FlowTex: Millionen im Plastiksack transportiert

FRAUENFELD. Im FlowTex-Prozess vor dem Bezirksgericht Frauenfeld kündigte der Staatsanwalt am Montag ein rund zehnstündiges Plädoyer an, verteilt auf zwei Tage.

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FRAUENFELD. Im FlowTex-Prozess vor dem Bezirksgericht Frauenfeld kündigte der Staatsanwalt am Montag ein rund zehnstündiges Plädoyer an, verteilt auf zwei Tage. Er warf der Ex-Frau des FlowTex-Geschäftsführers vor, mit Hilfe ihrer Anwälte gezielt und in grossem Stil Vermögenswerte versteckt zu haben. Die Verhandlung stehe in einem engen Kontext mit dem FlowTex-Skandal, «einem gewaltigen Schneeballsystem», bei dem Gewinne in Immobilien unter anderem in Spanien, Uruguay oder St. Moritz angelegt wurden.

Nach dem Betrugsfall sei es für die Insolvenzverwaltung in Deutschland schwierig gewesen, an die illegalen Gewinne heranzukommen. Im ganzen FlowTex-Komplex sei «kein weisses Geld» vorhanden gewesen, es habe keine legalen Einkünfte gegeben, führte die Anklage aus. Der Geschäftsführer sei jahrelang ein erfolgreicher Betrüger gewesen. Die Delinquenz seiner Ex-Frau habe am Tag seiner Verhaftung angefangen.

Wollte Luxusleben weiterführen

Sofort habe sie begonnen, Vermögenswerte beiseite zu schaffen, und zwar «mit einer stupenden Sicherheit und einer durchdachten Strategie». Ihre Hilflosigkeit sei nur gespielt, sie habe getan, wozu nur eine Überzeugungstäterin in der Lage sei, und dabei eine «erstaunliche Chuzpe» an den Tag gelegt. «Sie wollte ihr Luxusleben ungerührt weiterführen», sagte der Staatsanwalt.

Weil die Suche nach den Geldern zeitraubend und kostenintensiv gewesen sei, habe die Insolvenzverwaltung mit der Ex-Frau einen Vergleich geschlossen, den sie allerdings nicht einhielt: Für eine Entschädigung von 20 Millionen Mark verpflichtete sie sich, ihr Vermögen von 366 Millionen Mark an die Insolvenzbehörde zu übergeben. Bei dieser Vereinbarung komme das Gerechtigkeitsgefühl zu kurz, räumte der Staatsanwalt ein.

Transaktionen ohne Spuren

Die Anklage schilderte weiter, dass das Ehepaar sich bemüht habe, bei Transaktionen möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Der FlowTex-Geschäftsführer sei bei gutem Wetter immer wieder nach Samedan geflogen. Dabei habe er Plastiksäcke mit jeweils drei, vier Millionen DM transportiert, die danach in St. Moritz bar auf ein Konto einbezahlt wurden. Bei einem Geschäft seien 600 000 Aktien «physisch», also nicht via Überweisung, transferiert worden.

Die Frau habe auch die beiden Kinder in ihre Vermögensgeschäfte einbezogen. «Nun steht eine ganze Familie mit ihrem Anwalt vor Gericht», fasste der Staatsanwalt zusammen. (sda)