Faustischer Pakt mit Kapitalismus

STECKBORN. In den Unterseegemeinden von Steckborn und Umgebung ist die rege Bautätigkeit nicht zu übersehen. Beim Infoabend der FDP Steckborn diskutierte man über die Grenzen des Wachstums, Zweitwohnungen und die Integration von Zuzügern.

Gjon David
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Steckborn von oben: Neubauten, die nicht ins Gesamtbild der Stadt passen, waren das Thema am Diskussionsabend der FDP Steckborn. (Bilder: Reto Martin)

Steckborn von oben: Neubauten, die nicht ins Gesamtbild der Stadt passen, waren das Thema am Diskussionsabend der FDP Steckborn. (Bilder: Reto Martin)

Die neuen Ein- und Mehrfamilienhäuser in Steckborn fallen auf. Die Attraktivität der Unterseegemeinden wurde neu entdeckt und führt zu einem überraschenden Umschwung. «Wirtschaft gegen Seele», beschreibt – Donnerstagabend am Diskussionsanlass der FDP Steckborn und Umgebung in der Sekundarschule Feldbach – ein Gast die aktuelle Situation in den Unterseegemeinden.

«Es geht nur darum, rentable Objekte zu bauen, anstatt Wert auf die Umgebung und das Ortsbild zu legen.»

«Es braucht Grenzen»

Man dürfe keinen faustischen Pakt mit dem Kapitalismus eingehen und unüberlegt den Wunsch hegen, reiche Steuerzahler nach Steckborn zu locken. «Es braucht Grenzen, die vielen Neubauten in Steckborn zerstören das Gesamtbild der Stadt», es werde einfach kopflos «in die Landschaft hinein betoniert».

Ein anderer Gast sagte daraufhin: «Mich stört es, wenn Leute hier an schönster Lage bauen und dann nicht mehr als einen Monat im Jahr hier leben.» Die Neuzuzüger müssten am Dorfleben teilnehmen, sich mit Steckborn identifizieren, sagte Stadtammann Roger Forrer. Neuzuzügerin Ellen Steiner, frühere Leiterin vom Ressort Kultur beim Schweizer Fernsehen, meinte: «Neuzuzüger müssen selbst aktiv werden», um die Leute von der Umgebung kennenzulernen. Forrer verstand es gut, die Sorgen der Bürger aufzunehmen und meinte: «Wir müssen darauf achten, dass wir in einem gesunden Bereich von innen nach aussen wachsen und nicht umgekehrt.»

«Unsere Jungen» sollen in ein paar Jahren auch ein «Häuschen in der Umgebung bauen können» und nicht ausziehen müssen, weil die Wohn- und Bodenpreise übertrieben teuer seien. Salenstein sei ein Beispiel dafür.

«Lädeli» dürfen nicht schliessen

Die Entwicklung finde mehr ausserhalb von Steckborn statt als im Zentrum. «Das ist keine gute Entwicklung», sagt ein besorgter Bürger. Eine etwas ältere Anwesende gibt sogleich ein Beispiel dafür: «Die Migros siedelt zum Feldbacharel. Aber im Zentrum sollte doch wieder ein Einkaufsladen stehen.» Sie könne in ihrem Alter nicht einfach schnell zum Feldbachareal laufen, um einzukaufen. «Es gibt viele ältere Leute im Städli, die gerne in der Nähe einkaufen wollen.» Einkaufsläden kämpften ums Überleben. Darauf antwortet Forrer, dass sie jeden Laden im Zentrum, der schliessen müsse, bedauern. «Wir denken, die Leute sollten im Städtli einkaufen.» Auch Steiner war dieser Meinung: «Dass man in der Nähe einkauft, sollte das Bewusstsein einer ganzen Gegend sein.»

Stadt mit geringem Einfluss

Der Stadtrat habe keine grossen Möglichkeiten, in der Bau- und Wachstumsproblematik Einfluss zu nehmen, sagte Forrer. Man müsse haushälterisch mit dem Bauland, das der Stadt gehört, umgehen. Ein Gast brachte den Vorschlag, dass man darauf Wohngenossenschaften bauen könne. Da seien dann keine Immobilienhändler dazwischen, «die den Preis in die Höhe treiben».

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