FORSCHUNG: «Sehne mich nach einer Ostschweizer Bratwurst»

Kathrin Zuberbühler singt auch, aber nicht beruflich: Die Schwester von Lina Button hat einen anderen Weg eingeschlagen. Seit vier Jahren lebt die Pfynerin in den USA und forscht zu Antikörpern, die in der Krebstherapie eingesetzt werden.

Marcel Jud
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Rund vier Jahre ist es her, seit Kathrin Zuberbühler nach San Francisco ausgewandert ist. Dort arbeitet sie als Krebsforscherin. Zuvor hat Zuberbühler am Institut für pharmazeutische Wissenschaften der ETH pro- moviert. Die 35-Jährige aus Pfyn hat damit einen ganz anderen Weg eingeschlagen als ihre jüngere Schwester, die Sängerin Lina Button.

Kathrin Zuberbühler, warum sind Sie in die USA gegangen?

Ich bin einfach meinem Freund gefolgt (lacht). Wir haben uns während unseres Studiums an der ETH Zürich kennen gelernt – im Labor. Nach dem Doktorat hatte er ein Jobangebot aus San Francisco. Ich habe mich um ein Stipendium des Schweizer Nationalfonds bemüht und konnte damit als Postdoc an die University of California in San Francisco.

Und wie war das Ankommen in Ihrer neuen Heimat?

Schwierig. Anders als viele meinen, ist es in San Francisco zum Beispiel selten warm. Unsere Wohnung ist zudem schlecht isoliert. Aber mit der Zeit haben wir uns damit arrangiert. Und wir haben unterdessen viele neue Freunde gefunden.

Seit Abschluss Ihres Postdoktorats arbeiten Sie bei Five Prime Therapeutics, einer Firma, die unter anderem Medikamente für die Behandlung von Krebs entwickelt. Warum dieser Wechsel in die Industrie?

Ich habe bereits für meine Masterarbeit mit Antikörpern gearbeitet. Das hat mich total fasziniert und tut es immer noch. Für mich war schnell klar, dass ich weiter auf diesem Gebiet arbeiten möchte, aber ich wollte nicht in der universitären Grundlagenforschung bleiben. Ich wollte in die anwendungsorientierte Forschung, wie sie bei meinem jetzigen Arbeitgeber betrieben wird – um direkter an der Entwicklung neuer Medikamente mitzuarbeiten.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit mit Antikörpern?

Antikörper sind geniale Bestandteile unseres Immunsystems: Sie erkennen körperfremde Strukturen als Antigene und heften sich an ihnen fest, damit andere Bestandteile der Immunabwehr sie abbauen können. Diese Eigenschaft von Antikörpern versuchen mein Team und ich für die Krebsdiagnostik und -therapie nutzbar zu machen. Dies tun wir, indem wir im Labor künstliche Antikörper herstellen, die beispielsweise Tumore erkennen können. Es ist eine extrem spannende Arbeit, für bestimmte Antigene das passende Antikörper-Gegenstück zu finden.

Vielleicht in der Schweiz?

Das könnte ich mir sehr gut vorstellen – oder in Deutschland, der Heimat meines Freundes. Unser Sohn ist jetzt elf Monate alt und für uns ist klar, dass wir spätestens nach Europa zurückkehren, wenn er eingeschult wird. Wie gesagt, würde ich gerne weiterhin in der Antikörper-Forschung tätig sein. Ich kann mir aber auch vorstellen, wieder als Apothekerin zu arbeiten, wie während meines Doktorats in Zürich.

Gibt es noch andere Gründe für eine mögliche Rückkehr als die Einschulung?

Das ist schon einer der wichtigen Gründe; vor allem bei dem Schulgeld, das hier verlangt wird. Aber klar vermisse ich auch einige Dinge aus meiner alten Heimat: Die lauen Sommerabende etwa, die es hier in San Francisco nicht gibt. Und ab und zu sehne ich mich nach einer guten Ostschweizer Bratwurst (lacht).Freunde und Familie fehlen mir natürlich auch. Ich war kürzlich im Thurgau und da wurde mir erst richtig bewusst, was ich alles verpasst hatte. Vor allem bei meiner Schwester Brigitt alias Lina Button war letztes Jahr viel los. Und auch wenn wir via Familienchat in Kontakt bleiben, kriegt man nicht alles mit.

Ihre Schwester hat in einem Interview geschwärmt, dass Sie auch sehr gut singen.

Ich singe zwar sehr gerne – für mich allein –, aber mit den stimmlichen Qualitäten meiner Schwester kann ich sicher nicht mithalten.

Eine Musikkarriere stand also nie zur Diskussion?

Nein. Da höre ich lieber Brigitt zu. Ich bleibe bei meinen Antikörpern.

Marcel Jud

marcel.jud@thurgauerzeitung.ch