Feuerbrand: Hoffnungsträger wirkt nicht

FRAUENFELD. In Frauenfeld ist der Feuerbrand stärker ausgebrochen als in den Vorjahren. Über den ganzen Kanton Thurgau gesehen haben sich die Infektionen aber in Grenzen gehalten. Dies, obwohl das Pflanzenschutzmittel wohl nicht wirksam ist im Kampf gegen Feuerbrand.

Michèle Vaterlaus
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Urs Müller Feuerbrand-Experte BBZ Arenenberg (Bild: Nana do Carmo)

Urs Müller Feuerbrand-Experte BBZ Arenenberg (Bild: Nana do Carmo)

Für den Feuerbrand-Experten Urs Müller ist es keine Überraschung, dass in Frauenfeld ein stärkerer Befall aufgetreten ist als in den Vorjahren (Ausgabe vom 22. August). Er erklärt sich das damit, dass einige der Bäume wohl schon in den Vorjahren infiziert worden sind. Ansonsten sei der Feuerbrand aber selten aufgetreten. «Bei den Apfelanlagen haben wir nur einzelne Befälle. Die Hochstämme sind kaum betroffen», sagt Müller. Kritischer sei es bei den Birnenbäumen. «In Wuppenau und auch in der Region Stettfurt haben wir einen starken Befall.» Doch das Jahr 2015 sei glimpflich verlaufen, im Vergleich zu Jahren wie 2000, 2007 sowie 2008. Denn es gab nur einen Infektionstag. Müller betont aber, dass teils erst im Herbst klar wird, wie stark der Befall tatsächlich ist, wenn die Feuchtigkeit zurückkehrt ist und die Symptome sichtbar werden.

Edwin Huber Präsident des Thurgauer Obstbauernverbands (Bild: Reto Martin)

Edwin Huber Präsident des Thurgauer Obstbauernverbands (Bild: Reto Martin)

Mittel ist weniger wirksam

Dieses Jahr haben die Bauern zum ersten Mal das Pflanzenschutzmittel LMA (Kaliumaluminiumsulfat) gegen den Feuerbrand gespritzt. Es sei zwar etwas komplizierter zum Anmachen, doch den Bäumen habe es bisher nicht geschadet, sagt Edwin Huber, Präsident des Thurgauer Obstbauernverbands. Er ist deshalb zuversichtlich. «Auch wenn wir wissen, dass dieses Mittel etwa 20 Prozent weniger wirksam ist als das bisher angewendete Antibiotikum Streptomycin.» Streptomycin darf seit 2015 nur einmal im Jahr gespritzt werden. Dies, nachdem es insbesondere 2007 eine grosse Menge Honig verunreinigt hatte, der vernichtet werden musste.

Urs Müller ist froh, dass LMA dieses Jahr breit getestet werden und die Obstbauern ihre ersten Erfahrungen mit dem Pflanzenschutzmittel sammeln konnten. Müller ist jedoch auf der Hut. «Agroscope hat in Baselland zwei Versuche mit LMA gemacht», sagt er. Diese seien an der Güttinger Tagung vorgestellt worden. Das Ergebnis des einen Versuches war ernüchternd: «LMA hat nicht gewirkt», sagt Müller. «Das Mittel war aber unser Hoffnungsträger.»

Urs Müller Feuerbrand-Experte BBZ Arenenberg (Bild: Nana do Carmo)

Urs Müller Feuerbrand-Experte BBZ Arenenberg (Bild: Nana do Carmo)

Am Ball bleiben

Den Kopf will Urs Müller aber nicht in den Sand stecken. «Wir haben zwar aktuell keine Alternative, aber die Anwendung von LMA ist derzeit auf drei Behandlungen im Jahr beschränkt. Vielleicht lässt sich da etwas machen.» Das Ganze müsse nun aber erst diskutiert werden, dann lege der Bund wieder eine Stossrichtung fest. Auch Edwin Huber gibt sich zuversichtlich. «Wir haben wenig Erfahrungen mit LMA. Es ist also logisch, dass wir noch ein paar Fragezeichen haben. Wir müssen einfach am Ball bleiben.»