FISCHINGEN: Der Klingelbeutel klingelt nicht

Das Kloster rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Der Ruf nach staatlicher Unterstützung wird lauter.

Christoph Heer
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Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

An Durchhalteparolen mangelt es dem Verein Kloster Fischingen wahrlich nicht. Denn die roten Zahlen (unsere Zeitung berichtete) drücken auf das Gemüt, kleinzukriegen ist der Verein aber nicht – noch nicht.

«Jahre kommen, Jahre gehen und mit ihnen die Sorgen, Probleme, aber auch die Freuden», sagte Vereinspräsident Roman Müggler. 108 von aktuell 410 Mitgliedern des Vereins Kloster Fischingen versammelten sich am Freitagabend in der Klosterbibliothek und verfolgten die ­musikalisch umrahmte Generalversammlung.

Dies sei ebenso ein Aspekt, der genaustens verfolgt werden müsse. «Denn», so betonte Klosterdirektor Werner Ibig, «in den Jahren 2011 bis und mit 2015 konnten wir stets neue Vereinsmitglieder generieren, wir wuchsen kontinuierlich. Seit 2015 stagniert diese Zahl aber bei etwas über 400.»

Staat und Kirche bezahlen nichts

Trotz dem Wellengang, dem das Vereinsschiff ausgesetzt ist, herrscht keine Tristesse. Müggler betonte immer wieder die tollen Leistungen verschiedenster Personen, die in das Ganze mit involviert sind. So sagte er, dass auch hinter schlechten Zahlen grossartige Leistungen von vielen Personen stecken können. «Befriedigend ist die Situation aber beileibe nicht. So sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass wir weder von kirchlichen noch von staatlichen Institutionen in irgendeiner Form einen Betriebsbeitrag erhalten – das ist eine unbefriedigende Situation», sagte Müggler. Werner Ibig erörterte das Wichtigste aus der Jahresrechnung 2016, welche mit einem Defizit von rund 600000 Franken abgeschlossen hat. «Seit Jahren beschäftigt uns ein strukturelles Defizit im Bereich von 400000 Franken. 2016 liegt es leider noch einmal höher. Setzt man dieses erneute Defizit in das Verhältnis zum Eigenkapital, welches neu noch 1,6 Millionen Franken beträgt, zeigt sich eindringlich, dass es uns gelingen muss, die Gesamtsituation zu verbessern.»

Sorgenkinder Hotel und Schreinerei

Die Gründe für das noch höhere Defizit liegen im Verfehlen der finanziellen Ziele in den Bereichen Seminarhotel und Schreinerei. Es wurde aber an der Versammlung betont, dass – noch – keine personellen Massnahmen getroffen werden müssen. Ibig dazu: «Um Arbeitsplätze geht es noch nicht, aber wir brauchen Unterstützung.»

Der Vorstand des Vereins besteht aus zehn Personen, die sich allesamt für eine weitere vierjährige Vorstandstätigkeit zur Verfügung stellen. Einstimmig wurden diese, sowie Stefanie Neumeister Peter (Oberuzwil) und Bruno Hubatka (Wilen) als Ergänzungsmitglieder, gewählt.

Seit 1879 besteht dieser Verein und setzt sich ein für die Erhaltung und Belebung des Benediktinerklosters, der Führung von Schulen und weiteren Betrieben. Im Kloster selbst sind 120 Mitarbeiter angestellt. Wahrlich ein Kulturgut, für das es sich einzusetzen lohnt, war man sich einig, auch dank des Klosters geniesst der Hinterthurgau ein positives Ansehen weit über die Landesgrenzen hinaus.