Feiern an fleischlosen Tagen & Rabenbraten

In der TZ von 1917

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Thurgau. Wie man hört, machen den Behörden die Dispensgesuche namentlich bei Hochzeiten oder Leichenessen erheblich zu schaffen. Bei den Leichenessen wird sich kaum viel machen lassen; denn die Beerdigungen lassen sich nicht verschieben. Die Frage ist nur, ob der altmodische «Leichenschmaus» ein so pietätvoller Brauch sei, dass er um jeden Preis aufrecht erhalten bleiben müsse. Anders verhält es sich mit den Hochzeiten an fleischlosen Tagen, wobei vor allem der Dienstag in Frage kommen wird. Das lässt sich verschieben und die Behörden sollen nur hart sein; denn sie schaffen damit vielleicht auch den alten und lächerlichen Aberglauben aus der Welt, dass an gewissen Tagen der Woche durchaus nicht Hochzeit gemacht werden dürfe.

Das Gesuch des Schweizer Wirte­vereins und des Schweizer Hoteliervereins, die dem Wirtschaftsgewerbe auferlegte Beschränkung, zu einer Mahlzeit nur ein Fleisch aufzutragen, auch dem Privathaushalt zur Pflicht zu machen, ist vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement abschlägig beschieden worden, «weil die Einhaltung dieser Vorschrift in Privathäusern nicht genügend kontrolliert werden könne». Immerhin wird das Departement die Frage bei einer etwaigen Änderung der Vorschriften in Wiedererwägung ziehen.

Die fleischlosen Tage werden in Basel strenger gehandhabt als in anderen Kantonen. Die Metzgereiläden sind an diesen Tagen geschlossen und die Rollläden heruntergelassen. Auch die Metzgereiwagen und Karren verkehren in diesen Tagen nicht in den Strassen. Auf den Buffets der Wirtschaften fehlen die Fleisch- und Wurstwaren an den fleischlosen Tagen gänzlich.

Thurgau. Als Zeichen der Zeit mag vermerkt werden, dass eine Zürcher Wildbretfirma auch den hiesigen Jägern gedruckte Postkarten schickt mit folgender Offerte: «Bin Kassa-Käufer für jedes Quantum frisch geschossener Raben, Elstern, Eichelhähern, zu 60 Rp. das Stück. Bitte um gefl. Zusendung per Express oder Eilgut. Von 20 Stück an Frachtvergütung». Man wird wohl nicht fehlgehen mit der Annahme, dass dieses edle Geflügel dazu bestimmt ist, unter anderem Namen auf den Speisekarten unserer Restaurants und Hotels wieder zu erscheinen.