Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FOODWASTE: Thurgauer braut aus altem Brot Bier

Eines der innovativsten Projekte gegen die Verschwendung von Lebensmitteln kommt aus dem Thurgau: Seit letzten Frühling produziert der Müllereibetrieb Meyerhans ein Bier aus hartem Brot.
Daniela Huber
Brotbier: Dominic Meyerhans von der "Damn Good Food & Beverages AG" (Bild: Andrea Stalder)

Brotbier: Dominic Meyerhans von der "Damn Good Food & Beverages AG" (Bild: Andrea Stalder)

Daniela Huber

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Im Grunde ist die Idee naheliegend, aus Brot Bier zu machen. Die Ostslawen haben schon im Mittelalter entdeckt, dass Brot in Wasser fermentiert und daraus ein schmackhaftes alkoholisches Getränk entsteht.

Mit zunehmendem Luxus und einer grösseren Vielfalt in punkto Nahrungsmittel sind solche Tricks ein wenig in Vergessenheit geraten. Bier wird heutzutage aus beinahe allem gebraut, mit Zutaten und Geschmäckern, die sich vor hundert Jahren niemand hätte vorstellen können: Zitronengras, Passionsfrucht oder Kokosnuss. Notwendig ist das vielleicht gar nicht, wenn man altes Brot hat.

Dominic Meyerhans, Müller in der sechsten Generation, hat diese alte Idee wieder ausgegraben. Inspiration dazu war nicht das Geschichtsbuch, sondern der Antrieb, etwas gegen den Foodwaste zu unternehmen (siehe unten). Mit seinem Verkaufsleiter Richard Keiser, einem gelernten Bäcker, sowie zwei weiteren Branchenvertretern, stand er im Sommer vor zwei Jahren vor dem Messestand des Vereins "United Against Waste" und beschloss, etwas zu tun.

Kurz darauf trafen sie sich zum gemeinsamen Mittagessen und zeichneten ihren Geschäftsplan auf ein papierenes Tischset. "Das haben wir immer noch", sagt Meyerhans mit einem schelmischen Lächeln. "Chum, mir gründed e Firma", sagten die Jungunternehmer. Wenn schon Bier, dann solls auch schmecken, beschlossen sie. Mehr als das, es soll "tami guet sii" – "damn good", auf Englisch, weil sie ihr Bier am liebsten auf der ganzen Welt vertreiben möchten. Meyerhans und Keiser träumen gross.

Aber das Brot verstopfte den Ausfluss

Vor den grossen Träumen galt es, eine Probe des Bieres herzustellen, um mit dem perfekten Rezept und einer sinnvollen Methode ins Geschäft einzusteigen. Die Brauerei Locher in Appenzell übernahm die Aufgabe und schon tauchten die ersten Probleme auf. Brotbrösmeli verhalten sich im Wasser anders als das für gewöhnlich verarbeitete Gerstenmalz, sie quellen auf, verstopften den Ausfluss des Läuterbottichs. Auch mit dem Geschmack des ersten Versuches war Braumeister Bürki nicht zufrieden gewesen. Es wurde weiter getüftelt, probiert und gebraut, bis sich die Aromen perfekt ausbalancierten. Was dabei herauskam, schmeckt tatsächlich "tami guet".

Obwohl das Bier laut Etikette von sich behauptet, es sei hell, und auch nur aus hellem Brot gebraut, hat es die Farbe von durchsichtigem Mahagoni. Oder von leicht gebräunten Bürli. Auch im Mund stupst einen das Bürli an, aber nur ganz dezent. Das (harte, nicht alte!) Brot ersetzt in Form von Brösmeli etwa ein Drittel des Braumalzes. Aus acht Tonnen Brot werden tausend Hektoliter Bier gewonnen. Umgerechnet bedeutet das: Mit jedem Liter Bier wird eine dicke Scheibe Brot wiederverwertet. Kein Wunder: Früher galt das Gebräu als Nahrungsmittel. Entsprechend ernst nehmen Keiser und Meyerhans ihr Business. Für "Bread Beer" verwenden sie hygienisch einwandfrei hartes Brot, "Chörnli gehen gar nicht". Auch Sonntagszopf darf nicht in die Flasche, wegen des Fetts. "Bread Beer" wird bereits in über 300 Schweizer Geschäften verkauft. Nicht wenige davon sind Bäckereien.

Meyerhans und Keiser träumen weiter. Ein alkoholfreies Bier wäre vielleicht etwas. Eventuell ein dunkleres Bier mit dunklem Brot. Oder ganz toll wäre natürlich eine Barbecue-Sauce aus ihrem Brotbier. Aber dafür ist noch Zeit, erst einmal geht es darum, das Brotbier zu vermarkten.

Auf die Frage, in welcher Situation man das Bread Beer am besten trinken sollte, sagt Meyerhans: "mit Freunden." Stimmt, das Feierabendbier trinkt man im Idealfall in Gesellschaft. "Wegen der Gespräche, die es anregt, natürlich", hängt er an. Auch das klingt sinnvoll. Und schont unseren Planeten. Wenn Brotbier ins Glas kommt.

Foodwaste - Verschwendung von Lebensmitteln

Der englische Begriff «waste» meint nicht nur Abfall, sondern auch Verschwendung – und bei Foodwaste geht es um Lebensmittel. Etwa ein Drittel aller global produzierten Lebensmittel landen im Abfall. In Schwellen- und Drittweltländern geschieht dies häufig bei der Produktion, etwa bei unsachgemässer Lagerung, während es in Industriestaaten bei und nach dem Vertrieb geschieht. Die Lebensmittel verderben im Privathaushalt in den Kühlschränken und in den Abfalltonnen der Supermärkte – einzig, weil Konsument jederzeit eine riesige Auswahl haben möchte. Der sinnvolle und nachhaltige Umgang mit Nahrungsmitteln gestaltet sich als eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. (dh)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.