Ferienhotel für Behinderte

BERLINGEN. Aus dem Haus Stern in Berlingen wird ein Ferienhotel für Behinderte und ihre Angehörigen. Mit einem Jahr Verspätung reichte jetzt die Stiftung Pro Handicap die Baueingabe ein.

Margrith Pfister-Kübler
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Peter Kasper zeigt den Plan der Südseite des Ferienhotels, seine Frau Maja Kasper die Frontansicht an der Seestrasse 86. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Peter Kasper zeigt den Plan der Südseite des Ferienhotels, seine Frau Maja Kasper die Frontansicht an der Seestrasse 86. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Der Jonas-Furrer-Preisträger Peter Kasper aus Berlingen setzt erneut Akzente für Behinderte, und dies mit einer unerschütterlichen Beharrlichkeit. Mit der Stiftung Pro Handicap, gegründet 2011, realisiert er ein Ferienzentrum für Behinderte in Berlingen. Er präzisiert: «Es wird ein Ferienhotel und kein Heim.» Dazu wurden drei Häuser von Tertianum erworben, ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Das Rennen machte das Ermatinger Architekturbüro Dalla Corte + Völkle Architekten GmbH.

Ausgereifte Lösung braucht Zeit

«Wir sind ein Jahr verspätet», verweist Kasper auf die frühere Planung, bei der die Anlage im Mai 2013 eröffnet werden sollte. Für die Anpassung der Gebäude an die neuen Funktionen und Ansprüche wurde aber zusätzlicher Aufwand benötigt. «Es muss an unendlich vieles gedacht werden, um alles behindertengerecht zu realisieren und jede Möglichkeit auszuschöpfen. Wir haben die nötigen Abklärungen etwas unterschätzt», bekennt Peter Kasper.

«Wir hoffen auch auf finanzielle Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und privaten Personen der umliegenden Kantone», sagte Kasper, davon überzeugt, dass dieses Ferienhotel für Behinderte und deren Angehörige auch touristisch der Region ein grosses Plus bringt. Ehefrau Maja Kasper, die ebenfalls mitwirkt, freut sich, dass das Projekt in Berlingen sehr positiv aufgenommen wird: «So spürt man, dass das Dorf mitdenkt. Das ist schön.»

Zeit genommen hat man sich auch für die Anwohner. Alle wurden zu einer Orientierung und zu einem Essen ins Perlavita eingeladen. «Wir legen grössten Wert auf offene Information», sagt Kasper. Hauptsächlich steht das Haus für Gruppen zur Verfügung, aber auch Einzelpersonen sind willkommen. Vorgesehen ist zu einem späteren Zeitpunkt auch, ein bis zwei Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen.

Projekt kostet 5,7 Millionen

Inzwischen wird mit dem Baustart Ende März 2013 gerechnet und mit der Eröffnung im Frühling 2014. Totalkosten des Projekts: rund 5,7 Millionen Franken. Die Kosten teilen sich wie folgt auf: 1,9 Millionen kostete die Liegenschaft Stern samt Nebengebäuden. Eine private Schenkung machte den Kauf möglich. Für Renovation, Umbau und Einrichtung des Haupthauses werden 3,7 Millionen veranschlagt. Zudem kosteten Vorprojekte 60 000 Franken. Das macht unterm Strich insgesamt 5,66 Millionen.

Kasper hofft, dass der grösste Teil der Kosten durch Spenden finanziert werden kann. Kritische Einschätzung ist Kasper enorm wichtig und dass man ehrlich und respektvoll miteinander umgeht. Sponsoren bringen dem Projekt tiefes Vertrauen entgegen. «Trotzdem sind wir noch auf weitere Unterstützung angewiesen», so Kasper. Der Bedarf eines Ferienhotels für Behinderte ist ausgewiesen. Bereits jetzt bestehen Anfragen. Kasper freut sich: «Berlingen liegt ideal und bietet aussergewöhnlich viel rollstuhlsichere Ausflugsmöglichkeiten.»

Kasper erwirkte mit dem Verein Zürcher Rollstuhltaxi in einer Volksabstimmung gleiche Tarife für Behinderte wie für Nichtbehinderte. 1992 gründete er zudem den Verein Behinderten-Reisen Zürich.