Falsche Briefe bringen Frustration

Der 56jährige Frauenfelder René Weber findet seit zwei Jahren in seinem Briefkasten regelmässig Post, die nicht an ihn adressiert ist. Mit den Entschuldigungsbriefen der Post gibt er sich nicht zufrieden, denn das Problem besteht weiterhin.

Tobias Rüetschi
Drucken
René Weber steht neben seinem Briefkasten, in dem er des öfteren falsch adressierte Post findet. (Bild: Tobias Rüetschi)

René Weber steht neben seinem Briefkasten, in dem er des öfteren falsch adressierte Post findet. (Bild: Tobias Rüetschi)

FRAUENFELD. René Weber ist sauer. «Seit wir vor fünf Jahren hier eingezogen sind, kam es immer wieder vor, doch vor zwei Jahren ist es zu einem massiven Problem geworden», sagt der 56jährige Anwendungstechniker aus Frauenfeld. Seit zwei Jahren hat er mit überdurchschnittlich viel falsch adressierter Post in seinem Briefkasten zu kämpfen. «Der Höhepunkt war, als ich eines Tages neun Briefe, die nicht für mich waren, zugestellt bekam.» Die Adressen auf der Post decken ein weites Spektrum ab. Mal sind sie für einen anderen René Weber bestimmt, mal treffen weder Name noch Adresse zu. Briefe, Pakete, Postkarten und sogar hochsensible Labordaten hat Weber schon erhalten. Er liest die falsch adressierten Briefe aber nicht, sondern schaut, dass sie trotzdem noch an den richtigen Empfänger kommen. «Wenn ich selber Post verschicke, will ich ja auch, dass diese ankommt.»

Rechnung an die Post gestellt

Auch seine Versuche, Kontakt mit der Schweizerischen Post AG aufzunehmen, trugen keine Früchte. «Ich habe nur Standard-Entschuldigungsbriefe bekommen», sagt Weber. Mal sei es die Schuld des Lehrlings, mal diejenige des Pöstlers. «Passiert ist aber nichts, es kam immer wieder vor.»

Als Webers Frustration Ende vergangenen Jahres immer grösser wurde, stellte er der Post eine Rechnung aus und forderte damit eine Aufwandsentschädigung dafür, dass er die viele Post wieder in einen Briefkasten geworfen hatte. «Ich habe mit einem Stundensatz von 120 Franken gerechnet und kam dann auf rund 320 Franken», sagt Weber. Nachdem dreissig Tage verstrichen waren, in denen er nichts von der Post gehört hatte, schickte er eine Zahlungserinnerung. Darauf meldete sich die Finanzbuchhaltung bei ihm. «Sie sagten mir, ich sei am falschen Ort.» Weber habe dann verlangt, dass man seine Rechnung an den richtigen Ort weiterleite. «Ich habe auch gesagt, sie sollen ein Post-it mit den Worten <Weber meint es ernst> draufkleben.» Die Post reagierte aber nur damit, ihm zu sagen, dass er die falsch adressierte Post einfach in den nächsten Briefkasten werfen solle. Eine Entschädigung habe er bis heute keine bekommen.

«Diese Arroganz, mit der mich die Post behandelt hat, finde ich eine Frechheit», sagt Weber. «Ich habe das Gefühl, denen ist es völlig egal, was mit der Post passiert.» Auch habe er das Gefühl, überhaupt nicht ernst genommen zu werden.

Viele Betroffene machen nichts

Wenn Weber diese Geschichte weitererzählt, so ist er überrascht, wie viele Leute mit dem gleichen Problem konfrontiert sind. «Wenn die Leute mir sagen, dass dies bei ihnen auch häufig passiert, dann habe ich das Gefühl, das irgendetwas nicht mehr stimmen kann», sagt Weber. Die Betroffenen sollen sich aber wie er selber bei der Post beschweren, findet Weber. Dann könne vielleicht etwas passieren. «Ich habe das Gefühl, dass viele Leute nichts machen, weil sie Angst haben, sich mit der Post anzulegen.» Weber ist mit seinem Problem nun zu den Medien. Letzte Woche hatte er mit einem «Blick»-Journalisten zu tun. «Einen Tag später hatte ich aber schon wieder einen Brief für meinen Nachbarn im Briefkasten.»

Noch einmal überprüfen

Die Schweizerische Post AG spricht in der Stellungnahme zum Thema von einem Ausnahmefall. Sie könne darum den Ärger von Herrn Weber nachvollziehen und entschuldige sich dafür. «Die betroffenen Mitarbeitenden in der Zustellung, darunter hat es auch viele Lernende, wurden in diesem speziellen Fall aufgefordert, vor der Zustellung jeweils die Adressierung noch einmal zu prüfen.»

Aktuelle Nachrichten