Falschi FB-Fründä

Bitte jetzt nicht erschrecken. «Oisi wunderschön 4-Zi-Altbauwohnig a dä Weinstrasse 8 wird frei uf dä 1. Mai oder nach Veriibarig.» oder «Kennt öpper e MPA wo e stell suecht für 100%?? oder isch öppert interessiert?? bitte bi mir melde:) Danke.»

David Angst
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Bitte jetzt nicht erschrecken. «Oisi wunderschön 4-Zi-Altbauwohnig a dä Weinstrasse 8 wird frei uf dä 1. Mai oder nach Veriibarig.» oder «Kennt öpper e MPA wo e stell suecht für 100%?? oder isch öppert interessiert?? bitte bi mir melde:) Danke.»

Quelle: Nicht das Sitzungsprotokoll des Grossen Rats, sondern die Facebook-Gruppe «Bisch vo Frauefeld, wenn...». Wer sich nun darüber aufregt, dass hier Mundart geschrieben wird, der hat keine Ahnung von spontanem Schreiben – und er gehört langsam zum alten Eisen.

111 Mitglieder des Grossen Rats finden, es müsse auch im Parlament erlaubt sein, spontan «aus dem Bauch heraus» so zu reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Mundart gesprochen werde auch in den Kantonsparlamenten von Obwalden und Baselland, wird argumentiert. Der Thurgau orientiert sich also wieder einmal an den Hinterwäldlern.

Bedenken hat der berühmteste Thurgauer Hobbykoch, Walter Hugentobler, der weiss, wie es herauskommt, wenn man etwas aus dem Bauch heraus macht, ohne gross nachzudenken. Bedenken hat auch Peter Dransfeld. Er setzt sich zwar für Dialekt im Kindergarten ein, nicht aber im Grossen Rat. Der sei schliesslich kein Kindergarten. Die Beweisführung bleibt er allerdings schuldig.

Zurück zu Facebook. Das ist ja eine geniale Sache, es wird früher oder später alle anderen Medien ersetzen. Dank Facebook weiss nun nämlich die ganze Welt, dass es im Frauenfelder Talbachkreisel so saumässig hääl sein kann, dass die Autos am falschen Ort aus dem Kreisel rutschen.

Aber Vorsicht, Facebook hat auch seine Tücken. Sollte jemand in den kommenden Tagen anfragen, ob man mit ihm befreundet sein wolle, so ist Vorsicht geboten. Und zwar explizit auch dann, wenn man die Person schon kennt.

Es könnte sich nämlich um einen Betrüger handeln. Oder noch schlimmer, um einen Politiker. Bald stehen ja wieder diverse Wahlen ins Haus.

Und noch ein letzter Ratschlag: Falls man ohnehin überprüfen muss, ob man mit jemandem «befreundet» ist, könnte man sich bei dieser Gelegenheit ja gleich noch fragen: «Will ich mit dem überhaupt noch befreundet sein?»

david.angst@thurgauerzeitung.ch

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