Feuerwehr rettet Haus in letzter Minute

STECKBORN. Um ein Haar hätte das Feuer in der Siedlung Chapf ob Steckborn von der Scheune auf das Wohnhaus übergegriffen. Dank einer rasch verlegten Löschwasserleitung gelang es den Feuerwehrleuten, dies im letzten Moment zu verhindern.

Margrith Pfister-Kübler
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Die Idylle trügt: Bagger sind daran, die Brandruine abzutragen. Auf der Wiese liegt das aus der Scheune geschaffte Heu. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Idylle trügt: Bagger sind daran, die Brandruine abzutragen. Auf der Wiese liegt das aus der Scheune geschaffte Heu. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Gegen 140 Feuerwehrleute konnten verhindern, dass das Feuer im Chapf oberhalb Steckborn auf das Wohnhaus und den Hühnerstall übergriff. Laut Auskunft von Feuerwehrkommandant Reto Fischer wurde der Alarm um zwanzig Minuten nach Mitternacht in der Nacht auf Montag ausgelöst. Fischer hat den starken Knall selbst gehört: «Ich dachte, ein Blitz hat bei mir im Garten an der Geerenstrasse eingeschlagen.»

Vieh zum Glück auf der Weide

Der Alarm setzte die Feuerwehrleute blitzschnell in Aktion zur Siedlung Chapf der Familie Strassburger. Die Stützpunktfeuerwehr Steckborn, die Feuerwehr Kreuzlingen und die Feuerwehr Homburg rückten aus. Polizei und Rettungsdienst waren auch vor Ort. Die Scheune mit Stall brannte schon lichterloh. Glücklicherweise war das Vieh wegen der Hitze nachts draussen auf der Weide. Wegen Wassermangels wurde das Löschen zur besonderen Herausforderung. «Es gibt keinen Hydranten, wo wir das Wasser hätten anzapfen können. Wir bezogen Wasser aus einem unterirdischen Feuerweiher mit 300 Kubik Inhalt. Vom Höfli musste Wasser mit Schläuchen geholt werden. Zudem brauchte es einen Wassertransport ab Reservoir Härdli», erklärt Fischer die besonderen Umstände. Er lobt den «hervorragenden» Einsatz aller Feuerwehrleute: Die Homburger standen bereits im Einsatz, weil sie wegen des Gewitters überschwemmte Keller auspumpen mussten.

Die Katastrophe begreifen

Trotzdem kamen sie sofort mit einem Spezialfahrzeug, so dass die Leitung vom Härdli bis zum Chapf schnell gelegt war. Zeitlich wurde es knapp: «Wäre das Wasser eine Minute später geflossen, hätte das Wohnhaus auch gebrannt», sagt Fischer.

Gestern gegen Mittag war der Abbruch der Brandruine im Gange. Heu lag auf einer Wiese ausgebreitet. Die Familie Strassburger versucht die Katastrophe zu begreifen. Patrick sucht in der Ruine nach Brauchbarem. «Heute wäre mein zweiter Schultag in der Oberstufe, jetzt musste ich schon fehlen», sagt er.

Wasser für die Hühner

Seine beiden Schwestern sind Wasser kaufen gegangen. Die Wasserversorgung funktioniert noch nicht. «Wir brauchen Wasser für die Hühner, das ist für diese überlebenswichtig», sagt Grossmutter Margrit Strassburger und ihr Mann Koni blickt auf die Ruinen: «In dieser Nacht bin ich zehn Jahre älter geworden.» Enkel Patrick erzählt von der Nacht, als Grossvater im Stöckli schrie: «Es brennt.» Der Strom fiel aus, das Telefon funktionierte nicht mehr, nur das Handy. Das Wichtigste habe man zusammengepackt. «Die Akten haben wir ins Auto geschafft», erzählt Heidi Strassburger, während Ehemann Daniel mit dem Versicherungsexperten spricht.

Bei Godi Dschulnigg und Claudia Knecht im Höfli haben die Kinder in der Nacht Zuflucht gefunden. Von der Anhöhe aus haben sie zusehen müssen, wie der Besitz abbrennt. Die Hilfsbereitschaft der Bauern untereinander sei beeindruckend gross, sagt Feuerwehrkommandant Fischer. Der Schaden ist noch nicht beziffert.

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Reto Fischer Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Steckborn

Reto Fischer Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Steckborn