FDP verliert in Ausserrhoden

Der parteiunabhängige Alfred Stricker schafft den Sprung in die Ausserrhoder Regierung. Trotz Spital-Affäre werden alle bisherigen Regierungsräte bestätigt. In der Regierung verlieren die Freisinnigen ihre historische Dominanz.

Patrik Kobler/Michael Genova
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Die gestrigen Wahlsieger unter sich: Der neue Regierungsrat Alfred Stricker (pu) und der neue Landammann Matthias Weishaupt (SP). (Bild: Michel Canonica)

Die gestrigen Wahlsieger unter sich: Der neue Regierungsrat Alfred Stricker (pu) und der neue Landammann Matthias Weishaupt (SP). (Bild: Michel Canonica)

HERISAU. Die gestrige Gesamterneuerungswahl des Ausserrhoder Regierungsrats brachte zwei historische Ergebnisse: Mit Matthias Weishaupt wird erstmals ein SP-Politiker Landammann, und die FDP verliert die absolute Mehrheit. Denn der parteiunabhängige Alfred Stricker aus Stein schaffte mit 9316 Stimmen gleich im ersten Urnengang die Wahl in die von sieben auf fünf Mitglieder verkleinerte Regierung. Nicht gewählt sind Monica Sittaro (FDP) mit 6466 sowie Norbert Näf (CVP) mit 6284 Stimmen. Das absolute Mehr betrug 7445 Stimmen.

Stimmvolk straft Frei ab

Die vier bisherigen Regierungsratsmitglieder wurden im Amt bestätigt. Das beste Resultat erzielte Paul Signer (FDP). Der Vorsteher des Departements Sicherheit und Justiz erzielte 14 762 Stimmen. Volks- und Landwirtschaftsdirektorin Marianne Koller-Bohl (FDP) erreichte 13 435 Stimmen, Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt (SP) 13 283. Mit 9995 Stimmen erreichte Finanzdirektor Köbi Frei (SVP) nur 679 Stimmen mehr als Alfred Stricker. Frei war als Verwaltungsrat wegen der Honorar-Affäre im Ausserrhoder Spitalverbund in die Kritik geraten. «Die Menschen haben ihrem Bauchgefühl Ausdruck gegeben», sagte Frei zu seinem Ergebnis. Er habe damit rechnen müssen, dass viele Leute die Vorgänge nachvollziehen könnten. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob er Verwaltungsrat des Spitalverbunds bleibe. «Die neugewählte Regierung muss entscheiden, ob es einen Wechsel geben wird.»

Stricker gewinnt Vertrauen

Einen Grund für seine Wahl sieht Alfred Stricker in der Diskussion um den Spitalverbund. «Die Bevölkerung hat das Thema Vertrauen hoch gewichtet.» Dazu komme, dass er als einziger Kandidat aus einer kleinen Gemeinde stamme. Der 54jährige Alfred Stricker ist in Stein aufgewachsen. Seit 2007 sitzt der Landwirt als Parteiunabhängiger im Kantonsrat. Stricker gehörte früher dem Gemeinderat Stein an. Zurzeit ist er Vorstandsmitglied im kantonalen und im Schweizer Bauernverband. Daneben engagiert er sich in der Berufsbildungskommission. Stricker stammt aus einer politischen Familie. Schon sein Grossvater und sein Vater waren Regierungsräte.

«Die Leute wollten einen <Ösrigen>, einen Regierungsrat, der nahe am Volk ist», sagte Norbert Näf, CVP-Kandidat und abtretender Gemeindepräsident von Heiden. «Ich hätte mir in meiner Gemeinde ein stärkeres Resultat erhofft», so Näf. Sein Ergebnis sei jedoch doppelt so hoch wie das Wählerpotenzial der CVP in Ausserrhoden. Monica Sittaro sagte zu ihrer Niederlage: «Bei Regierungsratswahlen geht es in erster Linie um die Persönlichkeit.» Ein Anti-FDP-Reflex könnte zudem eine Rolle gespielt haben. «Es gibt Leute, die keine FDP-Mehrheit wollen – das hat meine Ausgangslage erschwert», so Sittaro.

Mit der Wahl Strickers zieht erstmals wieder ein Parteiunabhängiger in die Regierung ein, die historisch dominante FDP verliert ihre Mehrheit. Die neue «Zauberformel» lautet: zwei FDP-Vertreter, je ein Vertreter aus SVP und SP sowie ein Parteiunabhängiger.

Regierung muss sich neu finden

Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt zeigte sich erleichtert über seine klare Wiederwahl. Im Zusammenhang mit der Spital-Affäre stand auch der Gesundheitsdirektor in der Kritik. «Die Leute haben zwischen Sachpolitik und wahltaktischem Geplänkel unterschieden», kommentierte er sein Ergebnis. Als Landammann wolle er sich dafür einsetzen, dass der verkleinerte Regierungsrat ein gutes Kollegium bilde. «Mein Ziel ist es, dass es uns gelingt, Entscheide gut zu kommunizieren.»

Mathias Weishaupt ist 1961 in Gais geboren, in Trogen aufgewachsen und wohnt heute in Teufen. Von 1998 bis zu seiner Wahl in die Regierung 2006 war er Kantonsbibliothekar.

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