Flugblatt verärgert die Behörde

HOMBURG. Nur wenige Tage vor der Abstimmung zur Fusion der beiden Primarschulgemeinden auf Gemeindegebiet Homburg melden sich Gegner des Zusammenschlusses zu Wort. Die Behörden sind über dieses Vorgehen enttäuscht.

Barbara Hettich
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Das Schulhaus Homburg scheint eine Knacknuss bei der Abstimmung zur Fusion der beiden Schulgemeinden zu sein. (Archivbild: Nana do Carmo)

Das Schulhaus Homburg scheint eine Knacknuss bei der Abstimmung zur Fusion der beiden Schulgemeinden zu sein. (Archivbild: Nana do Carmo)

«Wir stimmen am 11. Dezember über eine Fusion der Primarschulgemeinden und nicht über den Verkauf eines Schulhauses ab», stellt Thomas Wiget, Gemeindeammann von Homburg, an einer Medienorientierung klar. Wiget und die Schulpräsidenten Peter Fröhlich (Homburg-Hörstetten und Stephan Diener (Gündelhart-Hörhausen) ärgern sich über ein Flugblatt, das vergangenes Wochenende in Homburg verteilt wurde. Darin werden die Stimmberechtigten aufgefordert, den Zusammenschluss abzulehnen, denn dieser ziehe unweigerlich die Schliessung des Schulstandorts Homburg nach sich.

Wer soll das finanzieren?

Dass die Behörden das Schulhaus in Homburg gerne verkaufen oder umnutzen möchten, ist kein Geheimnis, und darüber wurde auch immer offen informiert. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, die Kosten für die Sanierung dürften sich auf rund 650 000 Franken belaufen. Wenn der Kanton eine neue Sekundarschule auf dem Seerücken bewilligt hätte, dann hätte man diese Investition über die 50 zusätzlichen Sekundarschüler verkraften können – der Kanton rechnet seine Beiträge an die Schulgemeinden über Schülerpauschalen ab.

So oder so ein Schulhaus zu viel

Der Kanton hat die Mini-Sek nun aber abgelehnt (die TZ berichtete). Der Erhalt des Schulstandorts Homburg bleibt deshalb fraglich, denn die Primarschulgemeinde Homburg-Hörstetten verfügt mit dem Schulhaus in Hörstetten über einen zweiten Schulstandort, der mit dazugehörender Mehrzweckhalle eher zukunftstauglich scheint. In Homburg gibt es hingegen keine Turnhalle.

«Wir können mit unseren Steuereinnahmen nur schwer zwei Schulhäuser finanzieren», sagt Peter Fröhlich. Auch ohne Fusion werde man einen Verkauf oder eine Umnutzung in Betracht ziehen müssen – ausser die Stimmberechtigten seien bereit, einen sehr viel höheren Steuerfuss zu akzeptieren. Über die Zukunft des Schulhauses werde also nicht am 11. Dezember an der Urne, sondern an einer der kommenden Gemeindeversammlungen entschieden.

Kritik an der Botschaft

Die Initianten des Flugblattes halten mit weiterer Kritik an der geplanten Fusion nicht zurück. Aussagekräftige Zahlen würden fehlen. Weiter heisst es unter anderem, dass die Homburger nun dafür büssen müssten, dass Gündelhart-Hörhausen bisher jegliche Zusammenarbeit verweigert habe. Dem sei nicht so, sagen beide Primarschulpräsidenten. Richtig sei, dass in der Vergangenheit Fusionsmöglichkeiten aus verschiedenen Interessenkonflikten verworfen wurden. «Es ist endlich an der Zeit, dass wir die Vergangenheit ruhen lassen, uns heute als eine Gemeinde verstehen und entsprechend handeln», sagt Wiget.

Sämtliche Fakten und Zahlen habe man stets offengelegt – beispielsweise in der Informationsbroschüre vom Juli 2011, sagt Stephan Diener. Diese Zahlen gelten auch heute noch. Man habe die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zudem aufgefordert, bei weiteren Fragen oder Unklarheiten sich mit den Behördevertretern in Verbindung zu setzen. «Es ist niemand auf uns zugekommen», sagt Peter Fröhlich: «Schade, dass nun unsere ganze Arbeit mit diesem Flugblatt in Frage gestellt wird.»

Es braucht zwei Ja

Thomas Wiget hofft, dass sich bei der Abstimmung auch im Gemeindeteil Homburg die Vernunft durchsetzen wird. Denn ein Zusammenschluss kann nur zustande kommen, wenn die Stimmberechtigten beider Gemeinden dieser Fusion zustimmen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann werden sich die Primarschulen weiter Richtung Oberstufenkreis orientieren müssen, sagt Stephan Diener. Die Schülerzahlen in Gündelhart-Hörhausen seien soweit rückläufig, dass ein Alleingang schon bald keinen Sinn mehr machen würde.

Chance nutzen

In einer Vorprüfung hat der Kanton den Zusammenschluss der beiden Primarschulgemeinden und die künftige Zusammenarbeit mit zwei verschiedenen Sekundarschulen – Müllheim und Steckborn – bewilligt. In Uesslingen-Buch war der Kanton beispielsweise nicht so grosszügig: Die Uesslinger Kinder dürfen nicht mehr nach Frauenfeld, sondern müssen die Sekundarschule in Hüttwilen besuchen. «Wir sollten unsere Chance nutzen», sagt Thomas Wiget. Bei einem Nein wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, dass man in Homburg noch eigenständig über Schule und Schulstandort entscheiden könne.