FINANZEN: Sozialhilfequote sinkt

Die Sozialhilfequote im Thurgau sinkt leicht. Doch nicht alle Kennzahlen entwickeln sich in die positive Richtung. So steigen beispielsweise die Bruttoausgaben der Gemeinden in diesem Bereich weiter an.

Sebastian Keller
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Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Die Thurgauer Sozialhilfequote belief sich im Jahr 2016 auf 1,7 Prozent. Damit sank der Anteil der Sozialhilfebezüger im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im Vergleich zum Vorjahr (1,8 Prozent) leicht. Das zeigt die gestern veröffentlichte Statistik «Öffentliche Sozialhilfe der Gemeinden 2016». Was der Auswertung weiter zu entnehmen ist: Die Sozialhilfefälle wie auch die unterstützten Personen nahmen zu: 3320 registrierte Fälle und 4662 unterstützte Personen wurden in den 80 Thurgauer Gemeinden gezählt. Der Grund, wieso die Quote trotzdem sank, liegt an zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Wohnbevölkerung wuchs schneller als die Zahl der Sozialhilfebezüger. «Dies Entwicklung ist grundsätzlich erfreulich», sagt Florentina Wohnlich, Leiterin des kantonalen Sozialamtes.

Erfreulich wertet sie eine weitere Zahl. So nahmen die Netto-Sozialhilfeausgaben der Thurgauer Gemeinden im vergangenen Jahr ab – erstmals seit 2008. 38,9 Millionen Franken wurden 2016 für diesen Bereich netto aufgewendet. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um rund 900000 Franken. «Das liegt vor allem an den höheren Rückerstattungen an die Gemeinden», begründet Florentina Wohnlich. Rückzahlungen erhalten die Kommunen zum Beispiel von der Invalidenversicherung oder von Sozialhilfebezügern, die wieder zu Geld gelangen. Eine Rückerstattungspflicht schreibt das Gesetz vor, wenn sie zumutbar ist. Dies ist aber schwierig zu budgetieren: «In einem Jahr haben die Gemeinden die Ausgaben, im nächsten vielleicht die Rückerstattungen», sagt Wohnlich.

Bruttokosten mit einem Plus von 4,1 Millionen Franken

«Was man nicht vergessen darf», sagt die Leiterin des kantonalen Sozialamtes, «die Bruttoausgaben sind erneut angestiegen». So wendeten die Gemeinden im vergangenen Jahr 94,7 Millionen Franken brutto für die Sozialhilfe auf. Das entspricht einem Plus von 4,1 Millionen Franken, oder 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist im Zeitverlauf über die vergangenen Jahre eine stetige Zunahme zu beobachten.

Die Statistik zeigt zudem, wie viele Franken je Einwohner die Sozialhilfe netto kostet. Dieser Wert sank gegenüber dem Vorjahr um 5 auf 144 Franken. Damit sind die Pro-Kopf-Ausgaben erstmals seit 2008 gesunken. Wobei es eine grosse Spannbreite zwischen den Gemeinden gibt. Die höchsten Sozialhilfeausgaben je Einwohner weist nach wie vor Arbon mit 438 Franken aus. Neben der Oberthurgauer Stadt gaben sechs weitere Gemeinden pro Kopf mehr als 200 Franken aus: Kreuzlingen, Langrickenbach, Affeltrangen, Altnau, Frauenfeld und Hefenhofen. Einzelne Gemeinden weisen sogar «Einnahmen» aus. Die absolut höchsten Nettoaufwendungen hatte – wie bereits in den beiden Jahren zuvor – Kreuzlingen mit 6,4 Millionen Franken. Auch die meisten weiteren urbanen Gemeinden gaben über eine Million Franken für die Sozialhilfe aus.

Die Statistik weist zudem aus, welche Altersgruppe das höchste Sozialhilferisiko trägt. Mit einer Quote von 2,4 Prozent sind es die unter 18-Jährigen. 2016 waren ein Viertel aller Sozialhilfebezüger noch nicht einmal volljährig.

44 Prozent der Sozialhilfebezüger zwischen 18 und 64 Jahre waren 2016 erwerbslos. Diese Gruppe vergrösserte sich gegenüber dem Vorjahr – um rund 200 Personen oder 16 Prozent. Das ist ein markanter Anstieg. «Dabei handelt es sich um eine Personengruppe, die nicht gut aufgestellt ist», sagt Florentina Wohnlich. Personen beispielsweise mit einem psychischen oder körperlichen Leiden. «Um diese Personen in den Arbeitsmarkt zu vermitteln, braucht es einen grossen Aufwand.»