Feilen und hobeln, bis ein Satz übrig bleibt

Hans Peter Niederhäuser schreibt mit einem einzigen Satz eine ganze Geschichte. Bei der Sonntagsmatinee in der Bibliothek Münchwilen las er aber auch über Alltagsleichen – sein neues Buch.

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Hans Peter Niederhäuser (Bild: Ruth Bossert)

Hans Peter Niederhäuser (Bild: Ruth Bossert)

münchwilen. «Er redete und redete und glaubte, sie höre ihm zu.» Ein kurzer Satz mit dem Potenzial eines ganzen Romans – jedenfalls für diejenigen, die bereit sind, den Faden weiterzuspinnen, und dann aber feststellen, dass die Geschichte eigentlich nur einen einzigen Satz benötigt. Denn der Autor und Kantonsschullehrer Hans Peter Niederhäuser schnitzt, feilt und hobelt so lange an einem Satz, bis er alles Nebensächliche verloren hat und kurz und knapp ins Schwarze trifft.

Rund zwei Dutzend Zuhörer

Die rund zwei Dutzend Besucher, die zur zweiten Veranstaltung im Rahmen des 25-Jahr-Jubiläums der Gemeindebibliothek kamen, waren begeistert. Den Anlass als Sonntagsmatinee zu organisieren war von den Veranstaltern weise gewählt. Das Ambiente der Bibliothek passte sowohl zum Autor wie zu seinen Ein-Satz-Geschichten wunderbar.

Niederhäusers Ein-Satz-Geschichten beschreiben Szenen aus dem Alltag, die einem allesamt bekannt vorkommen. Witzig, charmant, ironisch und manchmal auch spöttisch beschreibt der Autor Begegnungen mit Menschen, die ihm tagtäglich begegnen. «Wenn ich Menschen beobachte, entwerfe ich Geschichten», sagt er und fügt auch gleich das Rezept hinzu: «Man nehme eine Person und verwickle sie in einen Satz.»

Ideen auf dem Arbeitsweg

Die Idee zu den Ein-Satz-Geschichten sei ihm auf dem Arbeitsweg von Weinfelden nach Frauenfeld gekommen. Er gewöhnte sich an, während der elfminütigen Zugsfahrt Szenen zu beobachten und sie kurz zu einer Geschichte zu verdichten – doch so einfach sei die Sache dann doch nicht, gab er schmunzelnd zu. (rb)