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FEHLSCHÜSSE: "Solche Mitglieder wollen wir nicht": Schaf-Jäger vor Ausschluss

Der Thurgauer Jagdverband will die Konsequenzen ziehen: Dem Jäger, der Schafe statt Wildschweine schoss, droht der Verbandsausschluss, sagt Walter Schmid, Vizepräsident von Jagd Thurgau. Er habe Grundregeln der Jagd missachtet.
Silvan Meile
Walter Schmid, Vizepräsident von Jagd Thurgau, spricht über den fehlbaren Jagdschützen von Affeltrangen. (Bild: Reto Martin)

Walter Schmid, Vizepräsident von Jagd Thurgau, spricht über den fehlbaren Jagdschützen von Affeltrangen. (Bild: Reto Martin)

Walter Schmid, was sagt der Thurgauer Jagdverband zu den geschossenen Schafen, die für Wildschweine gehalten wurden?

Was da passierte, ist absolut daneben. Hier wurden wichtige Grundregeln der Jagd missachtet, zum Beispiel sicher zu sein, auf was man schiesst. Dieser äusserst penible Jagdunfall hat unsere Informations- und Aufklärungsarbeit der letzten Jahre zunichtegemacht. Jäger müssen derzeit viel erdulden. Wenn ich heute irgendwo hingehe, heisst es gleich: «Du, kennst du den Unterschied zwischen einer Wildsau und einem Schaf?»

Wie konnte dieser Jagdunfall bei Affeltrangen passieren?

Die Jagdgesellschaften sind unter grossem Druck. Gerade dort sind Bauern wegen Schäden an Kulturen sehr unzufrieden. Durch jenes Gebiet streift eine Rotte mit 18 Wildsauen. Der Jäger wollte sie am Waldrand anpirschen. Er sah die Tiere zwischen den Bäumen und war hundertprozentig überzeugt, dass es Wildschweine sind. Dann drückte er ab.

Vier Schafe traf er tödlich, drei weitere mussten notgeschlachtet werden. Wildschweine wären doch nach dem ersten Schuss sofort in alle Richtungen auseinandergestoben?

Das stimmt. Der Jäger war alleine unterwegs. Er hat grosse Erfahrung in der Jagd von Wildschweinen. Diesmal meinte er, die Wildsauen hätten ihn nicht bemerkt und glaubte an einen grossen Erfolg. Er hat die Lage völlig falsch beurteilt ...

... und erst später die Verwechslung bemerkt?

Der fehlbare Schütze deponierte bereits in der Unfallnacht seine Jagderlaubnis beim Obmann und kurz danach hat dieser sie bei der kantonalen für Jagd- und Fischereiverwaltung übergeben. Dort trifft auch der Bericht der Polizei über den Vorfall ein. Ausserdem wird sich wohl der Rechtsdienst des Departements Justiz und Sicherheit mit dem Fall befassen. Das Jagdvergehen wird also seriös beurteilt werden und danach erfolgt die sicher zu erwartende Sanktion durch Amt, Verband und Jägerschaft.

Welche Sanktion erwarten Sie vom Kanton?

Eine einjährige Jagd-Dispens ist das Minimum. Bei einem Verstoss gegen das Jagdgesetz sind auch strafrechtliche Konsequenzen denkbar.

Was fordert der Thurgauer Jagdverband?

Solche Mitglieder wollen wir nicht. In unseren Statuten heisst es, wer dem Ansehen der Jagd schadet, wird vom Verband ausgeschlossen. Wir warten nun aber die Ergebnisse der Untersuchungen ab. Einen voreiligen Ausschluss sprechen wir nicht aus.

Wie oft mussten Sie schon Mitglieder ausschliessen?

In den letzten 14 Jahren ist mir kein solcher Fall bekannt. Ausschlüsse gab es höchstens, weil die Mitgliederbeiträge nicht bezahlt wurden.

Der entsprechende Jäger hat den Besitzer der Schafe finanziell entschädigt. Was kostete ihn das?

Das sage ich nicht. Aber schauen Sie: Ein Metzger bezahlt normalerweise 200, höchstens 300 Franken für ein Schaf. Wird eines vom Wolf gerissen, erhält der Schafsbesitzer 600 Franken.

Wie ist das Verhältnis zwischen der Thurgauer Jagdgesellschaft und ihrem grössten Kritiker, dem Tierschützer Reinhold Zepf?

Reinhold Zepf sprang auch auf den Zug auf und musste sich melden. Seinen Groll, dass er als Jäger seinerzeit bei den Thurgauern nicht willkommen war, muss er immer wieder ausleben und gegen die Jagd hetzen.

Er kritisiert auch den Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd auf Wildschweine. Braucht es solche wirklich?

Wir Jäger müssen 15 Prozent der Wildschäden an den Kulturen der Landwirtschaft berappen. Diese bewegen sich jährlich zwischen 320 000 und über 600 000 Franken. Auch deshalb haben wir ein Interesse an einer Kontrolle des Wildbestandes. Schwarzwild ist bei uns nachtaktiv, weil tagsüber zu viel Betrieb auf dem Feld und im Wald ist. Mit einer gut ausgeführten und von technischen Hilfsmitteln unterstützten Jagd können wir selektiver und besser jagen. Wir sehen damit auch besser, ob ein Tier führend oder geschützt ist. Mit Ausbildung, Kursen und Training versuchen wir, Unfälle zu verhindern.

Dem Jäger, der auf die Schafe schoss, nützte das Nachtsichtgerät offensichtlich nichts.

Deshalb muss dieses Hilfsmittel aber nicht in Frage gestellt werden. Wenn ein Autounfall passiert, verbietet man auch nicht das Autofahren.

Wieso braucht es die Jagd?

Wer soll sich sonst mit Herz und Hand für die Wildtiere einsetzen, die Bestände regulieren? Die Thurgauer Jäger machen seriöse Arbeit. An 365 Tagen im Jahr, zu jeder Tages- und Nachtzeit, rücken sie aus, wenn Wildunfälle passieren. Sie vermindern Wildschäden an Kulturen, erlösen kranke Füchse und fangen Marder ein, wenn Schäden an Gebäuden gemeldet werden. Das ist ein Service public.

Treffen Sie im Wald und an Gewässern auch oft verwilderte Haustiere und eingeschleppte Arten an?

Gemäss eidgenössischem Gesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel ist die Jagd verpflichtet, in Naturräumen sogenannte Neozonen und Bastarde zu entfernen. In diesem Gesetz ist auch geregelt, dass das Freilassen von Tieren verboten ist. Darüber setzen sich Heimtierbesitzer oft einfach hinweg und hoffen, dass die Natur sich selber hilft, die ausgesetzten Haustiere ernährt oder durch Raubtiere verschwinden lässt. Ausgesetzte Hühner oder Meerschweinchen werden immer wieder angetroffen. Wir versuchen, sie einzufangen. Vor allem vor den Sommerferien erhöht sich jeweils der Bestand ausgesetzter Katzen. Dem Heimtierhalter wird daraus kein Strick gedreht. Für Eichhörnchen, Siebenschläfer, Vögel oder die bedrohten Haselmäuse sind sie eine echte Gefahr.

Dennoch ist das Image der Jäger angekratzt.

Wir verheimlichen nicht, was wir machen. Ich versichere: Wir zollen den Tieren unseren Respekt. Wir betreiben kein Hobby, sondern eine Leidenschaft. Die Jagd muss seriös sein. Der Fehltritt eines Einzelnen schadet dem Ruf aller. Damit müssen wir leben.

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