FISCHINGEN: Spielzeugpistolen und Klobürsten

Gestern strömten Tausende in den südlichsten Thurgau und besuchten den Fischinger Jahrmarkt. Die Marktstände boten ihre Waren an, die Beizli hatten Hochkonjunktur und Petrus war gnädig.

Christoph Heer
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Für jeden etwas dabei: Während die Kinder von der grossen Auswahl an Spielzeug beeindruckt sind, amüsieren sich die Erwachsenen bei der Präsentation von Hygiene­artikeln bestens. (Bilder: Christoph Heer)

Für jeden etwas dabei: Während die Kinder von der grossen Auswahl an Spielzeug beeindruckt sind, amüsieren sich die Erwachsenen bei der Präsentation von Hygiene­artikeln bestens. (Bilder: Christoph Heer)

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Schon kurz nach sechs Uhr in der Früh herrschte emsiges Treiben auf der Durchfahrtsstrasse – erste Standbetreiber sind angekommen und stellten ihre Holzhütten auf. Die meisten sind dabei alt­bekannte Gesichter, welche jedes Jahr in Fischingen anwesend sind, andere hingegen waren gestern zum ersten Mal vor Ort und hatten nur lobende Worte übrig, was die ganze Organisation betraf.

Auch der Besucherandrang liess keine Wünsche offen, so strömten die ersten Menschentrauben schon am Morgen in den südlichsten Teil des Thurgaus und machten ihre ersten Schnäppchen. Fast jedes Kind hielt einen Ballon in der Hand, während sich ihre Eltern mehr um das persönliche Wohl kümmerten. Das kulinarische Angebot war dementsprechend auch wieder riesig. Von Crêpes zu Grilladen, von Bouillons über Magenbrot bis hin zu feinen Fleisch­spezialitäten – ein Paradies für Schlemmer.

Kerzen in Form von Hunden und Kühen

Liebhaber von Sammlerstücken, Kleidungsstücken oder Spielzeug versammelten sich vor den Marktständen, unterhielten sich, philosophierten mit den Verkäufern und liessen sich ab und an auch zu einem Kauf überreden. Dank bevorstehender Herbstzeit und folgender Adventszeit lief es auch bei den mehreren Kerzenanbietern gut. Ihre selbst gezogenen und bis ins Detail verzierten Kerzen werden in vielen Stuben für Heiterkeit sorgen. Der Fan­tasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. So verkaufte etwa Maya Schilling aus Elsau, die das erste Mal am Jahrmarkt war, ihre bezaubernden Bienenwachskerzen in Form von Hunden, Blumen, oder gar Kühen.

Es ist schwer zu sagen, was den Fischinger Jahrmarkt ausmacht. Für die Einheimischen und solche, die es einmal waren, gehört der jährliche Besuch und das Treffen altbekannter Freunde einfach dazu. Auswärtige antworteten dagegen mit unterschiedlichen Aussagen. «Ich bin pensioniert und habe genug Zeit», «es läuft ja sonst nichts an den langweiligen Montagen», oder «ich liebe einfach diese Jahrmarktstimmungen», waren etwa Statements von Personen, die nicht im Kanton Thurgau wohnen. Man muss es einfach fühlen, dieses Gefühl der Zu­sammengehörigkeit und des Miteinanders.

Banger Blick nach oben

Einige bange Blicke gab es gestern jedoch kurz vor der Mittagszeit. Immer wieder gingen die Blicke gen Himmel, denn ver­einzelte Regentropfen machten sich bemerkbar. Doch mit zunehmender Dauer hellte es auf und liess das prächtige Kloster über der Jahrmarktstrasse immer klarer erscheinen.

Nur kurz wurde die Stimmung getrübt. Ein kleiner Junge wollte an einem Spielzeugstand nicht bloss nur die kleine Pistole er­gattern. Die Auswahl war derart riesig, dass er sich keinen Meter mehr wegbewegte. Seine Mutter hingegen wollte auch noch zu den neuartigen Klobürsten, die weiter unten angepriesen wurden – was folgte, waren einige Tränen der Enttäuschung und ein kleiner Junge, der «nur eine» kleine Spielzeugpistole mit nach Hause nehmen durfte.