Familie muss wegen kriminellem Vater ausreisen

FRAUENFELD. Seit seiner Jugend ist ein in der Schweiz geborener Mann aus Bosnien-Herzegowina immer wieder straffällig geworden. Jetzt ist den Thurgauer Behörden der Kragen geplatzt; sie schicken mit dem Segen des Bundesgerichts die ganze Familie heim.

Urs-Peter Inderbitzin
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FRAUENFELD. Seit seiner Jugend ist ein in der Schweiz geborener Mann aus Bosnien-Herzegowina immer wieder straffällig geworden. Jetzt ist den Thurgauer Behörden der Kragen geplatzt; sie schicken mit dem Segen des Bundesgerichts die ganze Familie heim. Bereits als Jugendlicher wurde der heute 29jährige Mann mehrmals bestraft, unter anderem wegen Tätlichkeiten und Körperverletzung, aber auch wegen Ruhestörung und Verstosses gegen das Waffengesetz. Das Migrationsamt verwarnte den Mann zweimal, erstmals im Alter von 18 Jahren, dann noch einmal im Alter von 21 Jahren. Den Ausschlag für die zweite Verwarnung ergab unter anderem eine Fahrt unter Alkoholeinfluss.

Bewusstlos geschlagen

Die Verwarnungen nützten wenig bis gar nichts. Bis heute stand der Mann weitere fünfmal wegen Strassenverkehrsdelikten und Körperverletzungen vor Gericht. Die letzte Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten bedingt datiert vom Februar 2013. Er hatte einer unbekannten Person den Weg versperrt und diese bewusstlos geschlagen. Das Opfer erlitt eine Prellung am Kopf, eine Rissquetschwunde, eine Nasenfraktur und weitere Verletzungen.

Sozial nicht integriert

Das Migrationsamt Thurgau widerrief daraufhin die Niederlassungsbewilligung des Mannes. Gleichzeitig beschloss das Amt, die Aufenthaltsbewilligung der Gattin, welche im Rahmen des Familiennachzugs zwei Jahre zuvor in die Schweiz gekommen war, nicht zu verlängern. Damit stand fest, dass nicht nur der Vater, sondern auch die kaum integrierte Frau und der einjährige Sohn die Schweiz verlassen müssen. Eine dagegen eingereichte Beschwerde blieb erfolglos. Laut dem Urteil aus Lausanne kann auch eine Summierung von Straftaten, die für sich allein genommen jeweils für einen Widerruf nicht ausreichen, einen Bewilligungsentzug rechtfertigen. Dies gilt auch bei Personen, die mehr als 15 Jahre in der Schweiz leben oder gar hier geboren wurden. Der Mann sei zwar, da er keine Schulden hat und nicht sozialhilfeabhängig ist, als wirtschaftlich integriert anzusehen; aufgrund der stetigen Delinquenz gilt er jedoch nicht als sozial integriert.

Urteil 2C_111/2014