Fehlt die Bäuerin, geht oft nichts mehr

KEFIKON. Liselotte Peter sitzt seit einigen Monaten im Vorstand des Schweizerischen Bauernverbandes. Die ehemalige Kantonsrätin will, dass sich die rechtlichen und sozialen Bedingungen der Bäuerinnen verbessern.

Ruth Bossert
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Liselotte Peter führt mit ihrem Mann einen Bauernbetrieb und setzt sich auf nationaler Ebene für die Interessen der Bäuerinnen ein. (Bild: Ruth Bossert)

Liselotte Peter führt mit ihrem Mann einen Bauernbetrieb und setzt sich auf nationaler Ebene für die Interessen der Bäuerinnen ein. (Bild: Ruth Bossert)

Ein- bis zweimal pro Woche ist Liselotte Peter unterwegs, fährt am frühen Morgen mit dem Zug von Islikon nach Bern oder nach Brugg und kommt am Abend spät nach Hause. «Verbandspolitik auf nationaler Ebene ist spannend», sagt sie. Im Schweizerischen Bauernverband präsidiert sie seit ein paar Monaten die Fachkommission Sozialpolitik, Arbeitsrecht und Ausländerpolitik. Im Bäuerinnen- und Landfrauenverband ist sie seit einigen Jahren Vizepräsidentin.

Liselotte Peter kennt den Druck auf die Landwirtschaft nicht nur vom Hörensagen. In Kefikon führt sie mit ihrem Mann einen 30-Hektaren-Landwirtschaftsbetrieb. Sie kennt aber auch die Mehrfachbelastung der Bäuerinnen und weiss aus der neusten Befragung von Bäuerinnen, deren Ergebnis erst Mitte Oktober offiziell veröffentlicht wird, dass die Freude am Bäuerinnendasein bei vielen Frauen in den vergangenen Jahren stark getrübt ist. «Die nationalen landwirtschaftlichen Verbände müssen sich der Thematik stellen und alles daran setzen, dass die Bäuerinnenarbeit nicht mehr länger als selbstverständlich angesehen wird, sondern eine hohe Priorität erhält», fordert sie. «Wenn auf dem Hof die Bäuerin fehlt, geht oft gar nichts mehr.»

Bäuerinnen benachteiligt

Zudem seien Bäuerinnen vielmals, auch wegen der ungeregelten Eigentümerverhältnisse, bei einer Scheidung schlecht abgesichert, was schliesslich auch ein gesellschaftliches Problem darstelle. Liselotte Peter ist bei diesen Fragen im Element. Sie weiss aber auch, dass so verschieden die Landwirtschaft in der Schweiz ist, so verschieden auch die Bäuerinnen sind. Jeder Betrieb sei anders, produziere unterschiedliche Lebensmittel, variiere in der Grösse, und werde auch von unterschiedlichen Menschen bewirtschaftet. Deshalb wehre sie sich, wenn alle Bauernfamilien über einen Leisten gebrochen werden.

Auch wenn Liselotte Peter mit Nachdruck spricht, Ungereimtheiten beim Namen nennt und auch mal die Naturschutzverbände kritisiert, wenn diese sich zu stark in die ökologischen Belange der Landwirtschaft einmischen, laut und polternd wird sie nie. Sie liebe die Menschen und suche nach brauchbaren Lösungen für alle Beteiligte, erklärt sie. Und wieder kommt ihr starkes soziales Gespür ins Spiel, sie möchte, dass die Menschen in der Landwirtschaft dem enormen Druck der Reform standhalten und die Familien für sich und ihren Betrieb optimale Lösungen finden, ohne dass die Lebensqualität der Menschen abnimmt.

«Nicht alle schaffen den Spagat»

Die Aufgabe an die Landwirtschaft, dass heute jeder Betrieb auch ein Unternehmen sein muss, stelle an die Menschen dahinter extrem hohe Anforderungen. «Nicht alle Bauern schaffen den Spagat», sagt Liselotte Peter. Sie sieht auch ein Problem bei der immer fortschreitenden Ökologisierung der Flächen. «Ich kann verstehen, wenn mein Mann Mühe hat, das schönste Kulturland extensiv zu bewirtschaften, auch wenn er dabei mehr Geld verdienen könnte als mit arbeitsintensiven Kulturen.» Erschwerend sei auch, dass heute die ganze Gesellschaft am besten zu wissen meine, wie die Bauern ihre Felder zu bewirtschaften hätten. Die ständigen Diskussionen um Direktzahlungen seien auch für Bäuerinnen zermürbend.