tagesschulen. «Da hat gerade der Thurgau einiges an Nachholbedarf», rügt sie. Viele Frauen hätten gar nicht die Wahl, zu Hause zu bleiben.

Im Hause Spuhler gibt es eine Haushälterin und eine Nanny. Sie wisse, dass es ihrer Tochter gutgehe. Das sei für sie das Wichtigste. «Sie ist eine gute Mutter», sagt Peter Spuhler über seine Frau. Auch wenn die beiden Rollen sie manchmal zu einem Spagat zwingen würden.

Er kocht öfter als sie

Was an Hausarbeit übrigbleibt, wird aufgeteilt. Er koche sogar öfter. Was Peter Spuhler an seiner Frau immer wieder überrascht: «Ihre Unordnung», sagt er lachend. In einem Punkt ist Daniela Spuhler ihrem Mann klar überlegen, da sind sich beide einig: Sie fährt besser Auto.

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