Fliegende Untertassen schmecken

Früher reisten Höri-Bauern mit ihren Zwiebeln über die Grenze zu den nahen Schweizer Märkten. Heute fahren Thurgauer und Schaffhauser hinüber, um Höri-Bülle auf dem Büllefest zu erstehen. Am Sonntag ist es wieder soweit.

Gudrun Enders
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Die rote, flache Höri-Bülle wird am Sonntag in Moos auch wieder in Form von Zöpfen angeboten. (Bild: pd)

Die rote, flache Höri-Bülle wird am Sonntag in Moos auch wieder in Form von Zöpfen angeboten. (Bild: pd)

Der Zibelemärit in Bern stand Pate. Der erste Zwiebelmarkt auf der Höri kam 1976 zustande. «Damals wurde ein Sonntagsverkauf kaum genehmigt», sagt Organisator Jürgen Graf. Doch einen Markt – beim Büllefest handelt es sich in erster Linie um einen Zwiebelmarkt – durften die Produzenten abhalten. Die Veranstaltung hat sich bewährt.

Auch in diesem Jahr werden wieder rund 40 Marktstände aufgebaut. Alles dreht sich um die Höri-Bülle, eine nur auf der Halbinsel angebaute Zwiebel. Sie wird an den Ständen in Form von Brot, Dünne, Suppe, Chutney, Likör oder gar als Schnaps angeboten. Zudem kann man sich säckeweise mit der seltenen Bülle eindecken oder Zöpfe erstehen. Keine Regel ohne Ausnahme: Die französische Partnergemeinde Le Bourget-du-Lac reist jedes Jahr an, um ihren Käse feilzubieten, der reissenden Absatz findet: «Der ist meistens so ab 14 Uhr ausverkauft», sagt Graf.

Mönche brauchten Zwiebeln

Der Gemüseanbau auf der Höri wurde bereits im achten Jahrhundert von den Reichenauer Mönchen dokumentiert. Jahrhundertelang bauten die Höri-Bauern vorwiegend ihre Zwiebeln an, die auf dem moorigen Boden besonders gut wachsen. Sie verkauften die Bülle auf den Märkten in Stein am Rhein, Schaffhausen oder Romanshorn. Doch während der Weltkriege wurden die Grenzen geschlossen und die Marktfrauen transportierten ihre Bülle unter anderem in umgebauten Kinderwagen zum Markt nach Radolfzell.

Samen immer selbst ziehen

Diese Zeiten sind längst vorbei. Wurde die Höri-Bülle vor 150 Jahren auf maximal 16 Hektar angebaut, sind es heute noch bis zu 4 Hektar. Denn der Anbau ist aufwendig und kann bei der druckempfindlichen Bülle nicht mit Maschinen erfolgen. Die viele Arbeit von Hand erledigt meist die ältere Generation. Auch Marktorganisator Graf erinnert sich an seine Kindheit, als er den Grosseltern beim Zwiebelputzen half. Auch der Samen wird jedes Jahr arbeitsintensiv nachgezogen: Dafür werden die schönsten Zwiebeln zur Seite gelegt, damit sie im nächsten Jahr blühen und Samen bilden, so dass auch weiterhin auf der Höri-Bülle wächst.

Büllefest am 5. Oktober in Moos, 10 bis 18 Uhr, Bus pendelt zwischen Radolfzell und Moos 9 bis 18.30 Uhr.

Bild: GUDRUN ENDERS

Bild: GUDRUN ENDERS