Filet-Stücke für günstiges Wohnen

FRAUENFELD. Die Gruppierung Chrampfe & Hirne will den Frauenfelder Stadtrat auf sozialen Wohnungsbau verpflichten und dazu die Gemeindeordnung anpassen. Am Freitag startet CH mit der Unterschriftensammlung für eine «Wohn-Initiative».

Stefan Hilzinger
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Das Areal des Frauenfelder Werkhofs aus der Luft. Hier wäre beste Wohnlage mitten in der Stadt. (Bild: Dominik Knill)

Das Areal des Frauenfelder Werkhofs aus der Luft. Hier wäre beste Wohnlage mitten in der Stadt. (Bild: Dominik Knill)

Für mittelständische, junge Familien ist das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen knapp in Frauenfeld. Das finden Exponenten der Gruppierung Chrampfe & Hirne (CH). Sie haben darum eine kommunale Initiative für «günstige und gute Mietwohnungen» lanciert. Gestern stellten Peter Hausamann, Sandra Kern und Roland Wetli das Volksbegehren vor. Am Freitag wollen sie damit beginnen, die 750 benötigten Unterschriften zu sammeln.

Peter Hausammann, Sandra Kern und Roland Wetli von Chrampfe & Hirne stellten die Wohn-Initiative vor. (Bild: Stefan Hilzinger)

Peter Hausammann, Sandra Kern und Roland Wetli von Chrampfe & Hirne stellten die Wohn-Initiative vor. (Bild: Stefan Hilzinger)

Kostenmiete statt Marktmiete

Viel sei in den vergangenen Jahren für Gewerbebauten und Einfamilienhäuser gegangen, findet CH-Gemeinderat Peter Hausammann. Angesichts des sehr tiefen Leerwohnungsstand von nur gerade 0,5 Prozent sei es höchstes Zeit, dass nun etwas für günstige Mietwohnungen geschehe. «In Frauenfeld sind nur gerade vier Prozent aller Wohnungen in Genossenschaften», sagte Hausammann. Das sei deutlich unter dem schweizerischen Mittel (siehe auch Kasten).

Diesen Anteil möchte CH in den nächsten Jahren schrittweise erhöhen und dazu die Gemeindeordnung abändern. «Wir wollen den Stadtrat in die Pflicht nehmen, etwas für den gemeinnützigen Wohnungsbau zu tun.» Gut und günstig sollen die Wohnungen sein, das heisst sie sollen den Mietern nicht zu Marktmieten überlassen werden, sondern zu sogenannten Kostenmieten. «Der Vermieter verrechnet nur die effektiven Kosten für Kapitaldienst sowie Unterhalt und verzichtet auf eine Gewinnmarge», erklärt Peter Hausammann.

Land günstiger bereithalten

Der Vorschlag der Gruppierung sieht eine Reihe von Instrumenten vor, mit denen die Stadt sich künftig für sozialen Wohnungsbau einsetzen müsste: Im Rahmen des Landkreditkontos soll die Stadt die eigenen Baulandreserven verstärkt für gemeinnützigen Wohnungsbau reservieren und günstig zur Verfügung stellen. «Dazu zählen für uns etwa solche <Filet-Stücke>, wie das Areal des heutigen Werkhofes», sagt Initiativkomitee-Mitglied Roland Wetli.

Ausserdem soll die Stadt soziale Wohnbauträger mit zinslosen oder zinsgünstigen Darlehen unterstützen, einerseits für Neubauten, andererseits für die Sanierung älterer Siedlungen. Schliesslich soll die Stadt Investoren mit Sonderregeln in Gestaltungsplänen wenigstens teilweise auf günstigere Mieten verpflichten können. «Im Gegenzug gewährt die Stadt Privilegien, etwa höhere Ausnützungsziffern», sagt Wetli.

Fonds zur Finanzierung

Die Massnahmen will CH mit einem städtischen Fonds finanzieren, in den während vorderhand zehn Jahren jährlich eine halbe Million Franken einbezahlt werden müsste. «Bei Kultur und Energie funktioniert das mit einem Fonds bereits», sagt Hausammann.

Als das Thema günstige Mietwohnungen vergangenes Jahr Thema einer Einfachen Anfrage im Gemeinderat war, ortete der Frauenfelder Stadtrat keinen Handlungsbedarf. Anders sehe es die Frauenfelder Bevölkerung, sagt CH. Denn in der städtischen Umfrage 2013 stehe für 90 Prozent der Befragten die Schaffung von günstigem Wohnraum oben auf der Prioritätenliste.

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