«Fam. Zürcher» wirkt immer noch

Der Thurgau ist ein Wachstumskanton. Die interkantonale Wanderbewegung zeigt: Seit 2006 ziehen mehr Menschen aus dem Kanton Zürich in den Thurgau als umgekehrt. Eschlikon und Frauenfeld bestätigen diesen Trend.

Sebastian Keller
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Plakat aus dem Jahr 2003: Diese Kampagne habe wohl Früchte getragen, sagt Edgar Georg Sidamgrotzki, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit. (Bild: pd)

Plakat aus dem Jahr 2003: Diese Kampagne habe wohl Früchte getragen, sagt Edgar Georg Sidamgrotzki, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Der Thurgau zieht Zürcher an. Das zeigt sich etwa in Eschlikon. Seit Anfang 2013 zogen 45 Personen aus dem Kanton Zürich nach Eschlikon, umgekehrt waren es 19. Im 2012 verzeichnete die Gemeinde 108 Zuzüge aus Zürich und 53 Wegzüge in den Nachbarkanton. Das erstaunt Robert Meyer nicht. Der Gemeindepräsident Eschlikons stellt einen «Sog Richtung Ostschweiz» fest. Die Gründe dafür kennt er: Die Landkosten und Mieten seien tiefer als im Nachbarkanton. In Eschlikon werde darum rege gebaut. «Bauherren haben keine Mühe mit dem Vermieten oder Verkaufen», sagt Meyer. Als weitere Standortvorteile nennt er das Schulangebot, die Nähe zur Kanti Wil, das ländliche Umfeld und ein reges Vereinsleben.

Frauenfeld und Aadorf

Die Zahlen der Kantonshauptstadt zeigen ein ähnliches Bild: Seit Anfang Jahr zogen aus dem Kanton Zürich 212 Kinder und Erwachsene (Schweizer und Ausländer) nach Frauenfeld; in umgekehrter Richtung waren es 190. Im Jahr 2012 verzeichnete Frauenfeld unter dem Strich einen Zuwachs von 99 Personen aus Zürich (siehe Tabelle). 2008 sah das noch anders aus: 284 Personen verabschiedetet sich damals in Richtung Zürich, 177 kamen von dort.

Die Gemeinde Aadorf, die an den Kanton Zürich grenzt, verzeichnet seit Jahren mehr Zu- als Abwanderer. Für das Jahr 2012 war die Abwanderung nach Zürich aber höher als die Zuwanderung: 125 Personen meldeten sich Richtung Nachbarkanton ab, 110 kamen. Als Trendwende sieht das Seraina Fehr, Leiter Einwohnerdienste, nicht. Dennoch stellt sie fest: «Im Moment sieht es so aus, als würden viele junge Leute nach Winterthur wegziehen.»

«Wir sind attraktiv»

Seit 2006 wandern mehr Personen aus anderen Kantonen in den Thurgau als umgekehrt. Bis dahin betrieb der Kanton aktiv Wohnortmarketing im Inland. Der Grund: Zuvor überwogen interkantonal die Wegzüger. Dann drehte der Wind. «Wir machen seit Jahren kein Wohnortmarketing mehr», sagt Edgar Georg Sidamgrotzki, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. «Der Zuzug zeigt, dass wir attraktiv sind.» Die Kampagne «Familie Zürcher» habe wohl Früchte getragen. Der Thurgau könne mit See und Landschaft trumpfen. Hinzu komme, dass die Kosten fürs Wohnen hier im Vergleich zur Grossregion Zürich tiefer seien. Als weiteren Grund für mehr Zu- als Wegzüger nennt Sidamgrotzki den vielseitigen Wirtschaftsstandort. Heute steht der der Werkplatz Thurgau im Fokus des Marketings, sagt er. Auch neue Unternehmen konnten angesiedelt werden. Zwischen 2000 und 2010 entstanden rund 12 000 neue Arbeitsplätze.

Schwierige Vergleiche

Im Jahr 2011 zügelten 2634 Personen aus dem Kanton Zürich in den Thurgau. Umgekehrt waren es 2027. Unter dem Strich legte der Thurgau um 607 Personen aus Zürich zu. Damit kamen die meisten Zuzüger aus diesem Nachbarkanton, die zweitmeisten aus dem Kanton St. Gallen. Zahlen für das Jahr 2012 über den ganzen Thurgau sind in ein bis zwei Monaten verfügbar. Dies ist bei der Dienststelle für Statistik des Kantons zu erfahren. Erst seit 2010 erhebt das Bundesamt für Statistik die Informationen primär aus den Einwohnerregistern. Ein Vergleich zu früheren Jahren ist schwierig. Seit 2010 erfolgt die Volkszählung jährlich; von 1850 bis 2000 lieferte sie alle zehn Jahre Daten.